BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Dr. Nathan Warszawski   Headshot

Friede mit Israel ist möglich

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

Wenn die Friedensgespräche mit den Palästinensern scheitern, dann wird Israel boykottiert werden."
Hat der 68. und amtierende US-amerikanische Außenminister John Forbes Kerry diesen Satz als Drohung oder als Warnung ausgesprochen?
Er hat ihn derart diplomatisch-geschickt ausgesprochen, dass jeder das versteht, was er verstehen soll.

Ein wirtschaftlicher und politischer Boykott ist für Israel unangenehm. Was ist seine Ursache? Antisemitismus oder die Sorge der westlichen Großhandel treibenden Demokratien, dass Apartheid und Unterdrückung inakzeptabel sind, wie sie in Israel und den angrenzenden besetzten Gebieten stattfinden? Fürchtet der Westen, dass die Juden ihre Seele verspielen und der Messias, der noch nicht für alle Menschen schon gekommen ist, sein Erscheinen bis auf weiteres verschiebt?

Einiges spricht dafür, dass der angedrohte Boykott antisemitische Ursachen hat. Doch warum wird der Boykott erst jetzt angedroht? Eine mögliche Antwort ist, dass es seine Zeit braucht, den Holocaust zu vergessen. Die EU-Außenministerin Catherine Ashton hat vor wenigen Tagen eine Holocaust-Rede gehalten, ohne Juden zu erwähnen.

Wenn der Boykott des Judenstaates auf Antisemitismus beruht, dann wird Israel auf jeden Fall boykottiert werden, unabhängig vom Ausgang der Friedensgespräche. In diesem Fall hat Kerry weder gedroht, noch gewarnt, sondern gelogen.

Bei erfolglosen Friedensgesprächen, wenn also Israel seine eroberten und noch nicht zurückgegebenen Gebiete behält, erfolgt auf jeden Fall der Boykott. Wem schadet der Boykott? Was sind die Folgen?

Unter einem Boykott leiden alle involvierten Staaten. Die Europäer weniger, die Israelis mehr, am meisten die Westbank-Palästinenser und die Bewohner Jordaniens. Da die Wirtschaft leidet, verlassen gut ausgebildete Juden Israels ihre Heimat, um in den USA oder in Deutschland in einem guten Job zu arbeiten. Als Reaktion auf den Boykott werden mehr Wohnungen für Juden auf ehemaligem von Jordanien eroberten Gebiet in der Westbank gebaut. Zusammen mit der erhöhten Arbeitslosigkeit unter den Westbank-Palästinensern kommt es zu Unruhen, die israelisches Militär erfordern. Terroristische Anschläge im Kernland Israels folgen. Volk und Regierung Israels driften nach rechts. Araber werden verstärkt kontrolliert. Israel beschlagnahmt EU-Gelder. Die arabische Westbank-Selbstverwaltung bricht zusammen.

Es kommt in Jordanien ebenfalls zu Unruhen, dem Staat mit 70% Palästinensern, Ausgang ungewiss. Die Unruhen schwappen über in den Gazastreifen und in den Libanon und führen zu militärischen Auseinandersetzungen. Die israelische Armee kann bedenken- und konsequenzenlos hart durchgreifen, da sie die EU ihren Einfluss verloren hat. Ein unabhängiger arabischer Palästinenserstaat rückt in weiter Ferne.

Sehnen sich die Europäer nach diesem Szenario? Wie tief sitzt der Hass auf Juden, dass eine ganze Region und selbst Araber mit ins Verderben gezogen werden müssen? Sehr tief!

Betrachten wir das andere Extrem. Ein Friede zwischen Israel und dem zu schaffenden Staat Palästina kommt zustande. Der europäische Boykott ist erträglich.

Wenn nun die demokratisch gewählte Regierung Israels viele oder gar alle jüdische Siedlungen auflöst, Juden ihre Wohnungen in Jerusalem auf ehemals von Jordanien okkupiertem Land aufgeben müssen, bricht in Israel ein Bürgerkrieg aus. In der Folge des Bürgerkrieges werden militärische Auseinandersetzungen mit den arabischen Nachbarn Israels wahrscheinlich. Der geschlossene Friedensvertrag wird bedeutungslos, nicht realisiert.

Sollte es zu Gebietstausch kommen, dass Siedlungen arabischer Israelis zu Palästina zugeschlagen werden, damit die meisten jüdischen Ortschaften der Westbank und alle jüdischen Viertel Jerusalems in Israel bleiben, dann wird die souveräne, ihrem Volk nicht verpflichtete palästinensische Regierung diplomatische Schritte erzwingen, um anschließend den Vertrag zu ihren Gunsten zu verändern. Da die Grenze zwischen Westbank-Palästina und Israel militärisch nicht zu verteidigen ist, wird es an diesen „Auschwitz"-Grenzen zu militärischen und terroristischen Übergriffen kommen. Ein Krieg zwischen Israel und Westbank-Palästina ist unausweichlich.

Über den Gazastreifen lohnt es sich nicht nachzudenken. Hier gibt es weder eine friedliche, noch eine militärische Lösung.

Welcher Weg auch eingeschlagen werden wird, der 68. und noch amtierende US-amerikanische Außenminister John Forbes Kerry erhält den Friedensnobelpreis. Edward Snowden hält die Laudatio.