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Die Eroberung Nordamerikas

08/02/2016 12:09 CET | Aktualisiert 08/02/2017 11:12 CET

Nordamerika ist seit einigen Jahrhunderten von Europäern kolonisiert, wie die Eroberung euphemistisch genannt wird. Als Erste fahren junge, kräftige Männer alleine ohne Kinder und Frauen über den Atlantik, bevor es erst viel später zum Familiennachzug und Familiengründungen kommt. Die Kolonisten kommen, weil sie Abenteurer, Deserteure und gesuchte Verbrecher sind oder weil es ihnen im alten Europa nicht gefällt. In Europa gibt Armut, Krieg, Arbeitslosigkeit, Hungersnöte und Willkür. Viele Kolonisten sind tiefreligiöse Christen, die ihren Glauben in der Neuen Welt leben wollen.

Der Norden Amerikas ist nicht menschenleer. Dort leben seit Jahrtausenden kriegerische neben friedlichen Einheimischen, die Indianer heißen. Für die Eroberer sind die Einheimischen kulturlose und gottlose Banausen. Die Europäer interessieren sich nicht für die Kultur und die Religion der Indianer. Kein Europäer denkt daran, die Kultur oder gar die Religion der Einheimischen zu übernehmen.

Nach wenigen Jahrhunderten übernehmen die Eroberer die ganze Macht in Nordamerika. Die Einheimischen werden dezimiert und in Reservaten eingesperrt. Irgendwann erhalten die Einheimischen Menschen- und Wahlrecht, was jedoch nicht ausreichen darf, damit ein Indianer oder Inuit Präsident der USA oder Kanadas wird. In Südafrika nennt man dies „Apartheid", obwohl die heutige schwarze Mehrheit, die Zulus, aus Zentralafrika „eingewandert" ist und die ursprüngliche Bevölkerung im Süden Afrikas, die indigenen San, beinahe ausgerottet hat.

Warum haben die Europäer die Macht in Nordamerika erobert und in Südafrika verloren?

Damit die Eroberer die Oberhand er- und anschließend behalten, muss ihr Bevölkerungsanteil größer sein als das der Eroberten. Zum anderen brauchen die Mächtigen bessere Waffen als die Einheimischen. Eine „höhere" Kultur ist nicht vonnöten. In Südafrika ist es nicht den Europäern, sondern den Zulus gelungen, die Mehrheit zu bilden.

Bessere Waffen darf keineswegs mit einer fortgeschrittenen Waffentechnologie gleich gesetzt werden. Zuweilen sind traditionelle Waffen erfolgversprechender als moderne. Wenn zum Beispiel das Benutzen von Feuerwaffen, vor allem gegen Frauen und Kinder, verpönt und moralisch geächtet ist, so können bereits Messer, ja Finger, sich als erfolgreiche Waffen erweisen.

Für die Machtübernahme spielt es überhaupt keine Rolle, ob die Kolonisten freundlich oder feindlich aufgenommen werden. Die Menschheitsgeschichte zeigt, dass ein friedliches Miteinander von Eroberern, die ihre Religion und ihre Kultur beibehalten, mit den eroberten Einheimischen nicht möglich ist. Ein exzellentes Beispiel bietet England. Hier haben sich die französischen Normannen mit den einheimischen Angelsachsen vermischt und eine gemeinsame Kultur, Sprache und Religion gebildet. Die ehemalige französische Oberschicht ist genauso britisch wie die Unterschicht.

Was können wir für heute daraus lernen?

Nichts!

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