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Die Niederländer werden morgen zeigen, was sie wirklich über Flüchtlinge und den Islam denken

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NETHERLANDS PROTESTANTS
Yves Herman / Reuters
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Heute um 21 Uhr schließen die Wahllokale. Heute entscheidet sich die Zukunft der Niederlande.

Noch immer ist unsicher, welche Partei die meisten Sitze in der 2. Kamer - der Zusammenstellung der Regierung - bekommt.

Als Deutsche in den Niederlanden darf ich nicht wählen, doch verfolge ich dieses Kräftemessen mit Spannung.

Geert Wilders macht sich als Vorsitzender stark für seine rechtspopulistische Partei PVV (Partei für Freiheit) - zumeist mit unmissverständlichen Aussagen über die Einreise und Verbleib von Ausländern islamischer Herkunft in den Niederlanden.

Wilders verdient keine Aufmerksamkeit

Damit verdient er eigentlich keine Aufmerksamkeit von der Presse, im Gegenteil: Wer mit rassen- und religionsfeindlichen Aussagen an die Spitze der Politik kommen will, dem sollte eigentlich der Rücken zugekehrt werden.

So sehen das auch andere große Parteien, wie die derzeit regierende VVD, für die eine Koalition mit der PVV ausgeschlossen ist .

Doch sinkt die Zahl der Anhänger der PVV nur leicht, wahrscheinlich gerade wegen diversen Eklats
Wilders. Das verlangt nach einer Erklärung: Warum fühlt sich ein beträchtlicher Teil der Wähler zur PVV hingezogen?

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Aus Angst oder einem Bedürfnis an Sicherheit? Um den eigenen Status als 'echter' Niederländer hoch zu halten? Eine Antwort darauf gibt es auf der einen A4 Seite, die das gesamte Wahlprogramm der PVV umfasst, sicherlich nicht.

Kein Verständnis für die PVV

In meinem Umfeld herrscht wenig Verständnis für die Partei und ihre Gruppe von Wählern.

Wenn man über die Waalbrücke in meine Wahlheimat Nijmegen kommt, liest man auf den Brückenpfeilern in großen Buchstaben: "gastvrij" (gastfrei) und "refugees welcome".

Das beschreibt das Gefühl, mit dem man sich hier über den Weg läuft. Denn in linken Städten wie Amsterdam, Utrecht und Nijmegen ist von rechtspopulistischem Gedankengut wenig zu merken.

Mehr zum Thema: Neue Rechte Welle: 11 Fakten über Geert Wilders, einen der gefährlichsten Politiker Europas

Hier spielt die PVV eine Nebenrolle, die mit Genugtuung auch schon mal links liegen gelassen wird. Denn das sind die Niederlande auch: offen, hilfsbereit und tolerant.

In welchen anderen Ländern müssen sich die freiwilligen Helfer auf Wartelisten eintragen, um Flüchtlingen ihr neues Land zu zeigen?

Wo werden beinahe zu viele Kleider und Spielsachen gespendet und wo bietet so mancher einem Syrer oder Somalier ein Bett im eigenen Haus an?

Diese Niederlande wenden sich ab von Geert Wilders oder schalten abends um, wenn er übers Fernsehen bemerkbar gemacht wird. So kenne ich dieses Land, in dem ich als Deutsche genauso willkommen bin wie jeder Niederländer auch.

Mehr zum Thema: So schlachtet Geert Wilders den Türkei-Streit mit Erdogan für seinen Wahlkampf aus

Sicher, die eigene Wirklichkeit spiegelt nur einen Teil der Wahrheit und wird beeinflusst durch die lokale Umgebung und Einwohner, doch gehört auch dies zu einem Land, das sich einig werden
muss.

Jetzt müssen wir nur noch hoffen, dass genug Menschen umsichtig und vorrausschauend handeln und am 15. März ihr Kreuz hinter der richtigen Partei setzen.

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