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Heiraten ist keine Leistung

13/02/2016 09:42 CET | Aktualisiert 13/02/2017 11:12 CET
Kevin Fitzgerald via Getty Images

Vor drei Monaten ist mein damals-noch-Freund Craig vor mir auf die Knie gegangen und hat mich gefragt, ob ich ihn heiraten möchte. Ich weinte vor Rührung. Das war ein wirklich großer Moment in meinem Leben, sehr aufregend, besonders und absolut feierlich.

Aber ist das eine Leistung? Nein.

Jetzt, da ich einen Ring am Finger habe, kann ich endlich öffentlich meine Meinung sagen, ohne das es verbittert klingt, weil es von einem Mädchen ohne Ring am Finger kommt. Da ich nun offiziell vom Markt bin, kann ich nun sagen, was ich weiterhin glaube: Sich verloben und heiraten ist keine Leistung.

Liebe Damen, bevor ihr mich jetzt hasst, lest erstmal weiter.

Mein Punkt ist: Es ist 2016 und einen Heiratsantrag zu bekommen, wird für Frauen noch immer als größerer Anlass zum Feiern gesehen, als akademischer oder professioneller Erfolg. Ja, Uni-Abschlüsse und Erfolge in der Karriere werden von Freunden und Familie gefeiert, aber nicht annähernd so sehr und mit so viel Enthusiasmus wie die Verkündung einer Verlobung. Zumindest meiner Erfahrung nach.

"Es ist an der Zeit, dass unsere gesamte Gesellschaft hinterfragt, wo die Prioritäten im Leben einer Frau liegen."

Ich bin so dankbar für die Vorfreude auf meine Hochzeit, die mir entgegengebracht wird. Aber dennoch frage ich mich oft, warum meine Hochzeit wichtiger zu sein scheint, als die wahren Erfolge, die ich mir in meiner Ausbildung und Karriere erarbeitet habe.

In den 1950er Jahren waren Frauen vor allem Hausfrauen und zu heiraten war so etwas wie das höchste Ziel. Damals wurden Frauen darüber definiert, wie gut sie als Ehefrau waren. Deshalb kann ich verstehen, dass es damals durchaus eine Leistung war, den richtigen Partner fürs Leben zu finden.

So ist es heute aber nicht mehr. In unserer heutigen Gesellschaft haben Frauen viel mehr zu schaffen, als sich einen Mann zu finden.

Frauen sind Unternehmerinnen, Anwältinnen, Lehrerinnen, CEOs, Erfinderinnen, Designerinnen, Forscherinnen, Autorinnen, Beraterinnen und so vieles mehr. Frauen studieren an der Universität, machen ihren Master oder auch Doktor. Frauen arbeiten unermüdlich, um die Karriereleiter zu erklimmen. Frauen spielen zentrale Rollen in unseren Regierungen. Frauen verändern die Welt mit ihren Erfindungen.

Und während viele dieser Frauen verheiratet sind, ist es doch nicht nur ihr Nachname, der sie definiert.

Generell ist mir aufgefallen, dass mir tendenziell viel mehr Fragen zu meiner Beziehung, Verlobung oder Hochzeit gestellt werden als zu meinen beruflichen Erfolgen. Und das ist nicht erst seit den letzten drei Monaten so. Es war schon immer so, dass ich eher gefragt wurde "Na, wann verlobst du dich endlich?" oder "Wie läuft es mit Craig?" als "Wie läuft es in deinem Job?" oder "Woran arbeitest du zur Zeit?"

Ich kann es niemandem verübeln, dass er sich mehr für meine Beziehung als für meinen Job interessiert. Denn auch mir geht es so mit anderen Frauen. Letztlich sind wir alle durch gezielte und perfektionierte Werbung konditioniert zu glauben, dass es unser höchstes Ziel ist, als Frau einen Ring an den Finger gesteckt zu bekommen.

Vielleicht ist es an der Zeit für unsere Gesellschaft als Ganzes zu hinterfragen, wo wir die Prioritäten im Leben von Frauen setzen.

"Du brauchst kein Gehirn, Antrieb oder besondere Fähigkeiten, um zu heiraten. Du brauchst nur einen Partner, der einverstanden ist."

Meines Erachtens sollte Heiraten nicht höher stehen als der akademische und professionelle Erfolg, den sich Frauen hart erarbeiten. Du brauchst kein Gehirn, Antrieb oder besondere Fähigkeiten, um zu heiraten. Du brauchst nur einen Partner, der einverstanden ist. An der X-Schule angenommen zu werden, sie mit einem Y-Abschluss zu verlassen und anschließend einen Z-Job angeboten zu bekommen, ist hingegen echte Arbeit.

Das soll nicht heißen, dass es keinerlei Leistung bedarf, um zu heiraten. Ich glaube, dass Erfolg in einer Partnerschaft nicht bedeutet, dass der Mann auf die Knie geht oder wenn sie beide vorm Altar stehen und "Ja, ich will" sagen. Er besteht viel mehr darin, finanzielle Probleme zu überstehen, Krankheiten, Kinder zu bekommen und den ganzen Alltagsstress zu überstehen. Zusammenzubleiben, in einer Zeit, in der 50 Prozent aller Ehen geschieden werden, ist mit Sicherheit eine Leistung.

Ich möchte noch einmal betonen, dass es mit Sicherheit eine große Sache ist, zu heiraten. Trotzdem ist der Ring an ihrem Finger nicht das, was eine Frau definiert. Darum möchte ich euch raten: Freut euch über die Verlobung eurer Schwester, Kollegin oder besten Freundin, aber bitte freut euch genauso - wenn nicht noch mehr - wenn sie den Management-Job bekommt, ihren Master macht oder ihr eigenes Unternehmen gründet.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Franca Lavinia Meyerhöfer aus dem Englischen übersetzt.

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