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Das freie demokratische Kurdistan

07/03/2017 13:10 CET | Aktualisiert 07/03/2017 13:10 CET
MicroStockHub via Getty Images

Deutschland und die Türkei gehören beide der NATO an. Das Militärbündnis hegt den Anspruch, eine „Wertegemeinschaft" zu sein, die nur noch auf dem Papier steht. Zu den gemeinsamen Werten gehören Freiheit und Demokratie.

Den politisch NATO- und EU-Verantwortlichen ist es jedoch gleichgültig, ob die Türkei in die Diktatur abgleitet, weshalb sie die Errichtung einer Diktatur in der Türkei tatkräftig unterstützen. Die EU benötigt die Türkei, um der Flüchtlingsflut Herr zu werden. Die Europäer fürchten zu Recht, dass ein unkontrollierter Flüchtlingsanstieg das Ende der EU und der Demokratien in Europa bedeutet. Deshalb braucht Erdogan auf demokratische Werte keine Rücksicht zu nehmen, solange er uns erfolgreich vor Flüchtlingen bewahrt.

Aus einem ähnlichen Grund sehen die EU-Staaten beinahe tatenlos zu, wie Ungarn und Polen, beide EU- und NATO-Staaten, sich zunehmend von demokratischen Grundsätzen verabschieden.

Es liegt auf der Hand, dass die Entfremdung von demokratischen Prinzipien in der EU und in der NATO das Ende eben dieser EU und dieser NATO einleiten und - wie die Geschichte seit ihren Anfängen beweist - in brutalste Kriege münden wird. Deshalb ist es zu begrüßen, dass im Nahen Osten ein neuer Staat Kurdistan im Entstehen begriffen ist, der auf Seiten der EU und der NATO steht und der demokratische Regeln befolgen will.

Etwa 30.000.000 Kurden leben in einem zusammenhängenden Gebiet in der Türkei, im Iran, in Syrien und im Irak. Die Kurden sind das größte Volk auf Erden, dem die Eigenstaatlichkeit von der Weltgemeinschaft vorenthalten wird. In allen vier Ländern werden sie unterdrückt, verfolgt oder getötet, weshalb die Kurden Milizen zu ihrem Schutz aufgebaut haben. Die PKK in der Türkei wird von westlichen Staaten auf Druck der Türkei als Terrororganisation eingestuft. Die syrische PYD und die irakische Peschmerga gelten als Bündnispartner des Westens im Kampf gegen den Islamischen Staat, in der Regel ohne die Türkei. Die kurdischen Widerstandskämpfer sind die einzigen lokalen Mächte, die niemals auf Seiten des IS gekämpft oder diesen unterstützt haben. Doch obwohl oder weil sie schon aus Eigennutz zuverlässige Unterstützer des Westens im Kampf gegen den terroristischen Islam sind, gönnen ihnen die westlichen Verbündeten keinen eigenen Staat. Dies, weil der Westen einige ihm wichtige und überaus reiche islamistische und islamische Staaten im Orient nicht verprellen will.

Zudem richtet sich die Freiheitsbewegung der Kurden nicht gegen Juden, sondern gegen Muslime.

Die Chancen auf einen unabhängigen Kurdenstaat stehen derzeit nicht schlecht. Die Türkei steht kurz vor dem Erreichen einer auf Erdogan zugeschnittene Diktatur, welche die Zusammenarbeit mit dem Westen politisch, militärisch und wirtschaftlich einschränken und die Türkei schwächen wird. Syrien und der Irak sind in ihrer Auflösung weit fortgeschritten. Lediglich der Iran ist dank der gemeinsamen atomaren Aufrüstung des Westens, des Ostens und Nordkoreas derart unberechenbar, dass dort derzeit ein Kurdenstaat keine Aussicht auf Erfolg verspricht. Nach erfolgtem Sturz der schiitischen Islamisten, den wir hoffentlich noch erleben werden, besteht die berechtigte Hoffnung, dass auch das heute vom Iran besetzte Kurdistan sich dem vereinten freien Kurdistan anschließen wird.

Die politischen Wirren und Unruhen in der Türkei sind wegen der überaus starken türkischen Diaspora auch in Deutschland deutlich spürbar. Zur Sicherung seiner Diktatur ist Erdogan auf die Stimmen der Deutschtürken angewiesen, weshalb viele politische Veranstaltungen mit türkischen Erdorgan-Einpeitscher und natürlich auch mit Erdogan selber vorgesehen sind. Die „Hetzt"veranstaltungen widersprechen dem Geist der Demokratie, wenn auch nicht unbedingt dem Deutschen Grundgesetz. Dies ist den Nichtpolitikern unter den Deutschen höchst unangenehm. Sie versuchen gegen den Willen Erdogans, der deutsch-türkischen Anhänger Erdogans und der beredt schweigenden und wegsehenden deutschen Bundes- und Landesregierungen, die demokratiefeindlichen Veranstaltungen zu hintertreiben, was ihnen mit Hilfe mutiger bürgernaher Bürgermeister gelingt, bis ihnen ängstliche bürgerferne Bundespolitiker in den Rücken fallen. Erdogan wiederum fühlt sich brüskiert und droht, seine Diktatur in der Türkei gegenüber den letzten unabhängigen Journalisten zu verstärken.

Für diskrete diplomatische Drohungen ist Erdogan nicht empfänglich. Wie viele Deutsche glaubt auch Erdogan nicht den Worten Merkels und Schulzens. Deshalb ist es notwendig, ihn mit nicht-alternativen Fakten zu konfrontieren, die er akzeptieren muss. Deutschland muss den Vorreiter spielen und Kurdistan anerkennen! Im Gegensatz zu Palästina ist Kurdistan kein Juden hassender Terrorstaat, sondern ein nützliches Mitglied der Weltgemeinschaft! Deshalb wird sich Papst Franz sehr lange zieren, bevor er Kurdistan - wenn überhaupt - als Staat anerkennen wird. Somit ist es wichtig, dass das mächtige und ethische Deutschland den ersten Schritt tut und dem demokratischen Kurdistan den militärischen Beistand zusichert. Das wird die Türkei vor kriegerischen Abenteuern abhalten. Wahrscheinlich wird bald danach der Diktator Erdogan gestürzt werden und die Welt wird dank Deutschland und Kurdistan ein wenig sicherer werden.

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Es lebe das freie und demokratische Kurdistan!

Falls Bedenken bestehen, die als Terrororganisation eingestufte PKK als Partner anzuerkennen, so sei angemerkt, dass die PKK sich nicht als Terrororganisation versteht. Auch werden Attentate außerhalb der Türkei in EU-Staaten nicht verübt. Im Gegenzug betrachtet die Erdoganische Türkei mit einigen Schurkenstaaten die weltweit als hochgefährliche Terrororganisation Hamas als ihren Verbündeten gegen Juden, Humanisten, Kurden, Linke, Transgender, Homosexuelle und Grüne.

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