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Gewohnheiten im Alltag: mehr Sport, weniger Rauchen

11/09/2015 15:47 CEST | Aktualisiert 11/09/2016 11:12 CEST
Karen Hatch

Wir alle haben so unsere Gewohnheiten. Für den einen ist es die Schokolade nach dem Mittagessen, für den anderen ein Löffel Zucker im Kaffee. Aber was wenn die Gewohnheiten uns davon abhalten unsere Ziele zu erreichen oder gar schlecht für uns sind? Wenn Sie mit alten Gewohnheiten Schluss machen möchten, oder sich ein paar neue „gute" Gewohnheiten zulegen möchten, dann haben wir hier ein paar Tipps für Sie.

Das Paradebeispiel: Sport

Aufschieberitis und Motivationsblockaden haben sehr viel mit Gewohnheiten zu tun. Nehmen Sie das Beispiel Sport: Sie sind es vielleicht gewohnt, keinen Sport zu machen. Stattdessen gehen Sie direkt nach der Arbeit schnurstracks in Richtung Couch, auf der schon die Chipstüte wartet. Das mag sich jedes Mal aufs Neue sehr gemütlich anfühlen.

Letztlich folgen Sie aber einer Gewohnheit - Sie kommen nach Hause, schließen die Türe auf und schon beginnt das Abspielen einer Feierabendroutine. Zu der Sport eben nicht gehört.

Nun mögen Sie sagen: „Aber ich habe gar keinen Anlass, Sport zu machen. Außer dass ich ahne, wie gut es mir täte. Und abgesehen davon macht mir Sport keinen Spaß. All die Bewegung, das Schwitzen, die Anstrengung... ich habe dafür einfach keinerlei Motivation!"

Aha! Ihnen fehlt also das Motiv. Daran können Sie gezielt etwas ändern. Wie? Ganz einfach: Indem Sie sich ein Handlungsmotiv schaffen. Natürlich können sich mit eiserner Disziplin und Selbstkontrolle auch zu den Dingen zwingen, zu denen Sie sich momentan nicht motivieren können. Das funktioniert.

Doch man kann Motive auch entwickeln und damit aus einer ungeliebten Tätigkeit doch noch eine gewisse Befriedigung schöpfen.

Wie schlechte Angewohnheiten entstehen

Um das genauer nachvollziehen zu können, sollten wir uns vor Augen halten, dass Motive durch unsere Gewohnheiten gebildet werden. Immer gleiche Verhaltensweisen prägen diese Handlungsabläufe. Wenn wir lange genug immer dasselbe gemacht haben, kann diese Verhaltensweise zu einem Bedürfnis werden.

Ein Beispiel: Nehmen wir an, Sie haben irgendwann in Ihrem Leben damit begonnen, nachmittags einen Cappuccino zu trinken und dazu etwas Süßes zu naschen. Wenn Sie das dann ein paar Wochen regelmäßig gemacht haben, ist aus dieser Angewohnheit ein Bedürfnis geworden.

Ganz erstaunlich zu beobachten ist dieses Phänomen auch bei Rauchern. Welcher Raucher behauptet, die erste Zigarette habe ihm geschmeckt? Ich kenne keinen. Verschiedenste Umstände führen dann aber dazu, dass man dennoch immer öfter zur Zigarette greift. Und ehe man sich versieht, ist die Abhängigkeit da und der Qualm wird zu einem Bedürfnis.

Man kann also durchaus sagen, dass die zunächst ungeliebte und nicht sehr schmackhafte Zigarette durch wiederholtes Rauchen zu einem Bedürfnis, einem Motiv wird. Wenn man also Rauchen lieben lernen kann, dann sollte man doch auch ganz andere ungeliebte Tätigkeiten lieben lernen können, oder?

... und wie man daraus positive machen kann

Was ist nun der Unterschied zwischen der eben genannten Disziplin, dem „Sich zwingen", und der Gewohnheit? Bei der Gewohnheit liegt der Akzent auf der Wiederholung des immer gleichen Verhaltens.

Hierzu kann durchaus die Disziplin gefordert sein, besonders am Anfang, wenn man sich - aus welchen Gründen auch immer - beispielsweise zum ersten Mal zwingt, den Qualm einer Zigarette zu inhalieren. Disziplin kann also ein erster Schritt hin zur Gewohnheit sein.

Gehen wir aber mal weg von der schlechten Gewohnheit des Rauchens, hin zu einem positiven Beispiel: Wenn Sie sich dazu zwingen, jeden Morgen ein paar Dehnungsübungen zu machen und das über einen Zeitraum von drei bis vier Wochen jeden Morgen konsequent durchziehen, dann wird es zur Gewohnheit.

Eines Morgens denken Sie plötzlich gar nicht mehr darüber nach, ob Sie sich ein wenig dehnen möchten. Es wird Ihnen sogar fehlen, wenn Sie es nicht machen. Denn die Dehnübungen fühlen sich nicht nur gut an. Sie sind auch... genau!... zur Gewohnheit geworden.

Just do it!

Motivbildung erfordert also Selbst-Erziehung. Und zwar am besten getreu dem Motto von Aristoteles: „Wer mutig werden will, der handle am besten so, als sei er es schon."

Aristoteles wollte wissen, wie Menschen dazu kommen, Gutes zu wollen und er fand heraus, dass dies nicht durch Überlegung und Erkenntnis geschieht. Hierdurch werde der Charakter kaum gebildet. Viel wichtiger ist das Handeln, die Übung. In der Nikomachischen Ethik heißt es hierzu: „Die sittlichen Werte gewinnen wir erst, indem wir uns tätig bemühen.

Bei Kunst und Handwerk ist es genauso. Denn was man erst lernen muss, bevor man es ausführen kann, das lernt man, indem man es ausführt. So werden wir auch gerecht, indem wir gerecht handeln, besonnen, indem wir besonnen und tapfer, indem wir tapfer handeln."

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Fangen Sie im Kleinen an

Ein Beispiel: Sie wollen wieder mehr Spaß an Ihrer Arbeit haben. Dann überlegen Sie mal: Wie verhält sich ein Mensch, der gerne zur Arbeit kommt? Sie kommen zu verschiedenen Ergebnissen.

Zum Beispiel: Ein solcher Mensch kommt immer pünktlich, er nörgelt und jammert nicht rum, er ist Kollegen gegenüber hilfsbereit, er packt die Dinge an, anstatt sie vor sich herzuschieben, er lächelt öfter mal, er pfeift sich ein Lied auf dem Weg zur Arbeit.... Schreiben Sie sich alle Verhaltensweisen auf und dann suchen Sie sich drei raus, mit denen Sie beginnen.

Beginnen? Wie?! Na, ganz einfach, ganz im Sinne von Aristoteles: Sie tun es einfach! Und zwar täglich! Sie zwingen sich beispielsweise dazu, pünktlich zu kommen, nicht mehr zu nörgeln und öfter zu lächeln. Sie setzen also anfangs Ihre Disziplin und Selbstkontrolle ein, bis diese Verhaltensweisen nach etwa drei bis vier Wochen zur Gewohnheit werden.

Wichtig: Diese drei bis vier Wochen müssen Sie unbedingt kontinuierlich durchhalten. Solange dauert es etwa, bis Ihr Gehirn das neue Verhaltensprogramm automatisiert hat.

Der Rest passiert von alleine

Was heißt das nun für Ihren Plan, nach der Arbeit zu joggen, anstatt sich direkt vor die Glotze zu setzen? Ganz einfach: Die ersten Male zwingen Sie sich dazu, laufen zu gehen. Das machen Sie circa drei bis vier Wochen. Schon nach kurzer Zeit werden Sie merken:

„Mensch, das fühlt sich gut an! Ich fühle mich hellwach. Ich fühle meinen ganzen Körper. Ich habe die frische Luft genossen. Und meine Chips kann ich jetzt mit viel besserem Gewissen essen. Ich habe sogar gar nicht mehr so richtig Lust auf die ganze Tüte, nachdem ich heute so gut für mich gesorgt habe..."

Und ehe Sie sich versehen, wird das Laufen zur Gewohnheit. Sie wollen einfach nicht mehr ohne dieses gute Gefühl nach dem Sport leben. Das Joggen ist fester Bestandteil Ihres Alltags geworden.

Aber passen Sie auf

Doch Obacht! So leicht Sie sich an etwas gewöhnen, so leicht entwöhnen Sie sich auch wieder. Nach drei Monaten Zwangspause in kalten Wintermonaten ist es beispielsweise ganz schön schwer, das Joggen wieder aufzunehmen.

Seien Sie deshalb vor sich selbst auf der Hut. Gehen Sie ins Fitnesscenter, wenn das Wetter draußen gar nicht mehr zur Bewegung an der frischen Luft geeignet ist. Oder kaufen Sie sich einen Hometrainer. Entwöhnen Sie sich nicht von Ihrer guten Gewohnheit.

Wenn Sie gerne noch mehr zum Thema Gewohnheiten lesen möchten, dann empfehlen wir Ihnen unser eBook „Selbstmotivation" von Nicola Fritze. Downloaden Sie das eBook auf bookboon.com!

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