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IS: Drohnen, Panzer & YouTube-Videos - Die Niederlage des „Westens" gegen simple Web-Propaganda

01/07/2015 16:42 CEST | Aktualisiert 01/07/2016 11:12 CEST
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„Er trinkt Tee wie ein Türke. Er rezitiert wie ein Araber. Er kämpft wie ein Tschetschene. In einer Welt, in der Korruption und Ungerechtigkeit herrscht, gibt es einen, der für die Gerechtigkeit kämpft. Man nennt ihn Supermuslim."

Das sind die Worte aus dem Vorspann der youtube-Serie „Supermuslim". Ein Propaganda-Werkzeug radikaler Salafisten in Deutschland. Neben Vorträgen und Koran-Verteilungen in den Einkaufsstraßen, werben sie verstärkt online. Mit Informationsseiten, Memes, Twitter- und Facebookaccounts machen Islamisten auch in Deutschland Jagd auf junge Menschen, um sie für ihre dschihādistischen Zwecke zu rekrutieren.

Das Internet gilt schon lange als von Islamisten dominiertes Propaganda-Schlachtfeld. Zahlreich sind die Webpräsenzen zum „Wahren Islam". Im Bericht des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes (‚Der „Ruf zu Gott" - Formen salafistischer Propaganda') werden Adressaten und Aufmachung jener Plattformen beschrieben. Dort heißt es: „Solche Internetseiten richten sich in der Regel an junge Muslime und Konvertiten. Sie sind mehrsprachig, multimedial und grafisch aufwändig gestaltet."

Einfachste Botschaften werden transportiert. Die Welt wird eingeteilt in Gut und Böse. In Gläubige und Ungläubige. Diese Ungläubigen, also die kuffar, sind nicht nur Christen, Juden und Atheisten, sondern auch andere muslimische Glaubensrichtungen. Beispielsweise Shiiten und Aleviten.

Neben der extrem einfachen Welteinteilung werden auch andere Botschaften transportiert. Hierzu zählen ein rückschritliches Frauenbild, eine starke Orientierung am Jenseits, die Idealisierung der Sharia und die Ablehnung der Demokratie. Diese „Lehre" wird auf allen nur erdenklichen Kanälen transportiert. Dabei mangelt es radikalen Islamisten nicht einmal an Humor. Auch das Internetphänomen "Meme" wird von ihnen instrumentalisiert.

YouTube - Die digitale Front des IS

Auch auf YouTube wurde eine neue Frontlinie des Propagandakrieges durch radikale Salafisten eröffnet. Neben den bekannten Videos militärischer Erfolge des IS und der Exekutionen „ungläubiger" Zivilisten, finden sich auch kurze Animationsclips.

„Supermuslim" ist eine solche Serie, welche für den deutschsprachigen Raum entwickelt wurde. Die ersten Videos aus dem Jahre 2012 sind nur einige Sekunden bis wenige Minuten lang. Sie zählen bis zu 40.000 Klicks. Grafik und Sound sind bunt und schrill, allerdings auch kitschig.

Die gezeigten Szenen handeln von einem jungen Muslim, der sich scheinbar für das Gute einsetzt und beispielsweise eine Muslima vor angreifenden Nazis beschützt. Die in den Videos gezeigte Gewalt wird zwar abgelehnt, allerdings manchmal auch als zwingend nötig bezeichnet. Glaube und Freiheit der Muslime sollen verteidigt werden.

Auch die bereits erwähnten anderen Botschaften werden subtil vermittelt. Junge, unbedarfte Zuschauer können sich mit „Supermuslim" identifizieren und übernehmen so seine Ansichten.

Wenn auch die kurzen Amateurclips der letzten zwei Jahre belächelt werden, so ist doch eine überaus rasante Weiterentwicklung festzustellen. Grafikdetails, Auflösung und Sound der neuesten Videos erinnern an Videospiele und High-End-3D-Produktionen.

Der Hauptdarsteller ist gereift. Sozusagen ein „Supermuslim 2.0″ geworden. Bereits zwei Episoden der neuen Generation gibt es. Die radikalen Entwickler wenden sich dem erfolgreichen Serien-Konzept zu. In ca. 20 Minuten wird eine fortsetzbare Geschichte erzählt.

Digitale Gegenmaßnahmen stecken noch in den Kinderschuhen

Trotz langer Medien- und Popkultur wurde „der Westen" und auch die übrige muslimische Welt von radikaler Propaganda überrollt. Im Beitrag des ARD-Magazins ttt (Titel Thesen Temperamente) wird dieses Problem aufgegriffen. Hier heißt es „westliche Produktionen seien meist didaktisch".

Es fehlt der Coolness-Faktor. Erst langsam kommt eine Gegenbewegung in Gang. Sogenannte Counter-Narratives, also Gegen-Geschichten, sollen muslimische und für salafistische Propaganda empfängliche Jugendliche vor der verdeckten und tödlichen IS-Ideologie warnen.

Sie sollen sensibilisieren. Einzig ernstzunehmender Vorreiter ist die Produktion „Abdullah-X". Der Entwickler ist ein Aussteiger der militanten Dschihadisten. Seine Produktionen im Gothic-Novel-Stil sind ein erster Schritt.

„Natürlich können wir nicht erwarten, dass jemand, der ein ‚Abdullah X'-Video sieht, plötzlich kein Jihadi mehr sein will", sagt der anonyme Produzent im ttt-Interview. „Aber wir können versuchen, ihn in seiner Entscheidung zu verunsichern. Zweifel in seine Internet-Fantasiewelt einzupflanzen, die ihn noch einmal über seinen Weg nachdenken lassen."

In einem seiner kurzen Videos belauscht der Protagonist Abdullah ein Gespräch zweier sich radikalisierender Jugendlicher. Er greift ein und spricht sie an. Er fragt sie nach ihren Beweggründen für den Kampf gegen „Ungläubige" und argumentiert dagegen („Negative energy can create only negativity. Can it not?")

Auf Abdullahs Frage wer die Welt beherrscht und steuert antwortet sein Gegenüber mit Verschwörungstheorien. Er nennt die westlichen Mächte, Illuminaten und Bilderberger. Abdullah antwortet ihm darauf schlicht, dass Allah die Welt steuert und falls er anderer Meinung sei, wäre seine „Revolution" gegen „den Westen" schon längst gescheitert.

Ein anderes Video von „Abdullah-X" zeigt ihn in der Düsternis seiner Wohnung. Er macht sich Gedanken zum Kampf der IS in Syrien und dem Irak. Im Hintergrund laufen Nachrichtenbilder aus den Kriegsgebieten. Er argumentiert ruhig und sachlich. Nennt Gründe, warum die blutige Errichtung eines Kalifats nicht muslimisch ist („You are actually killing innocent people [...] It seems to a lot of us, that what you are representing is a calip-HATE"). Dabei bleibt er stets religiös, klar und deutlich („‚Call of Duty' is a Videogame, my brother... not gods way to act!").

Humor und Satire wirken besser als der erhobene Zeigefinger

Wenn der Propaganda-Krieg gegen Islamisten gewonnen werden will, dann muss allerdings mehr passieren. „Abdullah-X" kann hier nur ein Anfang sein. Auch in allen anderen Bereichen muss das „Schlachtfeld Internet" zurückerobert werden. Der christliche Teil des Westens kann hier nicht Hauptakteur sein.

Die einzige Sprache, welche von sich radikalisierenden Jugendlichen noch verstanden wird, ist die des aufgeschlossenen toleranten Islam. Soziale Netzwerke, das Sprachrohr des Internets und der Jugend, müssen gefüllt werden mit modernen islamischen Vorstellungen. In der muslimischen Welt geschieht das bereits.

Es gibt zahlreiche satirische Darstellungen radikaler Islamisten. Humor und Aufklärung sind unbezwingbare Waffen. In Europa und den USA regiert hingegen noch der moralisch erhobene Zeigefinger. Hier schwächelt die Counter-Propaganda. Westliche Clips und Internetseiten, klingen wie ein Eingeständnis der Unterlegenheit gegenüber den Rattenfängern der Islamisten. Das muss sich dringend ändern.

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