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So will Erdogan die türkischen Kurden loswerden

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ERDOGAN TURKEY
ADEM ALTAN via Getty Images
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Vor mehr als 100 Jahren während des I. Weltkrieges ereignen sich im Osmanischen Reich, dem Vorgänger der Türkei, einige Genozide.

Die Völkermorde, die zumeist in Anatolien stattfinden, treffen nicht allein die christlichen Armenier, sondern weitere Nicht-Muslime wie Griechen, Aramäer, Assyrer, Chaldäer und Jesiden.

Nicht unterschlagen werden soll die Tatsache, dass die Kurden beim Morden vor über 100 Jahren den herrschenden Türken (Osmanen) behilflich gewesen sind.

Vor etwa 700 Jahren tauchen Türken in Anatolien auf, das zuvor griechisch-byzantinisch ist. Die ursprüngliche christliche Bevölkerung wird wie damals üblich von den Türken verjagt, ermordet oder assimiliert. Nicht allein die christlichen Griechen, sondern weitere Nicht-Muslime wie Armenier, Aramäer, Assyrer, Chaldäer und Jesiden werden über Jahrhunderte gequält.

Die heutige Türkei ist ethnisch inhomogen, jedoch beinahe rein muslimisch. Die meist muslimischen Kurden in der Türkei stellen mit mehr als 10.000.000 Einwohner die größte ethnische Minderheit in der Türkei. Zuweilen werden die Kurden noch als „Bergtürken" bezeichnet.

Warum will der türkische Präsident Erdogan die Kurden loswerden?

Erdogan erkennt in den Kurden (weniger in den Gülen-Türken) die letzte Opposition zu seiner absoluten, alleinigen Macht. Des Weiteren geht er davon aus, dass kein EU-Land ihn daran ernsthaft hindert wird, sein Werk zu vollenden.

Die äußerst schwachen Reaktionen der wichtigsten Europäerin auf sein bisheriges Tun zur Errichtung einer Diktatur bestärken ihn.

Verhaftungen Kurdischer Politiker, Pressezensur, Dauer-Kriegsrecht, die baldige Einführung der Todesstrafe und Misshandlungen Unschuldiger in überfüllten Gefängnissen sind die ersten erfolgversprechenden Schritte auf dem Weg zur Diktatur.

Viele einflussreiche Europäer und auch der neue US-Präsident werden diese freiwillig oder gezwungenermaßen tolerieren.

Erdogan möchte die Kurden Richtung Deutschland treiben

Erdogan beabsichtigt, die Kurden aus ihrem Stammland in der Türkei Richtung Deutschland zu vertreiben. Hierzu benötigt er die Visafreiheit in die EU für Türken, wozu auch die türkischen Kurden zählen.

Erdogan hofft, dass wenn einige Millionen Kurden die Türkei verlassen haben werden, die verbliebenen Kurden sich mit ihrem Schicksal als benachteiligte Bürger arrangieren werden.

Eine weitere Möglichkeit zur Erfüllung seines Planes sieht Erdogan in einem von der Türkei abhängigen Kurdistan im Nordosten des Iraks.

Dieses von der Türkei abhängige Kurdistan würde die restlichen Kurden aus dem türkischen Stammland aufnehmen. Selbst ein autonomes, von der Türkei unabhängiges Kurdistan wird den aus der Türkei vertriebenen Kurden eine neue Heimat anbieten.

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Auf die Aufnahme in die EU verzichtet Erdogan gerne, nachdem selbst die Briten sich freiwillig von der EU abwenden. Die Mitgliedschaft in der NATO kann die Türkei als Folge der zukünftigen Kriege in Syrien und im Irak, welche beide eine Grenze mit der Türkei teilen, aus strategischen Gründen nicht verlieren.

Deutsche Parlamentarier werden Erdogan dankbar sein, wenn sie einen Luftwaffenstützpunkt in der Türkei besuchen dürfen, für den Deutschland nicht nur finanziell aufkommt, sondern zudem die Soldaten mit allen notwendigen Waffen zur Verfügung stellt.

Selbst die Deutsch-Türken mit oder ohne doppelter Staatsangehörigkeit werden sich in Deutschland den Vorstellungen Erdogans anpassen. Der Einfluss der DITIB-Moscheen, die Erdogan unterstehen, auf die Türken in Deutschland wird zunehmen.

Türken, die sich in Deutschland dem Einfluss Erdogans entziehen wollen, befürchten Nachteile in der Türkei für sich und für verbliebene Familienangehörige.

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