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Ich gehe nicht auf Demos, um friedlich ein Schild hochzuhalten - ich gehöre zum Schwarzen Block

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HAMBURG
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Ich bin aus Amsterdam angereist, um gegen den G20-Gipfel zu demonstrieren. Ich zähle nicht zu denen, die auf eine Demo gehen, um friedlich ein Schild hochzuhalten und eine Parole zu schreien. Ich gehöre zu denen, die sich schwarz anziehen und vermummen, ich gehöre zum Schwarzen Block.

Ich habe noch nie Steine geworfen

Die Weltöffentlichkeit hat gesehen, wie einige von uns das Hamburger Schanzenviertel in Flammen gesteckt haben. Ich selbst war nicht dabei. Ich habe auch noch nie ein Auto angezündet oder Flaschen und Steine geworfen.

Eigentlich demonstriere ich gegen Braunkohle, ich war auch bei den "Ende-Gelände"-Protesten im Hambacher Forst. Und deswegen bin ich auch nach Hamburg zum G20-Gipfel gekommen.

Ich kann versuchen zu erklären, warum viele von uns Krawall machen

Ich kann aber versuchen, zu erklären, warum viele von uns Krawall machen. Ehrlich gesagt hat es mich nicht überrascht, was gestern Nacht im Schanzenviertel passiert ist. Das war das Chaos mit Ansage. Denn die Autonomen hier sind seit Tagen sauer auf die Polizei, weil sie eine Rechnung mit ihr offen haben.

Viele sind der Meinung, dass sich die Polizei repressiv und aggressiv gegenüber den Demonstranten verhalten hat - das haben wir auf der „Welcome to hell"-Demo am Donnerstag gesehen. Die Polizei ist extrem aggressiv hier in Hamburg. Ich kann da schon nachvollziehen, warum darauf viele mit Aggressivität antworten und sich zu Wehr setzen.

Man sollte es nicht als Angriff auf die Polizei werten

Man sollte es auch nicht unbedingt als Angriff auf die Polizei werten, sondern als Protest gegen die Absurdität des G20-Gipfels und der Zerstörung unserer Umwelt und unserer Ressourcen.

Denn hier in Hamburg wird gerade Geschichte geschrieben. Wir befinden uns mehr denn je in einer globalen Krise: Klimaerwärmung, Religionskriege, Umweltverschmutzung, Ressourcenknappheit.

Wir fühlen uns unterdrückt und ohnmächtig

Darüber wird auf dem G20-Gipfel aber kaum gesprochen. Wir fühlen uns nicht mehr von den mächtigsten Staatschef dieser Welt vertreten - mehr noch, viele von uns fühlen sich unterdrückt und ohnmächtig. Mit Gewalt und Zerstörung verschaffen sie sich Gehör. So gehen wir in die Opposition.

Die Aktionen sind für mich ein starkes Zeichen des Widerstands. Aber ich weiß auch, dass die Bilder der Krawalle alles überschatten - nicht nur die Themen auf dem Gipfel, sondern auch die Themen, wofür Zehntausende in Hamburg demonstrieren.

Wenn wir die Zukunft gestalten wollen, dann müssen wir vorausblicken und dürfen uns nicht auf die Unruhen hier versteifen.

Dafür geht es um viel zu viel. Denn die Zerstörung, die täglich anderswo auf unserem Planeten stattfindet, die Aggressionen, die von Staatschefs wie Erdogan, Trump und Putin ausgehen, sind weitaus schlimmer und doch das eigentliche Verbrechen.

Der Text wurde von Maximilian Marquardt und Jürgen Klöckner aufgezeichnet.

Mehr zum Thema: Alle wichtigen Informationen zum G20-Gipfel findet ihr in unserem Live-Blog

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Oft schauen wir auf gesellschaftliche Entwicklungen nur aus einer abstrakten Perspektive: Experten sprechen über Probleme anhand von Studien. Politiker loben, was gut läuft, anhand von grauen Statistiken - all das hat mit dem Alltag der Menschen, die von diesen Entwicklungen betroffen sind oder sie prägen, oft wenig zu tun.

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