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Macht durch Stimme: Wie Sie Ihr Publikum für sich gewinnen

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STIMME
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Stellen Sie sich vor, Ihre Visitenkarte kann sprechen. Mit Ihrer Stimme. Wie würde sie sich in Ihren Ohren anhören? Sicher, bestimmt, angenehm, lebendig? Oder schnell, undeutlich, monoton? Vor allem weibliche Führungskräfte, die sich Gehör verschaffen wollen, brauchen ihre Stimme. Frau Wisper wird es nicht schaffen. Die gute Nachricht: Sie kann etwas dagegen tun.

Die Stimme der Macht ist ein Instrument. Und das kann man erlernen. Ich erlebe das immer wieder in meiner Arbeit mit Rednern, Politikern und Führungskräften - ob männlich oder weiblich - dass Menschen, trotz hoher Kompetenz, aufgrund einer leisen, undeutlichen Stimme sowie einer unsicheren Haltung weder adäquat gehört noch wahrgenommen werden.

Ihre Stimme ist Ihre akustische Visitenkarte. Dazu kommt Ihre Körpersprache. Und nur wenn diese beiden zusammen passen, wenn Optik und Akustik harmonieren, sind Sie „stimmig".
„Sprich, damit ich Dich sehe!", hat angeblich schon Sokrates gesagt. Denn unsere Stimme verrät fast alles: Wie alt sie sind, wo Sie herkommen, ob Sie ein Mann sind oder eine Frau, in welcher Stimmung Sie sind und wie Sie sich fühlen. Ihre Zuhörer nehmen wahr - auch am Telefon - wie es Ihnen geht. Ob Sie müde, krank, gestresst, abgelenkt, unehrlich sind oder voller Energie, zugewandt und emphatisch.

Das Zusammenspiel zwischen der Stimme und der Sprechweise macht Menschen unverwechselbar. Und danach werden sie beurteilt, ob sie wollen oder nicht.

Die Zuhörer erleben alles mit

Wenn Sie mit einer warmen, vollen, eher tiefen Stimme, melodisch und in einem angemessenen, gutem Tempo verständlich sprechen, werden Sie automatisch als kompetent und angenehm beurteilt. Wer angenehm spricht, steht in der Regel vor einem dankbaren Publikum.

Leider funktioniert das auch in die Gegenrichtung: Eine flache, leise und zu hohe Stimme wird selten als souverän empfunden. Eine enge Kehle und den daraus resultierenden engen Klang verbinden wir mit Angst, Unsicherheit, Trauer oder Ekel. Durch den sogenannten „inneren Nachvollzug", die Tätigkeit der Spiegelneuronen, spüren die Zuhörer nicht nur die Anspannung in Körper und Stimme des Sprechenden, sie überträgt sich auch auf sie selbst:

- Wer einen hektischen Atem hört, schnappt selbst nach Luft.
- Wer einer heiseren Stimme zuhört, wird sich selbst räuspern und unwohl fühlen. Deshalb bewertet er den Sprechenden und seine Inhalte negativ oder schaltet innerlich ab.
- Wer einen entspannten Atem, eine offene Kehle und damit einen warmen, vollen Klang hört, fühlt sich wohl, beurteilt den Redner intuitiv - auch inhaltlich - viel besser und spricht ihm Kompetenz, Menschlichkeit und Überzeugungskraft zu.

Sie kennen die Redewendungen? „Ich habe einen Kloß im Hals. Mir schnürt es die Kehle zu. Da bleibt mir die Luft weg." Oder eben: „Der spricht im Brustton der Überzeugung"! Entscheidend für den überzeugenden Brustton ist, dass man sich auf drei Faktoren fokussiert: Haltung, Atem und Stimme.

Haltung hörbar machen

In Stimmtrainings geht es immer darum, neben den Inhalten auch die eigene Haltung hörbar werden zu lassen. Nur so können Führungskräfte Gedanken, Konzepte oder gar Visionen an den Mann und die Frau bringen. Wer begeistern will, muss „stimmig" sein und Stimmung erzeugen. Wer überzeugen will, muss die Begeisterung auslösen können, die erfolgreiches Unternehmertum braucht. Dabei geht es nicht um eine „schöne", sondern um eine „freie" Stimme mit all den wunderbaren Möglichkeiten, ihr ganzes Spektrum zu nutzen.

Dazu kommt eine lockere, aufrechte Haltung, die den Sprechenden souverän und „aufrichtig" erscheinen lässt. Sie ermöglicht eine tiefe Atmung und damit eine vollere Stimme. Machen Sie sich groß und zeigen Sie, dass Sie „rüberkommen" wollen!

Stimmige Geschichten

In den Führungsetagen werden heute Geschichten erzählt, um zu überzeugen und zu begeistern. Denn: Eine gute Geschichte ist leicht verständlich und wird gerne weitererzählt.
Gute Geschichten verankern sich im Gehirn - geschickte Redner nutzen diesen Vorteil und verwenden eine Technik, die mit dem Begriff „Storytelling" bezeichnet wird. Dabei werden komplexe Inhalte vereinfacht und in einen Zusammenhang gebracht. Die so entstandene Geschichte wird anschaulich erzählt, z.B. anhand von Metaphern, damit sie besser im Gedächtnis bleibt.

Und für das Storytelling brauchen Sie Ihre Stimme! Wenn Sie Helden und Widersacher zu Wort kommen lassen, lassen Sie sie in unterschiedliche Stimmlagen sprechen. Aus dem Schauspieler-Repertoire setze ich im Stimmtraining Übungen ein, damit es leichter fällt, die Geschichten zum Leben zu erwecken: Um Emotionen mit seiner Stimme auszudrücken, um Lautmalerei einzusetzen und um bei langen Geschichten gut bei Stimme zu bleiben.

Lampenfieber ist heilbar

Für Frau Wisper sind Gelassenheit und gute Stimmung entscheidend, auch unter Stress! Denn in vielen Menschen sitzt eine tiefe Angst, beim Sprechen in der Öffentlichkeit die Kontrolle zu verlieren und von der Wucht ihrer Gefühle überrollt zu werden. Die Folge: Einschläfernde und monotone Reden oder Präsentationen, „Death by PowerPoint". Im Mut zu stimmlicher Lebendigkeit steckt auch die Furchtlosigkeit vor dem Kontrollverlust. Um seine Angst vor dem Sprechen überwinden und dieses Risiko eingehen zu können, braucht es viel Übung.

Immer wieder werde ich gefragt, ob man seine Stimme überhaupt verändern kann. Ja, natürlich! Zur individuellen Anatomie des Kehlkopfes und des Ansatzrohres - also Mund, Nase, Rachenraum - gibt es natürlich keine Alternativen. Doch Stimmgebrauch und Sprechweise sind erlernt, d.h. man kann erworbene Muster „umprogrammieren". Nun, das klappt selten nach nur einer Stunde Stimmtraining, es dauert aber definitiv nicht so lange wie man braucht, um Klavier spielen zu lernen...

Zu einer Frau mit Macht gehört eine mächtige Stimme. Denn eine Frau, die im Brustton ihrer Überzeugung spricht, kann man weder überhören noch übergehen. Eine Frau mit der richtigen Haltung wirft nichts so leicht um. Und genau solche Frauen brauchen wir jetzt.

Nicola Tiggeler ist Teilnehmerin auf dem Feminess Business Kongress am 07.03.2015 in Frankfurt.
Weitere Informationen finden Sie hier.


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