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Warum meine Tochter in meinem Bett schlafen darf

18/08/2016 14:15 CEST | Aktualisiert 19/08/2017 11:12 CEST

Um die Zeit als meine Tochter zwei Jahre alt wurde, fand sie heraus, wie man eine Türklinke herunterdrückt. Da sie größentechnisch zu den oberen zwei Prozent gehörte, war es ein Leichtes für sie, das himmlische Ding mit ihren geschickten kleinen Fingern zu erreichen.

Dass sie so leicht herausgefunden hatte, wie die Türklinke zu bedienen war, beweist, was für ein pfiffiges, kleines Gehirn sie hat.

Das Interessante ist: Sie hat ihre neuentdeckte Fähigkeit, sich Houdini-mäßig aus dem Schlafzimmer zu entfernen, nicht gleich angewandt.

Als meine Frau Lydia und ich herausfanden, dass unsere Tochter nach Belieben Räume betreten und verlassen konnte, schien unseren erholsamen Nächten ein Ende gesetzt.

Wir gingen davon aus, dass sie die ganze Nacht wach sein, jede Nacht das Haus erkunden und ihre neuentdeckte Freiheit genießen würde. Aber dem war nicht so.

Etwa sechs Monate später kam allerdings der Aha-Moment. Meiner Tochter war bewusst geworden, dass sie nicht nur Türen öffnen konnte, sondern auch wusste, wo Mama und Papa schliefen.

Zweijährige können hartnäckig sein

Meine Tochter zählte eins und eins zusammen und kam eines Nachts gegen 3 Uhr in unser Schlafzimmer. Lydia schläft gleich bei der Tür, also war sie es, die von unserer müden Tochter begrüßt wurde.

Meine Frau schaffte es, die Kleine ohne Probleme zurück in ihr eigenes Zimmer zu transportieren, aber Zweijährige können ausgesprochen hartnäckig sein.

Kurz darauf watschelte unser Knirps einmal die Woche in unser Schlafzimmer. Die Gewässer wurden vorsichtig getestet; große (relativ gesehen) Zehen überprüften die Wassertemperatur. Obwohl sie sicherlich nicht bewusst nach Grenzen suchte, bin ich überzeugt davon, dass sie es instinktiv tat.

Meine Tochter versuchte etwas zu begreifen, das sie bereits wusste: unter unserem Dach war Papa der Softy.

Ich wurde getreten und angepupst - aber es störte mich nicht

Nach einigen Versuchen, die damit endeten, von Mama entdeckt und zurückgewiesen zu werden, probierte sie einen neuen Ansatz aus: Meine Tochter schlich ins Zimmer ... krabbelte auf Papas Seite ins Bett und plumpste sicher auf meine Brust.

Anstatt sie aufzuheben und zurück in ihr eigenes Bett zu bringen, zog ich sie sofort fest an mich und deckte sie zu.

Ein Daumen wanderte in ihren Mund und sie schlief sofort ein.

Sicher.

Warm.

(Ich verbrachte die nächsten Stunden damit, getreten und angepupst zu werden. Aber es störte mich ganz und gar nicht.)

So begann, um es in biblischen Worten auszudrücken, das Ende der Tage.

Lydia und ich fingen an, zu streiten

Was als wöchentlicher Besuch um 5 oder 3 Uhr morgens anfing, wurde zu nächtlichen Anschlägen um 11 und 10 Uhr abends. Unsere Tochter kam immer früher und immer häufiger in unser Zimmer.

Selbstverständlich hieß es zurück ins Kinderzimmer, wenn Lydia wach war (oder als erstes wach wurde). Wenn sie es aber hinein und zu mir schaffte, erlaubte ich ihr stets zu kuscheln und meinen Schlaf zu stören.

Dies führte schnell zu Streitigkeiten zwischen Lydia und mir. Sie liest gerne Bücher zum Thema Kindererziehung und redet stets ausgiebig über Konditionierung und schlechte Angewohnheiten. Was ich verstehe. Gleichzeitig ist es mir egal.

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Meine Tochter ist jetzt 3 Jahre alt.

In meinem Kopf wird sie schon "morgen" ihren 13. Geburtstag feiern.

Zeit ist vergänglich. Ich weiß nicht, wie lange uns das Kuscheln erhalten bleibt - wie lange sie noch Lust haben wird, mit mir zu kuscheln.

Mir ist allerdings bewusst, dass sie mich als Teenager für das peinlichste aller Dinge in ihrem Leben halten und wenig mit mir zu tun haben wollen wird.

Unsere Kuschel-Momente sind gezählt

Diese Momente sind also gezählt und besonders und ich möchte sie sicher nicht vergeuden.

Wenn meine Tochter in der Mitte der Nacht das Bedürfnis nach Nähe und Wärme verspürt, warum sollte ich ihr das verbieten?

Meine liebe Ehefrau betonte mit strenger Miene, dass sie den Tag fürchte, an dem auch unser einjähriger Sohn in unser Zimmer geschlendert käme.

"Wenn unsere Tochter bis dahin nicht gelernt hat alleine zu schlafen, wird das Bett total vollgestopft sein."

Jap.

Ein Tag, den ich jetzt schon kaum erwarten kann.

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Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Virginia V. Hartmann aus dem Englischen übersetzt.

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