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Recep Tayyip Erdoğan beschreitet den Weg zum Erfolg

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ERDOGAN
Umit Bektas / Reuters
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Der Präsident aller Türken wird sich in Kürze zum Selbstherrscher ernennen. Diesen Weg verfolgt er seit unbehaarten Kindesbeinen an. Der Krieg in Syrien hat ihm den Weg zu seinem Ziel geebnet.

Zunächst will er sich durch Angriffe auf den von Arabern, von den meisten Muslimen und auch von nicht wenigen Europäern verhassten Judenstaat Israel profilieren. Der Arabische Blut-Frühling kommt ihm dazwischen und die Welt verliert das Interesse an den Juden.

Nur sture Antisemiten, die jeden Morgen früh aufstehen, um den Domplatz zu Köln zu verschandeln, selbsthassende Juden, die ihren organisierten Judenhass gemeinsam mit Neonazis zu Geld machen, und islamistische Terrorbefürworter in der hohen Politik verkennen die veränderte Lage. Bei R.T.E. dauert es beinahe ein ganzes Jahrzehnt bis der Kuruş fällt. Nun hat er halbwegs Frieden mit den Juden geschlossen, die hierfür versprechen, ihm bei seinen politischen Ambitionen nicht zu stören.

R.T.E. feuert den Krieg in Syrien ein wenig und wenig diskret an. Die erwarteten Flüchtlinge strömen in großer Zahl in die Türkei, wo sie größtenteils ihrem Schicksal überlassen werden. Denn R.T.E. ist Realist und kein träumender Humanist wie die Kanzlerin des reichsten Landes der EU. R.T.E. sorgt dafür, dass einer genügend hohen Zahl undurchsichtiger Gestalten und einigen Flüchtlingen die Bootsüberfahrt nach dem verhassten Erzfeind Griechenland gelingt.

Er überfordert die Griechen, sodass die Bootsflüchtlinge auf eigene Initiative hin in Richtung Deutschland, dem reichsten Landes der EU, losmarschieren. R.T.E. weiß, dass nur die erste Million der Einwanderer von den Deutschen willkommen geheißen wird. Sobald die Million erreicht ist, wird Deutschland zum Bittsteller beim künftigen Sultan degradiert.

R.T.E. hat in allen Punkten Recht. Er beginnt, Deutschland, also der EU, Bedingungen zu stellen, die noch ein Jahr zuvor nicht einmal mit einem Lächeln quittiert worden wären. Doch jetzt haben die Mächtigen Europas Angst vor R.T.E.! Die Engländer überlegen wegen seiner Politik die EU zu verlassen. R.T.E. gehorchen sowohl die Türken, als auch die Menschenmassen aus Syrien! Alle seine Wünsche werden erfüllt. Ein kleiner Wink genügt und Millionen Menschen, die sich als Syrer ausgeben, zertrampeln Europa.

Die EU und die dazugehörigen Regierungen schreiben Gesetze, die europäische Journalisten daran hindern sollen, allzu akkurat über R.T.E. und die politischen Verhältnisse in der Türkei zu berichten. Es genügt, wenn einige wenige europäische Journalisten Bekanntschaft mit dem Inneren türkischer Gefängnisse schließen und europäische Diplomaten etwas Zeit verstreichen lassen, bis ihre vorwitzigen Staatsbürger entlassen werden. R.T.E. hat für seine Türken die Visafreiheit in die gesamte EU erkämpft, wenn nicht erpresst. Denn R.T.E. hat nichts dagegen einzuwenden, wenn aufsässige Kurden ohne Visum die Türkei auf Nimmerwiedersehen verlassen, um in Deutschland Wirtschaft und Kultur aufzupäppeln.

Europa ist in der Zwickmühle. Wenn R.T.E.s Wünsche nicht unverzüglich und komplett erfüllt werden, wird die Menschenlawine losgetreten und radikal rechte Parteien gewinnen die Wahlen. Wenn R.T.E.s Wünsche erfüllt werden, macht sich Europa zum Verbündeten eines undemokratischen Herrschers, den die Türken lieben wie einst die Deutschen ihren Führer. Deutschland und Europa werden gezwungen, garantierte bürgerliche und demokratische Rechte ihrer Bürger einzuschränken, was ihnen nicht schwer fallen wird.

Wer verhält sich am weniger ethisch, die EU oder R.T.E.? Die Flüchtlinge in der Türkei, die nicht alle aus Syrien stammen und die nicht alle Flüchtlinge sind, sind Verhandlungsmasse, die die EU nicht bei sich haben will. Solange diese Menschen für R.T.E. einen Nutzen bringen, wird er sie gnädigst in seinem Reich behalten. Im Moment, wo er sie nicht mehr braucht, werden sie mit Wissen und Unterstützung der EU dorthin deportiert werden, wo sie ihres Lebens nicht sicher sind. Bezüglich Unmoral sind sich EU und Türkei ebenbürtig.

Ich bin sicher, dass R.T.E. den nächsten Aachener Karlspreis erhält. Eine devote 1.000-köpfige Delegation wird jubelnd nach Ankara reisen. Mit etwas Glück wird die Preisverleihung in Anwesenheit des letzten Preisträgers und der ehemaligen deutschen Bundeskanzlerin im früheren Konstantinopel stattfinden.

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