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Mit Baby und Kleinkind auf Reisen

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JOURNEY BABY
Titus Lacoste via Getty Images
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Besser buchen, perfekt packen

Eine Reise fängt oft mit der Buchung an. Informieren Sie Ihr Reisebüro darüber, dass Sie mit Baby oder Kleinkind reisen. Oft haben die Mitarbeiter dort wertvolle Tipps für Sie. Recherchieren Sie im Internet nach Reisen mit Kindern und profitieren Sie von den Erfahrungen anderer Eltern. Buchen Sie hinreichend lange im Voraus, damit Sie den Fensterplatz oder das „Zimmer nach hinten raus" bekommen, das Sie brauchen oder wollen.

Packen Sie nur das ein, was Sie wirklich benötigen. Wenig Gepäck macht Sie flexibel. Wir neigen alle dazu, zu viel zu packen. Auf den meisten Reisen reichen Kleider für eine Woche vollkommen aus, meistens wäscht man ja doch zwischendurch.

Tipp: Machen Sie nach jeder Reise eine Liste, was Sie für Ihr Kind wirklich benutzt und gebraucht haben, was unnötiger Ballast war und was Sie nicht dabei hatten, aber besser mitgenommen hätten. So erarbeiten Sie sich nach und nach Ihre ganz persönliche „Muss-mit-Liste". Sie werden erstaunt sein, wie wenig Sie - und Ihr Kind/ ihre Kinder - wirklich brauchen!

Autofahrten ohne Stress

Wenn Ihr Baby sich juchzend in der Babyschale anschnallen lässt, nur um an der zweiten Kreuzung zuverlässig in einen seligen Schlaf zu fallen - herzlichen Glückwunsch! Freuen Sie sich, genießen Sie es und haben Sie Nachsicht mit all den gestressten Eltern, bei denen es nicht so ist.
Babyschalen sind kein artgerechter Transport. Viele Kinder machen das nur sehr kurz mit, dann beginnen sie zu jammern, zu weinen oder gar zu schreien.

Nicht wenige Mütter lernen schnell, sich neben die Schale zu setzen und das unglückliche Baby während der Fahrt dort zu stillen. Viele Eltern greifen zu den abenteuerlichsten Tricks, um das schreiende Kind zu beruhigen. Hier gilt: Autofahren ist natürlich eine »nicht artgerechte Situation«, erlaubt ist also alles, was die Sicherheit nicht gefährdet und Ihnen allen hilft, diese Autofahrten gut zu überstehen. Hier einige Tipps:

  • Planen Sie längere Strecken zu einer Tageszeit ein, wenn das Kind ohnehin schlafen würde, und bringen Sie es wenn möglich schon in der Babyschale in den Schlaf.
  • Achten Sie in diesem Fall darauf, dass Ihr Baby satt und »leer« ist, wenn Sie es in den Sitz setzen, halten Sie ein windelfrei-Baby gegebenenfalls vorher ab, wickeln Sie ein Wickelkind noch mal frisch.
  • Wenn Ihr Baby partout nicht im Auto schläft, fahren Sie zu einer Zeit, in der das Kind im »entspannten Wachzustand« ist und sich zum Beispiel ein Stoffbilderbuch eine Weile interessiert anschauen wird.
  • Führen Sie stets spezielle Spielsachen im Auto mit, die es nur dort gibt und die besonders interessant sind. Gut ist alles, was Geräusche macht, weich und ungefährlich ist.
  • Haben Sie von allem (Essen, Spielsachen) ausreichend Vorrat neben sich, es wird einiges im Laufe der Fahrt im Fußraum landen.
  • Sobald das Kind sicher essen kann, kann man ihm ungefährliche Knabbersachen in die Hand drücken, mit denen es während der Fahrt nach Belieben »herumsauen« kann (nichts, an dem es sich verschlucken könnte!).
  • Singen Sie für Ihr Baby und erzählen Sie ihm, an was für tollen Stellen Sie vorbeifahren.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Baby, erzählen Sie ihm lustige Sachen, lachen Sie mit ihm.
  • Schnallen Sie die Babyschale neben sich auf dem Beifahrersitz fest (Airbag ausschalten!) und kitzeln sie das Kind an den roten Ampeln, wenn es sich langweilt.
  • Wenn die Kinder älter sind, helfen Hörspiele und Bücher.

Grundsätzlich gilt: Anschnallen ist Pflicht, Sicherheit hat Priorität. Wenn wir uns entscheiden, das Baby oder Kleinkind im Auto zu transportieren, müssen wir auch bereit sein, die Konflikte auszuhalten, die ein Anschnallgurt mit sich bringen kann.

Wenn alles nichts hilft: Kaufen Sie eine Monatskarte und nutzen Sie die öffentlichen Verkehrsmittel. Es ist umweltfreundlich, viel interessanter für Ihr Baby (all die Menschen auf Augenhöhe!), und Sie können flexibler auf die Bedürfnisse Ihres Kindes reagieren.

Flugreisen ohne Stress

Auch Flugreisen sind nicht artgerecht, lassen sich aber gut bewältigen, wenn man ein paar Dinge beachtet. Im Flugzeug haben wir die Sondersituation, dass wir weder spontan anhalten noch uns frei bewegen können. Außerdem stellt der wechselnde Luftdruck viele Kinder vor Probleme. Je nachdem, wie lange Sie fliegen, müssen Sie sich ausgiebig vorbereiten. Nehmen Sie ausreichend Getränke, Essen, Windeln, Wechselsachen, Spielzeug und Kuschelsachen mit.

Vergessen Sie den Plan, gemütlich ein Buch zu lesen, bis Sie in Washington landen. Vielleicht schläft Ihr Baby den Großteil der Reise. Vielleicht aber auch nicht. Nehmen Sie es gelassen hin. Je älter die Kinder werden, desto einfacher wird es. Hier ein paar Tipps für Flugreisen mit dem Baby:

  • Halten Sie Ihr Kind ab oder wechseln Sie die Windel und gehen auch Sie selbst auf die Toilette, bevor das Flugzeug startet oder landet. Sind die Anschnallzeichen erst einmal angeschaltet, sitzen Sie fest.
  • Stillen Sie Ihr Kind bei Start und Landung, um ihrem Baby beim Druckausgleich zu helfen. Kleinkinder können Wasser trinken. Manchmal verweigern die Kinder alles, weil es so auf den Ohren drückt, dann haben Sie ein besonders leckeres Getränk in einer auslaufsicheren Trinkflasche dabei, um den kleinen Reisenden vielleicht doch noch zu überzeugen.
  • Haben Sie auf Langstrecken einen Pucksack dabei oder ein Tragetuch, mit dem Sie ein total verwirrtes Baby sanft pucken können.
  • Ist das Flugzeug auf Reiseflughöhe, stehen Sie mit dem Baby auf, tragen Sie es durchs Flugzeug, laufen Sie mit Ihrem Kleinkind herum, entdecken Sie Passagierraum und Waschraum, freunden Sie sich mit anderen Kindern oder Passagieren an. Besser ist es, jetzt dieses Bedürfnis zu stillen, als dass es nachher auftaucht, wenn Sie wegen Turbulenzen sitzen müssen.
  • Mit einem Stillkind ist ein Fensterplatz besser - so können Sie ungestörter stillen. Ein Kleinkind wird herumlaufen wollen, da sind Sie auf einem Gangplatz besser aufgehoben.
  • Lernen Sie Reime und Fingerspiele, sie können wertvolle Dienste leisten, wenn Sie irgendwo stehen und warten müssen.
  • Freuen Sie sich über die Hilfe von Flugbegleitern und netten Mitreisenden - jede Minute Unterhaltung wird Ihnen und Ihrem Kind helfen!

Bahnfahrten ohne Stress

Bahnfahren gehört zu den einfacheren Transportmöglichkeiten, weil Sie im Prinzip so flexibel sind wie zu Hause. Das Baby kann herumgetragen werden, das Kleinkind herumlaufen und spielen, im Kinderabteil ist sogar etwas mehr Platz, und die Zahl netter Mitreisender und anderer Kinder ist oft groß. Hier einige Tipps zum Bahnfahren:

  • Reisen Sie möglichst ohne Kinderwagen - diese sind in den engen Gängen im Zug immer ein Problem, verstellen den Platz im Kinderabteil und behindern das Einsteigen. Eine Tragehilfe ist wesentlich problemloser, vor allem, wenn Sie mehrmals umsteigen müssen.
  • Nehmen Sie ausreichend Spielzeug, Malzeug, Bücher und Essen mit.
  • Planen Sie die Bahnfahrt möglichst so, dass Ihr Kind einen Mittagsschlaf machen kann - falls es im Zug einschläft (in den Schlaf stillen, durch die Gänge tragen). Wenn Sie aus Erfahrung wissen, dass es wahrscheinlich nicht einschlafen kann, planen Sie die Zugfahrt zu einer Zeit, in der es ausgeschlafen und guter Laune ist.
  • Buchen Sie ausreichend frühzeitig das Kinderabteil, hier sind oft andere Kinder, die auch schon für Babys interessant sind.
  • Lassen Sie sich helfen! Bitten Sie einen kräftigen jungen Mann, Koffer oder Kinderwagen in den Zug zu heben, lassen Sie sich die Türen aufhalten.
  • Setzen Sie sich in Bus oder Zug so hin, dass Ihr Kind bei einer Vollbremsung gegen Ihren Körper gepresst wird.

Menschen haben den Großteil ihrer Existenz wahrscheinlich als Nomaden gelebt - insofern ist Reisen an sich eine artgerechte Sache. Wir müssen nur darauf achten, dass unsere Nachkommen an die modernen Transporttechniken nicht angepasst sind und es ihnen - und uns - so einfach wie möglich machen, damit alle möglichst entspannt am Zielort ankommen.

Der Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch "artgerecht - Das andere Baby-Buch" von Nicola Schmidt

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Die Autorin betreibt den Blog 123-windelfrei, die Website www.artgerecht-projekt.de sowie www.nicolaschmidt.de.

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