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Xenophobie

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Der Mensch ist ein Produkt der Evolution. Eigenschaften und Verhaltensweisen, die heute obsolet erscheinen mögen, haben den Menschen zu dem gemacht, was er heute ist. Zu diesen Eigenschaften gehört die Vernunft wie die Liebe und deren Fehlen, die Dummheit wie der Hass.

Es ist sehr schwer, den Hass abzulegen. Die menschliche Geschichte beweist, dass es selten gelingt. Der Hass lässt sich nicht erfolgreich verbieten. Doch scheint es eine Laune der Evolution zu sein, dass es Menschen gibt, die nicht hassen.

Diese Laune gilt es zu pflegen.

Gleich unter dem Hass wohnt die Angst, griechisch Phobie. Aus Angst kann Hass entstehen. Die Übergänge zwischen Angst und Hass sind zuweilen fließend. Keinesfalls ist Hass mit Angst identisch, auch wenn bewusst oder unbewusst die „Phobie" mit „Hass" gleichgesetzt wird, beispielsweise im Wort „Islamophobie".

Ängste sind Teil eines jeden Menschen! Ein Mensch, der keine Angst kennt, ist tot. Verliert der Mensch den Hass, so bessert sich die menschliche Gesellschaft. Nimmt man dem Menschen jegliche Angst ab, so wird das Ende der Menschheit eingeläutet.

Manche Ängste sind sinnvoll, andere erscheinen es uns nicht. Die Angst vor Mäusen findet heutzutage nicht einmal mehr in Karikaturen Einzug. Die Angst vor Feuer braucht nicht begründet zu werden.

Die fehlende Angst vor sexuell übertragbare Krankheiten kann eine drastische Einschränkung der Lebensqualität nach sich ziehen, die die berechtigte Angst vor Krankheiten, die Pathophobie, hätte verhindern können.

Viele Ängste, die heute unberechtigt, also krankhaft erscheinen, sind früher zum Überleben notwendig gewesen. Alles fließt. Auch die Evolution.

Die Xenophobie ist die Angst vor dem Fremden. Politisch korrekt und praktisch falsch wird die Angst vor dem Fremden mit der Fremdenfeindlichkeit gleichgesetzt. Die Konsequenzen sind verheerend.

Während der Vernünftige die Fremdenfeindlichkeit rational ablegen kann, ist die Fremdenangst Teil des menschlichen Seins. Die Angst vor dem Fremden hat uns zu dem gemacht, was wir sind. Es wird immer einzelne hervorragende Menschen geben, die diese Angst überwinden und die Menschheit zu neuen Höhen führen. Doch die meisten, Anführer wie Geführte, kommen dabei um.

Die Fremdenfeindlichkeit muss bekämpft, die Fremdenangst in sichere Bahnen überführt werden.

Die Angst vor dem Fremden kann durch persönliche Kontakte und gemeinsamen Aktivitäten überwunden werden.

Übermäßige Fremdenangst, die in Fremdenfeindlichkeit umzukippen droht, kann verhindert werden, jedoch nicht, indem die Angst vor dem Fremden unüberlegt oder absichtlich mit dem Hass auf den Fremden verwechselt wird. Fremdenfeindlichkeit kann nicht mit Erfolg verboten werden.

Fremdenfeindlichkeit wird nicht besiegt, Fremdenfeindlichkeit wird tabuisiert.

In Zeiten der Not, wenn die Wirtschaft krankt oder wenn die Gesellschaft moralische Brüche durchläuft, bricht der tabuisierte Fremdenhass mit aller Macht aus seinem Versteck und sucht das Licht der Öffentlichkeit.

Der zufällig anwesende Fremde wird zum Sündenbock ernannt, der Jude immer. Antisemitismus ist der Hass auf Juden, der in Europa, auch dort wo es keine Juden mehr gibt, immer existent ist und sich bei jeglichem Bedarf meldet. „Judeophobie", die Angst vor Juden, ist ein leeres Wort ohne lebendigen Inhalt.

Gibt man im Internet „Judeophobie" ein, so wird man immer zum „Judenhass" weitergeleitet. In Essen startet der WDR einen gesellschaftlichen Versuch. Asylanten dürfen sich nicht auf die vorderen Plätze in der Straßenbahn setzen. 80% der Fahrgäste protestieren.

Hätte man Juden die vorderen Plätze verweigert, so hätten wahrscheinlich 80% der Fahrgäste nicht protestiert. So ein gesellschaftlichen Versuch ist im WDR glücklicherweise nicht vorgesehen.

Zurück zur Fremdenangst. Je kleiner der Ort und je homogener seine Bevölkerung ist, desto eher fällt der Fremde auf. Ab einer bestimmten Anzahl von Fremden tritt die Angst auf, die dann zu Hass werden kann. Der Fremde kann bereits der hinzugezogene Ehemann aus dem Nachbarort sein, mit dem seit Jahrhunderten eine Fehde besteht, deren Grund verloren gegangen ist.

Irgendwann wird der „Fremde" akzeptiert, da er sich in seinem Verhalten nicht vom „Einheimischen" absondert.

In größeren Städten fällt der Fremde nicht auf, da alle Städter untereinander Fremde sind. Er bleibt in der Stadt ein Fremder, vor dem manche Angst haben, wenn er sich in nicht ablegbaren Äußerlichkeiten unterscheidet, wie beispielsweise in der Hautfarbe.

Eine gesellschaftliche Integration in der Großstadt ist möglich, auf dem Dorf selten.

Nicht die Aufnahme von Flüchtlingen ist das Problem, sondern die Integration von Fremden. Einheimische Flüchtlinge werden in der Not akzeptiert, vor allem wenn sie zur Gefahrenabwehr dringend gebraucht werden. Die gelungene Integration des Fremden setzt eine bestimmte Umgebung voraus.

Großstädte eigenen sich hierzu, Dörfer nicht!

Dem Fremden ist es angenehm, wenn er in seiner neuen Heimat auf Menschen seiner alten Heimat trifft, mit denen er sich identifizieren kann. Deshalb befürworten Großstädter in ihrer Mehrheit Versammlungshäuser für hinzugezogene Fremde, damit sie sich ungestört austauschen können. Eine Moschee in einem 500-Seelen-Dorf wirkt immer deplatziert.

Wenn Deutschland und Europa vermehrt Flüchtlinge aufnehmen wollen, so müssen die Verantwortlichen verantwortlich und zielstrebig handeln. Die Aussage, dass über die Hälfte der Asylsuchenden abgewiesen werden, überzeugt niemanden, da das Vertrauen zu der Bürokratie und der Politik nicht mehr besteht.

Eine solche Aussage ist kontraproduktiv! Der Einheimische vermutet dadurch in jedem Fremden einen „Sozialschmarotzer" auf Zeit. Der Bürger kennt nicht das tragische Einzelschicksal des Flüchtlings, sondern erfährt in den Nachrichten lediglich ihre Zahl, die anfallenden Kosten und die aufgetretenen Probleme.

Eine „gerechte" zufällige Verteilung der Fremden hilft niemandem - nicht den Fremden und nicht den Einheimischen. Asylantenheime auf kaum benutzten Sportplätzen schüren trotzdem die Wut und den Zorn der Einheimischen, da ihnen etwas weggenommen wird, wofür sie einst bezahlt haben.

Jordanien und die Türkei, die Millionen von Flüchtlingen aufnehmen, sind für Deutschland und Europa ein miserables Vorbild: Die Flüchtlinge werden nicht integriert, sondern in Zeltstädten in der Wüste abgeschottet, die kein Einheimischer unbefugt betreten und kein Flüchtling unbefugt verlassen darf.

Diese Zeltstädte sind Freiluftgefängnisse, die von der EU finanziell unterstützt werden, damit die Fremden in Jordanien und in der Türkei bleiben und nicht nach Deutschland und Europa weiterziehen. Für die Flüchtlinge bedeuten die abgesonderten Zeltstädte in der Wüste trotz Hitze bei Tag und Kälte bei Nacht eine Verbesserung ihrer bisherigen Situation im Kriegsgebiet.

In einer reichen Demokratie wie Deutschland sind diese Zeltstädte menschenunwürdig und widersprechen jeglichen abendländischen Werten. Doch unsere Politiker wollen ihr Wahlvolk nicht unnötig strapazieren, weshalb sie gerne unser Geld ausgeben, um uns die Fremden vom Hals zu halten.

Schweden ist ein aufnahmefreundliches Land. Die fremden Flüchtlinge werden überall verteilt und werden selbst in weit im Norden liegenden absterbenden Kommunen, die alle Arbeitsfähigen längst verlassen haben, von der verbliebenen Rentnern höchst willkommen geheißen.

Zu Anfang fühlen sich die Immigranten wohl. Sobald sie die nötigem Papiere in Händen halten, ziehen sie in die weit entfernten Großstädte. Das erfolgreiche Gegenbeispiel findet man in New York, dem Einfallstor in die Neue Welt. Die USA sind Weltmeister und Vorbild der Integration! Noch heute leben Italiener, Deutsche und Juden in getrennten Stadtvierteln New Yorks und sie alle sind stolze Amerikaner.

Der fremde Flüchtling, dem der Zuzug nach Deutschland gelingt, hat das Recht, integriert zu werden, ohne dass die Gesellschaft überstrapaziert und zum Fremdenhass verleitet wird. Es ist illusorisch, den Fremden eigene Städte zu errichten.

Deshalb sollte versucht werden, sie in Großstädten in eigenen Vierteln anzusiedeln, die sie irgendwann integriert und freiwillig verlassen.



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