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NSA-Überwachung: Tipps und Tricks gegen die Bespitzelung

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Die National Security Agency ist aktuell in aller Munde und sorgt weltweit für viel Verunsicherung. Aus diesem Grund hatte sich US-Präsident Barack Obama Anfang des Jahres in einer Rede ans Volk dem schwierigen Thema gewidmet und Verbesserungen in Aussicht gestellt. Wie die Zeit berichtet, dürfte dies aber nur reine Makulatur sein, zumal Obama noch einmal unterstrich, für wie wichtig er die Spionage als solches erachtet. Immerhin versprach er aber, nicht mehr die Daten von US-Bürgern zu sammeln. Der folgende Artikel gibt Tipps an die Hand, die dem Schutz vor der NSA dienen.

Gesunder Menschenverstand ist das oberste Gebot

Seien Sie sich bewusst, dass viele Spionage-Potenziale mit gesundem Menschenverstand zu bewältigen sind. Laden Sie beispielsweise im Minutentakt ein Foto über die sozialen Netzwerke hoch oder markieren Ihren Standort, ist es logisch, dass Ihre Privatsphäre darunter leidet. Denn es bedarf keinem Experten, um die Verfolgung aufzunehmen.

Die Wahl des richtigen Anbieters

Nehmen Sie vor Wahl Ihres Telefonvertrages insgeheim den eigentlichen Provider unter die Lupe, denn ist dieser Geheimnishüter Ihrer persönlichen Daten. Dank der Snowden-Enthüllungen enthüllt sich, dass die NSA oft Daten bezieht, weil Unternehmen mit dem US-Geheimdienst zusammenarbeiten - gewollt oder auch ungewollt. So wurden unter anderem die Daten von Google, Yahoo, Apple, Facebook, Microsoft und AOL durch den britischen Dienst GCHQ abgefangen, der mit der NSA unter einer Decke steckt.

Als Resultat dieser Misere sollte sich herausstellen, dass europäische Dienste zumindest vertrauenserweckender sind - noch besser sind ebenfalls kleinere Anbieter. Der Kryptografie-Experte Rüdiger Weis erklärte dem Spiegel diesbezüglich: "Es klingt ein bisschen hart, aber ich würde sagen: Traue im Moment keiner amerikanischen Firma. Wir haben die Situation, dass US-Firmen Hintertüren einbauen müssen, aber nicht darüber reden dürfen." Zu den Dingen, die es mit Bedacht zu wählen gilt, gehören Suchmaschine, E-Mail-Anbieter, Chat-Programm, Betriebssystem, Social Network und Speicher- bzw. Cloud-Dienste.

1. Verschlüsseln von Daten jeglicher Art

Edward Snowden hatte im Interview mit dem NDR zugegeben, dass "Verschlüsselung funktioniert". Es sei eines der "wichtigsten Dinge, auf die man aktuell setzen kann". Zwar schwächt die NSA angeblich auch einige Verschlüsselungsstandards, doch seien davon noch lange nicht alle betroffen. Das von Phil Zimmermann erfundene Pretty Good Privacy (PGP) ist beispielsweise als sehr sicher eingestuft. Zu den zu verschlüsselnden Daten gehören Chat-Nachrichten, E-Mails und auch Anhänge in E-Mails.

Wer auch das Telefonieren verschlüsselt durchführen will, muss dagegen schon etwas mehr Aufwand betreiben. Hier haben sich in letzter Zeit sogenannte Krypot-Telefone etabliert, die zumindest in Deutschland erst noch im Kommen sind. Mit diesen soll eine abhörsichere Telefonie ermöglicht werden. Funktionieren tut dies durch eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Laut Daniel Stockhaus, Co-Gründer von telefon24, ist die aktuelle Technologie eine Möglichkeit, sich gegen Spionage zu schützen, wobei eine zuverlässige Aussage in diesem Kontext nur bedingt möglich ist.

2. Metadaten im Auge behalten

Selbst, wenn man es geschafft hat, dass die Inhalte und E-Mails verschlüsselt werden, sind Ihre Metadaten nicht wohlgehütet geschützt. Hierbei handelt es sich um Informationen, wie wer wann wo mit wem telefoniert hat. Experten raten daher dazu, das Telefon gänzlich in den eigenen vier Wänden zu lassen, wenn Sie sich auf dem Weg zu wichtigen Orten befinden. Auch ein Informant, der Daten an einen Journalisten weitergibt sollte Acht geben. So sind beispielsweise Betreffzeilen von E-Mails nicht verschlüsselt übertragbar. Auch werden Datum und Uhrzeit gespeichert.

3. Anonymität im Internet dank spezieller Dienste

Gefahrenpotenzial Nummer eins ist (und bleibt) aktuell das Internet, denn so anonym man sich fühlen mag, so sieht die Realität anders aus. Jeden Klick, den Sie im Internet tätigen, wird gespeichert und dank der IP-Adresse zurückverfolgbar sein. Hierfür sollten Anonymisierungstools, wie beispielsweise Tor (The Onion Routing) verwendet werden. Natürlich sagen Sie möglicherweise zurecht, dass Sie sowieso nichts zu verbergen haben, aber das käme sinnbildlich dem gleich, wenn man Briefumschläge, Gardienen und Schlösser vollkommen entfernt. Soll heißen: Ihre Privatsphäre ist ein wichtiges Gut!

4. Verzichten üben und Verantwortung ausüben

Wem es nicht möglich ist, eine sichere Verbindung oder Verschlüsselung herzustellen, der muss sich im Verzichten üben. Dementsprechend sollte nichts Hochsensibles am Telefon oder via Mail kommuniziert werden. Im Notfall resultiert aus Ihrer Handlung mehr Schaden als Gewinn, wenngleich dies einem Horrorszenario gleichkommt.
Aber auch die Verantwortung spielt eine große Rolle. Halten Sie Ihre Software immer aktuell und überprüfen sie stets Ihre Vorgehensweisen und Abläufe. Verfallen Sie nicht in Faulheit oder Marotten. Befassen Sie sich zudem mit der Technik und informieren Sie sich! Passwörter, Apps, Privatsphäre, Verschlüsselung und Co. verändern sich immer wieder.

Bilanzierend ist es schier unmöglich jede Schnittstelle hinsichtlich etwaigen Gefahren zu prüfen, aber vor allem das Internet birgt zahlreiche Gefahren, die Sie auf keinen Fall unterschätzen sollten, wie die oben genannten Experten bestätigen.

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