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Die beste Ernährung für den Menschen

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Eine zentrale Frage der Menschheit scheint die eigene Ernährung zu sein. Warum sonst würden solch renommierte Fachzeitschriften wie "Brigitte", "Lisa" und "Bild der Frau" jede Woche eine neue Diät postulieren? Ob schlank in 24 Stunden, Abnehmen mit Kohlsuppe oder Fit mit wenig Fett.

Es ist interessant zu sehen, welch rasante Fortschritte die Forschung auf dem Gebiet der gesunden Ernährung macht. Nur so ist es möglich, dass diese Zeitschriften jede Woche neue Erkenntnisse präsentieren können, wie man am Besten die kleinen Fettpölsterchen verliert und sich für die Bikini-Saison vorbereitet. Ein weiteres Indiz dafür, dass uns angeblich nicht gefällt, was wir morgens im Spiegel sehen, ist auch der Erfolg von immer wieder neu entstehenden Ernährungstrends und Abnehm-Programmen. Ob Weight Watchers, Atkins, Glyx-Diät oder das 10-Wochen-Programm des berühmten Ernährungswissenschaftlers Deltef D! Soost.

Warum sind wir dick und krank?

Im Ernst, ich verstehe die Verzweiflung der Menschen. Die Deutschen werden immer dicker und kränker. Zum ersten Mal geht die Lebenserwartung zurück. Das bedeutet, die aktuelle Generation wird im Schnitt früher sterben als ihre Eltern. Und das trotz allen Fortschritts in der Medizin. Die Zahl an Krankheiten wie Adipositas, Krebs, Diabetes, Herz-Kreislauf- und Auto-Immun-Erkrankungen ist heute so hoch wie nie zuvor. Nicht umsonst werden sie auch als Zivilisationskrankheiten bezeichnet.

Der einzige Rückschluss, den man daraus ziehen kann, ist, dass unser Lebensstil und unsere Ernährung sich deutlich von dem entfernt haben, was für unseren Körper als ideal zu bezeichnen ist. Aber was ist ideal für den Menschen? Im Dschungel der Ernährungsempfehlungen verliert man schnell den Überblick. Und dazu tragen auch die sich ständig widersprechenden Aussagen der Medien bei.

Zurück zum Ursprung?

Was ist also die richtige Ernährung? Schaut man sich heute lebende Urvölker wie die Inuit aus Grönland oder die Ureinwohner von Papua-Neu-Guinea an, so lässt sich feststellen, dass es hier so gut wie keine Fälle der oben beschriebenen Zivilisationskrankheiten gibt. Bedeutet die Abwesenheit von industriell gefertigten und verarbeiteten Lebensmitteln also einen Vorteil für die Gesundheit? Ist die Ernährung basierend auf natürlichen, unverarbeiteten Lebensmitteln der Schlüssel zu langfristiger Gesundheit und Fitness?

Steinzeit-Diät als die Lösung?

Diese Idee vertritt zumindest die Paleo-Ernährung. Auch als Steinzeit-Diät (Paleo von Paläolithikum = Altsteinzeit) bekannt, orientiert man sich bei Paleo an dem, was der Mensch in den letzten 2,5 Millionen Jahren bis vor ca. 10.000 Jahren gegessen hat. Unsere Vorfahren, die Jäger und Sammler, haben sich in Abwesenheit von Ackerbau und Viehzucht hauptsächlich von Fleisch, Fisch, Gemüse, Obst und Nüssen ernährt. Alle Formen von Getreideprodukten, Milchprodukten, Hülsenfrüchten, Zucker und verarbeiteten Pflanzenfetten waren, zumindest vor der neolithischen Revolution (vor ca. 5000 bis 10.000 Jahren), nicht verfügbar. Das bedeutet, dass während 99,6 Prozent der Menschheitsgeschichte eine Ernährungsform dominiert hat, die auf unverarbeiteten Lebensmitteln basierte, welche man entweder jagen oder sammeln konnte.

Deswegen ist es meiner Meinung nach auch nicht tollkühn zu behaupten, dass unser Körper und unsere Verdauung für genau diese Lebensmittel optimal angepasst sind. Evolution braucht nun mal seine Zeit und da sind 10.000 Jahre eher als Wimpernschlag zu betrachten. In der Paleo-Ernährung geben essentielle Fettsäuren, wichtige Proteine und eine moderate Menge von nährstoffreichen Kohlenhydratquellen dem menschlichen Körper alles, was er für eine langfristige Gesundheit braucht.

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Paleo: echte Lebensmittel

Gesund mit Paleo

Und die Erfolge sprechen für sich. In den USA schon seit einigen Jahren auf dem Vormarsch, gewinnt die Paleo-Ernährung auch in Deutschland immer mehr Anhänger. Mit der Umstellung der Ernährungsbasis auf nährstoffreiche und unverarbeitete Lebensmittel werden unter anderem überschüssige Kilos abgebaut, Blutzuckerwerte stabilisiert, Schlafstörungen behoben sowie Auto-Immun-Erkrankungen und Hautprobleme erfolgreich bekämpft.

Das Erfolgsgeheimnis von Paleo: Es ist keine Diät. Es geht nicht darum, für eine begrenzte Phase die Kalorienzufuhr extrem einzuschränken oder zu hungern. Paleo bedeutet, sich satt zu essen, glücklich zu sein und somit der Gefahr eines Jo-jo-Effekts vorzubeugen. Fast alle Menschen, die Paleo ausprobieren, bleiben dieser Ernährungsweise auch langfristig treu.

Ich lebe Paleo

Auch ich ernähre mich seit 1,5 Jahren nach dem Paleo-Prinzip. Und mir geht es blendend damit. Meine Blutwerte haben sich verbessert, ich konnte meine Fitness steigern und schlafe besser als jemals zuvor. Ich fühle mich nach dem Essen nicht mehr so aufgebläht und kenne keine Nachmittagsmüdigkeit mehr.

Paleo funktioniert für mich, weil es mir eine logische Erklärung dafür liefert, was für den menschlichen Körper gesund ist. Deswegen blogge ich regelmäßig über Paleo und empfehle auch jedem, es zumindest mal für 30 Tage auszuprobieren. Was hat man schon zu verlieren, wenn man sich 30 Tage von natürlichen Lebensmitteln ernährt, die nicht erst industriell verarbeitet werden müssen, um genießbar zu sein?

Die beste Ernährung für jeden Menschen?

Den Titel möchte ich zum Schluss noch relativieren. Es gibt sie nicht, die beste Ernährung für den Menschen. Jeder Mensch ist unterschiedlich und somit auch seine Anforderung an die Nährstoffe, die er Tag für Tag braucht. Aber die Paleo-Ernährung bietet eine hervorragende Grundlage, um herauszufinden, was die ideale Ernährung ist. Sich 30 Tage lang Paleo zu ernähren und danach ausgewählte Lebensmittel wieder einzuführen, gibt einem die Erkenntnis, welche Lebensmittel dem eigenen Körper wirklich guttun oder schaden. Danach kann man sich immer noch entscheiden, abhängig von persönlichem Aktivitätslevel, Alltagstauglichkeit oder Geschmack, zu welchem Grad man nach Paleo lebt. Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert.

Weitere Infos zur Paleo-Ernährung auf www.paleo360.de oder auf Facebook.