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Wen wählen für mehr Chancengleichheit?

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von Maximilian Gahntz und Natalya Nepomnyashcha

"So ein bisschen Bildung ziert den ganzen Menschen", schrieb einst Heinrich Heine. "So auch jedes Wahlprogramm", scheinen sich die Parteien im Vorfeld der Bundestagswahl gedacht haben. Denn das Thema Bildung nimmt in den Programmen aller etablierten Parteien eine prominente Rolle ein. Bessere Bildung, höhere Bildungsausgaben - da sind sich alle Parteien einig. Doch wie sieht es aus, wenn es um das Thema Chancengleichheit geht? Wo macht man sein Kreuz, wenn man sich für gleiche Bildungschancen für alle einsetzen möchte? Wir von der Initiative Netzwerk Chancen haben den Parteien auf den Zahn gefühlt.

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Gebührenfreie Bildung von der Kita bis zur Uni: SPD, Linke und Grüne

Das Thema Gebühren weckt stets die Gemüter Betroffener wie auch der Parteien. Einig sind sich hier SPD, Linke und Grüne: gegen Kita-Gebühren und gegen Studiengebühren. Auch die FDP spricht sich für die Abschaffung der Gebühren für Kindertagesbetreuung aus - doch als einzige Partei möchte Sie die Einführung von Studiengebühren ermöglichen. Im Gegenzug fordert sie die Einführung einer elternunabhängigen Ausbildungsförderung sowie Ausbau von leistungsorientierten Stipendienprogrammen. Die SPD wiederum macht sich für Ausbau und Erhöhung des Bafög aus. Einzig die Union bezieht zur Gebührenfrage keine Stellung.

CDU/CSU gegen stärkere Rolle des Bundes in der Bildungspolitik

Dagegen spricht sich die Union als einzige Partei für das sogenannte Kooperationsverbot aus, also für die Regelung, die eine bundespolitische Einmischung in die Bildungspolitik der Länder verhindern soll - sie bekennt sich zum Wettbewerbsföderalismus im Bildungsbereich. SPD, Linke und Grüne fordern dagegen dessen Abschaffung, um eine stärkere finanzielle Unterstützung und mehr Einflussnahme des Bundes in der Bildungspolitik zu ermöglichen. Auch die FDP spricht sich zumindest dafür aus, dass der "Bildungsföderalismusn grundlegend reformiert werden" muss.

Mit dem Kooperationsverbot hängt auch die Forderung der FDP nach einheitlichen Bildungsstandards in deutschen Schulen zusammen. Sie spricht sich allerdings gegen bundesweit einheitliche Qualitätsstandards in Kitas aus - und widerspricht damit der Forderung aller anderen Parteien. Hier herrscht Einigkeit zwischen Union, SPD, Linken sowie Grünen.

Linke und Grüne für Stärkung von Gesamtschulen, FDP dagegen

Nicht zuletzt sorgt auch das Thema Gesamtschule - mal wieder - für Kontroversen. Während die Linke die gänzliche Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems fordert und die Grünen sich für eine Stärkung der Gesamtschule und eine Verlängerung des gemeinsamen Lernens einsetzen, tritt die FDP diesen Forderungen entgegen. Union und SPD lassen diese Frage unbeantwortet.

Die Forderung nach mehr Chancengleichheit im deutschen Bildungssystem wird auch über diesen Wahlkampf hinaus nicht verstummen, genauso wie dieses Problem nicht innerhalb einer Legislaturperiode gelöst werden kann. Die Parteien unterbreiten in ihren Wahlprogrammen verschiedene Lösungsvorschläge, neu und altbekannt. Nach der Bundestagswahl werden sie sich daran messen lassen müssen, ob sie diese auch in die Tat umsetzen.
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Netzwerk Chancen ist eine gemeinnützige und überparteiliche Dialog-Plattform, die Vertreter aus Zivilgesellschaft, Politik, Verwaltung, Wissenschaft und aus dem Bildungssektor selbst zusammenbringt, um gemeinsam nachhaltige Lösungen für gleiche Bildungs- und Aufstiegschancen zu entwickeln.

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