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Our World: Disabled and Displaced

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
OUR WORLD
Rima Armstrong
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Der Krieg in Syrien ist einer der l├Ąngsten und brutalsten Konflikte unserer Zeit. Er hat bereits Hunderttausenden Syrern das Leben gekostet. Zu viele haben unvorstellbare Grausamkeit erlebt; f├╝r die ├ťberlebenden nimmt der Alptraum kein Ende. Die Zahlen sind erschreckend: 11 Millionen Menschen mussten vor der Gewalt in ihrer Heimat fliehen.

Rund 1,4 Millionen Syrer haben im benachbarten Jordanien Zuflucht gefunden. Davon ist rund ein Drittel behindert oder schwer krank. Eine gewaltige Zahl, in vielerlei Hinsicht jedoch nicht verwunderlich. Der Krieg hinterl├Ąsst seine Spuren. Das Land wird den Fl├╝chtlingen nicht mehr Herr. Die jordanische Regierung r├Ąumt ein, dass nicht allen geholfen werden kann. Einfach gesagt, um besonders pflegebed├╝rftige Fl├╝chtlinge umfassend versorgen zu k├Ânnen, braucht Jordanien mehr Geld.

Vor unserem Our World-Film f├╝r BBC World News konnte ich nicht begreifen, wie es f├╝r einen behinderten Menschen m├Âglich ist, aus seiner Heimat zu fliehen. Und wenn doch, was geschieht, wenn dieser Mensch unverzichtbare Reha-Ma├čnahmen oder eine Langzeitbehandlung braucht , um zumindest noch ein St├╝ck weit unabh├Ąngig zu bleiben? Beinprothesen kosten viel Geld, Physiotherapie ist f├╝r viele Luxus und Medikamente sind teuer. Rollst├╝hle gehen kaputt, und die Reparatur kostet Geld.
 
F├╝r mich als k├Ârperlich Behinderte waren die Dreharbeiten eine gro├če Herausforderung. Ein Produzent hat die gesamte Reise f├╝r mich geplant und mir einen Kleinbus f├╝r alle Fahrten organisiert, und ich hatte einen wunderbaren Fahrer, der den Wagen an leicht zug├Ąnglichen Pl├Ątzen parkte. Er war so stark, dass er mich und mein Elektromobil mehrmals am Tag aus dem Bus und wieder hinein hieven konnte. Selbst mit Zugang zu einer Rampe und einem Rollstuhl gab es immer noch Orte und Menschen, die f├╝r mich unerreichbar blieben. Die Menschen, denen ich begegnet bin, haben keine solche Hilfe, doch das macht sie nur umso st├Ąrker und abgeh├Ąrteter. Viele wissen um ihre St├Ąrken und wollen der Welt zeigen, dass sie trotz ihrer schrecklichen Lage alles schaffen k├Ânnen.

Gemeinsam mit Handicap International, einer der gr├Â├čten Hilfsorganisationen vor Ort, besuchten wir die beiden syrischen Fl├╝chtlingslager Jordaniens - Za'atari und Azrac. Za'atari liegt mitten in der W├╝ste, nur wenige Kilometer von der syrischen Grenze entfernt. In dem Lager, so gro├č wie eine Stadt, leben fast 80.000 Menschen. An einem der festen Zentren der Organisation sah ich so viele Amputierte wie noch nie in meinem Leben. Es sind Menschen, die mit den Folgen des Krieges leben m├╝ssen, doch zumindest werden sie hier von ausgebildeten und engagierten ├ärzten medizinisch versorgt.┬á

our world disabled and displaced

Ich traf M├Ąnner, die beide Beine verloren hatten und am Balken wieder ihre ersten Gehversuche wagten - etwas, das die meisten Menschen mit k├Ârperlichen Behinderungen kennen. Ein gro├čartiges Training. Mohammed ist cerebral gel├Ąhmt. Er verbesserte seine Stabilit├Ąt beim Spielen. Ragda trainierte ihre Armmuskeln - von der Stiftung hat sie einen Rollstuhl bekommen, daf├╝r braucht sie Kraft. Zuhause in Syrien hatte sie keinen. Die Menschen werden auch psychologisch unterst├╝tzt, was die meisten, die ihre Heimat, Freunde und Familie verlassen mussten, unbedingt brauchen.

Vor Za'atari hatte ich noch nie ein Fl├╝chtlingslager besucht. Aus Nachrichten und Online-Artikeln hatte ich ein bestimmtes Bild vor Augen. Aus dem Lager kommt man nicht mehr heraus. Ein Leben als Fl├╝chtling ist hart, f├╝r viele zu hart, um es ├╝berhaupt zu begreifen. Das, was f├╝r uns selbstverst├Ąndlich ist, gibt es hier nicht, und f├╝r Behinderte ist der Alltag fast unm├Âglich zu bew├Ąltigen. Worauf ich nicht vorbereitet war, war die St├Ąrke und die positive Einstellung der Menschen im Lager, deren Leben sich in einem Schwebezustand befindet. Menschen mit Behinderungen wollen von anderen nicht bemitleidet werden, sie wollen einfach nur ihr Leben leben. So war es jedenfalls bei den vielen behinderten Syrern, die wir kennengelernt haben. Trotz ihrer misslichen Lage k├Ânnen sie immer noch lachen. Sie haben vergn├╝gt mit uns zu Mittag gegessen, geraucht und Witze erz├Ąhlt. Und noch nie wurde ich so oft gefragt, ob ich bei Facebook bin.

Doch nicht alle syrischen Fl├╝chtlinge sind in Lagern untergebracht. Rund 80% aller Fl├╝chtlinge in Jordanien leben in oder nahe der Hauptst├Ądte, so auch Abd Al Aseem und sein Bruder. Abd hatte einen Schlaganfall und konnte monatelang nicht laufen oder sich bewegen. Er braucht teure Medikamente, die sich seine Familie nicht leisten kann. Sie haben Schulden. Und obwohl es ihm langsam besser geht, dank der unerm├╝dlichen Unterst├╝tzung seiner Familie und einer Stiftung, muss er noch immer aus dem dritten Stock heruntergetragen werden, wenn er seine Wohnung verlassen will. F├╝r behinderte Fl├╝chtlinge sind die Mietpreise f├╝r Wohnungen wie die von Abd ein gro├čes Problem: Je weiter oben, desto g├╝nstiger wird es.

Abd kann noch immer nicht sprechen. Von seinem Bruder aber wei├č ich, dass er ein netter, gro├čz├╝giger Mann gewesen sei, der sein Familienunternehmen f├╝hrte und f├╝r jeden, der ihn brauchte, Zeit hatte. Er hatte ein sch├Ânes Leben, er konnte f├╝r seine Frau und seine Kinder sorgen. Nun ist seine Situation aussichtslos. Das Leben hat ihm ├╝bel mitgespielt. Die Familie, die wohl nie mehr nach Syrien zur├╝ckkehren wird, hangelt sich von Tag zu Tag.

Ein junger Mann will jedoch unbedingt nach Hause zur├╝ck: Den charismatischen Moead habe ich in einem Krankenhaus f├╝r rekonstruktive Chirurgie kennengelernt, das von ├ärzte ohne Grenzen in der jordanischen Hauptstadt Amman gef├╝hrt wird. Bei einer Explosion in Syrien hat er ein Bein verloren. Wir haben uns auf Anhieb verstanden. Ihm gefiel mein Elektromobil. Ich sagte ihm, es w├╝rde ihn faul machen. Danach nannte er mich nur noch lazy girl, faules M├Ądchen. Ich hatte das Gef├╝hl, er wollte mit mir Flirten - vielleicht aber auch nicht.

W├Ąhrend unserer Dreharbeiten f├╝r Our World: Displaced & Disabled f├╝r BBC World News haben wir so viele unglaubliche Menschen kennengelernt. Trotz gro├čer Unterschiede hatten sie eines gemeinsam: ihre be├Ąngstigende totale Abh├Ąngigkeit von einer Hilfsorganisation. Wir alle meinen, unser Leben selbst zu kontrollieren. Diese Menschen tun es nicht.

Our World: Disabled & Displaced auf BBC World News:

Freitag, 27. Mai um 1.30 Uhr
Samstag, 28. Mai um 13.30 Uhr
Sonntag, 29. Mai um 6.30 und 19.30 Uhr
Freitag, 3. Juni um 11.30 Uhr


Fl├╝chtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Fl├╝chtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die N├Âte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu l├Âsen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterst├╝tzen k├Ânnt.

Die Nachrichten von ertrunkenen Fl├╝chtlingen nehmen kein Ende. Auch, weil es viel zu wenig Rettungskr├Ąfte auf dem Mittelmeer gibt. Hier versucht die Mannschaft des Schiffes Sea Watch 2. zu helfen. Spenden ben├Âtigt die Crew f├╝r Nahrung, Schwimmwesten und Medikamente.

Auf der sogenannten Balkanroute ist ein gro├čer Teil der Fl├╝chtlinge unterwegs. Der Verein Soups & Socks versorgt Fl├╝chtlinge hier mit einer warmen Mahlzeit und anderen lebensnotwendigen Dingen. Hier geht es weiter zur Soups & Socks Tour.

Ein weiteres Problem sind die vielen unbegleiteten, minderj├Ąhrigen Fl├╝chtlinge in Berlin. Ihnen vermittelt die Organisation Akinda beispielsweise einen gesetzlichen Vertreter. Wie das geht, beschreiben die Initiatoren hier.