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Der Tod eines Silberr├╝ckens und die Folgen

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
GORILLA
Andrew Dernie via Getty Images
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Erschie├čung eines Gorillas in den USA l├Âst Grundsatzdebatte ├╝ber Zoos aus.

Ende Mai wurde Harambe, ein m├Ąnnlicher Gorilla, vom Personal des Tiergartens im amerikanischen Cincinnati erschossen, nachdem ein vierj├Ąhriger, unbeaufsichtigter Bub in das Gehege der Menschenaffengruppe geklettert war. Die Erschie├čung des Silberr├╝ckens (adulter m├Ąnnlicher Gorilla) sorgte nicht nur in sozialen Netzwerken f├╝r heftige Reaktionen. Vielerorts wurde der Ruf nach einer Grundsatzdebatte ├╝ber Zoos laut. Und das zu Recht.

Experten, die Gorillas seit Jahren in freier Wildbahn beobachten, haben das verf├╝gbare Videomaterial analysiert und Verst├Ąndnis f├╝r die Schwierigkeit gezeigt, in so einer Situation rasch und richtig zu handeln. Harambes schiere Kraft h├Ątte den Jungen folgenschwer verletzen k├Ânnen. Die Sicherheit des Kindes musste gew├Ąhrleistet werden. Doch das verf├╝gbare Videomaterial zwingt zu der Frage, ob nicht auch andere Ma├čnahmen m├Âglich gewesen w├Ąren, denn Harambe zeigte eher beh├╝tendes Verhalten als Aggression.

Zugleich ist der Vorfall Zeitdokument einer absolut widrigen Begegnungsweise zwischen Wildtier und Mensch. Harambe ist jeden Tag den Blicken Hunderter Augenpaare, lauten Zurufen, Gekreische und in das Gehege geworfenen Essensteilen ausgesetzt. Sein Aktionsradius ist drastisch eingeengt, ein vollst├Ąndiges Zur├╝ckziehen nicht m├Âglich. Wie der Vorfall weiters zeigt, ist der Besucher kaum aufgekl├Ąrt und uninformiert, seine Beziehung zum beobachteten ÔÇ×Objekt" ist eindimensional.

Begegnung in freier Wildbahn

Vergleichen wir dies mit der Form der Begegnung mit einem Gorilla in freier Wildbahn, f├╝r die Menschen, die nach Zentralafrika reisen, viel Geld zahlen. Man erh├Ąlt eine Einschulung, darf keine infekti├Âse Krankheit haben (ein Schnupfen w├Ąre f├╝r den Gorilla t├Âdlich), muss sich respektvoll verhalten und den Anweisungen der Experten Folge leisten. Kurz gesagt: Man erf├Ąhrt viel ├╝ber Gorillas und ├╝ber ihren Lebensraum, gleichzeitig aber auch ├╝ber den notwendigen Respekt, den es aufzubringen gilt, um diesen Tieren zu begegnen und sie zu sch├╝tzen.

Orca-Zucht wird eingestellt

Zweifellos ist die Begegnung und vor allem die Beziehung Mensch-Tier nicht nur wichtig, sondern auch bereichernd. Teure Reisen zu seltenen Arten aber sind kein breitentaugliches Konzept. Trotzdem dr├Ąngt sich die Frage auf, ob es im 21. Jahrhundert legitim ist, Arten, die hoch entwickelt sind, deren Aktionsradius gro├č und deren Sozialverhalten komplex ist, weiterhin in Gefangenschaft zu halten.

Die Forderung nach Anerkennung von Tieren als ÔÇ×eine nicht menschliche Person" ist nicht neu und gewinnt gerade in akademischen Kreisen an Unterst├╝tzung. Bereits 2010 entwickelten Experten die Deklaration f├╝r die Rechte von Walen und Delfinen, die dem Konzept der Gefangenschaftshaltung eine klare Absage erteilt.

Zuletzt ├╝berraschte der Vergn├╝gungspark-Konzern Sea World mit der Ank├╝ndigung f├╝r Aufsehen, die Zucht von Orcas einzustellen und die Haltung dieser gr├Â├čten Delfinart auslaufen zu lassen. Grund: der Wertewandel in der Gesellschaft. Daher ist eine Debatte, wie das Konzept Zoo im 21. Jahrhundert auszusehen hat, von gesellschafts- und umweltpolitischer Bedeutung.

Das bedeutet kein Ende des Zoos, sondern ein Umdenken, das auf folgende Fragen fokussiert: Welche Tiere kann man halten, ohne deren Bed├╝rfnisse einzuschr├Ąnken? Wann ist eine Haltung tiergerecht? Welches Ziel wird mit der Haltung und Zurschaustellung verfolgt? Menschenaffen, Waltiere und Elefanten sollten sich dann auf jener Liste finden, deren Haltung der Vergangenheit angeh├Ârt.

Nicolas Entrup (*1972 in Wien) ist seit
25 Jahren im internationalen Tier- und
Artenschutz t├Ątig.

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