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Die Angst der Bourgeoisie

Veröffentlicht: Aktualisiert:
CLINTON FANS
Carlos Barria / Reuters
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Obwohl jenseits und diesseits des Großen Teiches die Seher aus Funk, Politik und Wirtschaft verbreiten, dass Hillary Clinton die nächst Präsidentin der USA werden würde, hat Donald Trump die Wahlen haushoch gewonnen.

Nun ist die Zukunft schwer vorauszusehen ist. Doch warum haben die Meinungsforscher derart daneben gegriffen?

Dieser Artikel wird nicht das Orakel bemühen, um die Zukunft auszuspähen. Es geht um leicht nachprüfbare Geschehnisse aus der nahen Vergangenheit.

Zunächst: Nicht alle Demoskopen haben sich geirrt. Einige haben das Ergebnis richtig vorhergesehen, sind jedoch von den übrigen Massenmedien übergangen worden. Warum? Weil solche Ergebnisse nicht in das bürgerliche Konzept passen! Das bedeutet, dass selbst Ereignisse, die in der Zukunft liegen, von den Meinungsmachern, die sich verschämt Meinungsforscher nennen, nur dann zugelassen werden, wenn sie nützlich sind. Die Meinungsmacher fürchten also, dass Trump die Präsidentenwahlen in den USA gewinnt. Durch die Verbreitung falscher Prognosen wollen sie eine Änderung der Zukunft erzwingen. Ob das funktioniert?

Beim Brexit hat es bereits nicht geklappt. Die staatstreuen und angesehenen Demoskopen sind sich vor der Abstimmung unisono einig, dass der Brexit scheitern wird. Nach Bekanntgabe der Ergebnisse wird dann wenig glaubwürdig behauptet, dass die Prognose „kein Brexit" dazu geführt hat, dass die Brexit-Gegner nicht zur Wahl gegangen sind, die Brexit-Befürworter umso mehr. Hätten die politischen Meinungsforscher stattdessen vorhergesagt, dass der Brexit eine Mehrheit erhält, wären dann mehr Brexit-Gegner zur Wahl gegangen und wäre der Brexit gescheitert? Dies bedeutet, dass alle Vorhersagen falsch und bedeutungslos sind, es sei denn, die Vorhersagen dienen allein der Manipulation. Letztendlich schafft so die Demoskopie die Demokratie ab.

Man darf das komplizierte Denken vereinfachen: Die Meinungsmacher haben die Aufgabe, durch ungenaue bis falsche Angaben der zu erwartenden Ergebnisse das Wahlvolk derart zu beeinflussen, damit das gewĂĽnschte Ergebnis eintritt.

Nächste Frage: Warum ist die Manipulation der amerikanischen Wähler misslungen? Wäre eine Manipulation in Deutschland gelungen?

Die Manipulation, die zum richtigen Wahlverhalten führen soll, geschieht durch die Medien, also Radio, Fernsehen, Zeitungen und Internet. Das Internet ist derart vielfältig und unabhängig, dass zumindest momentan keine Manipulation in eine bestimmte Richtung möglich ist. Radio muss gehört, Fernsehen muss gesehen und Zeitungen müssen gelesen werden, um die zu Manipulierenden zu manipulieren.

Wenn das zu manipulierende Wahlvolk kein Radio hört, keine politischen Sendungen im Fernsehen verfolgt und keine Zeitungen liest, dann versickert die Manipulation ins Leere. In Deutschland gibt es ein öffentlich-rechtliches Fernsehen, in den USA nicht. In Deutschland zahlt der gut verdienende Bildungsbürger die Rundfunkpflichtgebühren, um sich im Fernsehen zu bestätigen.

Der verarmte Nicht-Bourgeois muss Gebühren zahlen, um manipuliert zu werden. Die Ausgepowerten der USA und der EU lesen nur Zeitungen, die nichts kosten. Somit sind zu bezahlende Zeitungen wirkungslos. Der verarmte, nicht-bourgeoise Deutsche wird folglich vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen manipuliert. Zudem packt der durchschnittliche US-Amerikaner herzhafter zu als der durchschnittliche Deutsche, wenn es um seine Interessen geht. Der Deutsche wartet lieber auf die Segnungen des Vater Staates. Fazit: Der Deutsche lässt sich leichter manipulieren als der Amerikaner.

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Nicht jeder US-amerikanische Bourgeois akzeptiert das demokratische Ergebnis, welches Trump zum 45. US-Präsidenten kürt. Doch es sind nur wenige Realitätsverweigerer, die auf der Straße gegen die unverrückbare Realität demonstrieren.

Anders in Deutschland: Hier sind selbst die politischen Meinungsmacher derart schockiert, dass sie Probleme haben, einem zukünftigen Präsidenten eines verbündeten Staates zu gratulieren, der gerade eine demokratische Wahl gewonnen hat. Die Sätze der Bundeskanzlerin anlässlich Trumps Sieg sind schwer auszuhalten. Das Verhalten des Deutschen Außenministers ist staatsschädigend.

Während das Volk der USA sich an die Realität gewöhnt, geht der Krieg der deutschen Medien gegen den Sieger Trump munter weiter. Die nihilistische Realitätsverweigerung hat in Deutschland einen festen Stand. Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, das geschützt werden muss. Die Meinungsfreiheit schließt die Verbreitung von Unwahrheiten und jeglicher Narrative ein. Ein willkürlicher Auszug aus einer Provinzzeitung:

„Donald Trump hat Amerika und den Rest der Welt geschockt. Mit seinem sensationellen Sieg zieht ein Demagoge für die Republikaner ins Weiße Haus, dessen politische Unerfahrenheit und oft radikalen Pläne nur noch von seinen starken charakterlichen Schwächen übertroffen werden."

„Sein unverhohlener praktizierter Rassismus mit Blick auf Ladinos, seine diskriminierenden Pläne für den Umgang mit Muslimen, sein verachtenswerter Umgang mit Frauen."

„Maulheld, Unberechenbarkeit, Ausgrenzung, Rassismus und asoziale Politik, für Willkür und Rücksichtslosigkeit."

„Unsäglichen Reden, seine Lügen und seine Drohungen Richtung Immigranten und Muslime, seine Aggression und sein Sarkasmus auf Kosten von Schwächeren"

Was dürfen wir annehmen, auch wenn wir nicht in die Zukunft blicken wollen: Die AfD hat keinerlei Chancen, die Macht im Staate zu übernehmen. Die bourgeoisen politischen Herrscher Deutschlands sind zwar ungeliebt und werden von vielen Bürgern verachtet, doch die Manipulationsmaschinerie läuft vorzüglich und wird vom Volk ohne Murren subventioniert. Die Politiker in den höheren Sphären Deutschlands und der EU überschütten sich gegenseitig mit Ehrenpreisen und Lobhudeleien, um sich und das Volk zu amüsieren: panem et circenses!

Trotzdem. Die vereinigte Bourgeoisie der USA, bestehend aus Demokraten, Republikaner, Wirtschaftsbossen, Bankiers, Medienmogulen und -zaren hat gegen Trump verloren. Inwieweit Trump seine „Versprechen" erfüllt, ist nicht Thema dieses Artikels. Die antibürgerliche Revolution gegen das politisch-wirtschaftliche System kann grandios scheitern und wird es wohl auch. Denn die US-Amerikaner sind im Gegensatz zu den Europäern und wie die Briten unfähig, eine faschistische Diktatur auf die Beine zu stellen.

In der EU müssen wir Gott auf Knien bitten, dass die Antibürgerlichen (Front National, AfD, etc. ) nicht an die Macht kommen mögen, da sie die Demokratie zerstören werden. Durch Manipulation der Wähler lässt sich dies über ein bis zwei Wahlperioden verhindern. So oder so: Das Ende der bürgerlichen Demokratie auf Europäischen Boden ist eingeläutet.

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