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Chancengleichheit: 4 Gründe, warum uns allen etwas daran liegen sollte

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Blend Images - Inti St Clair via Getty Images
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Deutschland ist ein ungleiches Land. Ganz besonders, wenn es um die Verteilung von Chancen unter Kindern geht. Dass die Bildungs- und damit auch die Lebenschancen von Kindern hierzulande sehr stark von ihrer sozialen Herkunft abhängen, ist kein Geheimnis.

So zeigt beispielsweise die letzte Auflage der PISA-Studie - der weltgrößten Vergleichsstudie im Bildungsbereich -, dass Deutschland hier im Vergleich zu anderen entwickelten Nationen nur im unteren Mittelfeld rangiert. Länder wie Mexiko, Estland oder Griechenland schneiden dabei besser ab - zum Teil sogar deutlich.

Dabei würde ganz Deutschland enorm von gleichen Bildungs- und Aufstiegschancen profitieren. Das hat mehrere Gründe:

1) Chancenungleichheit kostet den Staat bares Geld

Wer aufgrund seiner sozialen Herkunft von Geburt an schlechte Startchancen hat, wird mit höherer Wahrscheinlichkeit keinen guten oder gar keinen Schulabschluss erreichen. Das kann wiederum in Arbeitslosigkeit resultieren und kostet den Staat bares Geld. Wenn der Staat so investiert, dass auch Kinder aus sozial schwachen Familien einen besseren Zugang zu Ausbildungs- und Studienplätzen bekommen, muss er weniger Geld für Sozialleistungen aufbringen und wird potentiell mehr Steuern einnehmen.

2) Durch Chancengleichheit kann dem Fachkräftemangel entgegengewirkt werden

Schlechte Bildung schadet nicht nur den Jugendlichen selbst, sie schadet auch der deutschen Wirtschaft - denn Unternehmen brauchen qualifizierte Arbeitskräfte. Wenn die Diskrepanz zwischen den Fähigkeiten von jungen Erwachsenen und den Anforderungen für Arbeits- und Ausbildungsplätze zu groß ist, dann entsteht ein Mangel an Fachkräften. Gerade in Zeiten des demographischen Wandels können wir es uns in Deutschland deshalb nicht leisten, das Potenzial so vieler Jugendlicher ungenutzt zu lassen.

3) Chancenungleichheit trägt zur Spaltung der Gesellschaft bei

Wenn Menschen das Gefühl haben, dass sie unten bleiben, egal, wie sehr sie sich anstrengen, verlieren sie den Glauben an das System und an das Versprechen, dass Leistung sich auszahlt. Sie neigen eher dazu, populistische Parteien zu wählen, die einfache Lösungen versprechen und versuchen, die Bevölkerung zu spalten. Nicht nur die etablierten Parteien, sondern wir alle sollten deshalb ein Interesse daran haben, dass Chancen für sozial Benachteiligte wieder greifbar werden und der gesellschaftliche Zusammenhalt gestärkt wird.

4) Bei Chancengleichheit ist jeder seines eigenen Glückes Schmied

Unsere Vorstellung von einer gerechten Gesellschaft basiert darauf, dass jeder die gleichen Chancen hat - egal, wo man herkommt oder was die Eltern machen. Das ist in Deutschland nicht der Fall. Nur, wenn wir wieder dafür sorgen, dass Bildungschancen gleich verteilt sind, kann jeder wirklich seines eigenen Glückes Schmied werden. Sich für mehr Chancengleichheit auszusprechen, hat deshalb nichts damit zu tun, ob man politisch links oder rechts orientiert ist - vielmehr ist das eine Frage der Gerechtigkeit.

Natalya Nepomnyashcha ist Alumna der Deutschlandstiftung Integration und selbst eine soziale Aufsteigerin. 2016 gründete sie mit Netzwerk Chancen eine unabhängige Plattform, die durch einen gesamtgesellschaftlichen Dialog Lösungsansätze für mehr Chancengleichheit für Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien erarbeitet.

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