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5 Gründe, warum ich in Reisen investiere - und nicht in Dinge

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JAPAN TEMPLE
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Wenn das Deutsch meiner Mutter gut genug wäre und sie diesen Text lesen könnte, würde sie wahrscheinlich erst mal sehr lange nicht mehr mit mir sprechen.

Meine Schwiegermutter nannte uns liebevoll "Reise-Narren". Und ich kann es verstehen.

Ich bin mir sicher, dass ihre Generation wahrscheinlich mit anderen Werten aufgewachsen ist. Haus, Auto, Möbel, Schmuck und Ersparnisse waren von wichtigster Bedeutung und die natürlichste Weise seinen Status, Entwicklung und Errungenschaften zur Schau stellen zu können.

Versteht mich nicht falsch, das ist alles immer noch wichtig (und ich würde mir wünschen, dass sich mehr Menschen diese materialistischen Freuden erfüllen könnten, ohne Verzichte und Haushaltsplanung).

Meine Generation dagegen wendet sich zunehmend einer anderen Mentalität zu - Erfahrungen sind wichtiger als Anschaffungen. Die Prioritäten wandeln sich von Dinge sammeln zu Erfahrungen sammeln.

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Ein Shinto Shrein in unserer Nachbarschaft in Jiyugaoka, Tokio (Foto: Nano Betts)

Meinen Urlaub plane ich Jahre im Voraus

Mein Ehemann und ich sind einfach nur ein weiteres Paar mit einem durchschnittlichen Einkommen.

Wir versuchen das Beste aus unserem Leben zu machen und schaffen uns Erinnerungen, die uns für immer begleiten werden.

Da unser Budget beschränkt ist, fahre ich lieber einen Honda und mache vier Mal im Jahr Urlaub, als nicht zu vereisen und dafür die nächsten zehn Jahre meinen 100.000 Euro-Mercedes abzubezahlen - nur um meinen Status zu signalisieren.

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Wir haben auch vereinbart, dass wir unser Geld lieber großzügig bei Dates ausgeben, indem wir in ein 3-Sterne-Restaurant essen gehen, anstatt unser Geld für Geschenke füreinander auszugeben.

hydrangea garden in chiba japan

Hydrangea Garten in Chiba, Japan (Foto: Nano Betts)

Man könnte mich süchtig nennen, und hätte damit vermutlich auch recht. Ich nenne es aber lieber Leidenschaft.

So oder so, die Symptome sind eindeutig: Ich leide darunter, wenn ich länger als drei Monate an ein und dem selben Ort bleiben muss. Ich brauche regelmäßige Wochenendausflüge, in der Nähe oder auch weiter weg.

Meinen Urlaub plane ich schon ein bis zwei Jahre im Voraus - ich recherchiere haargenau und bereite detaillierte Reisepläne für jeden Trip vor.

Die Zeitschriften und Plattformen wie CondeNast Traveler, Culture Trip, National Geographic und Travel + Leisure wurden zu meinen Bibeln.

Ich besuche auch ständig die Seite booking.com, nur um von den schönsten Reisezielen auf der Welt zu Träumen.

Warum bevorzuge ich es also mehr, in Reisen zu Investieren als in Dinge? Die Gründe sind simpel:

1. Den Horizont erweitern

Wie Herr Twain schon erwähnt hat, Reisen ist fatal für Vorurteile, Fanatismus und Engstirnigkeit.

Zwei Jahre als Diplomatin in Haiti zu leben, hat mein Denken komplett verändert. Man kann das Elend von Entwicklungsländern im Fernsehen beobachten, aber wenn du es nicht hautnah erlebt hast, wirst du niemals wirklich die Probleme der Menschen, die dort leben, nachvollziehen können.

Glücklicherweise war unsere Lebenssituation in Haiti nicht wie die von denen, die in vollkommener Armut leben müssen.

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Aber ich begann dennoch die kleinsten Dinge zu schätzen, wie asphaltierte Straßen, Ampeln, Supermärkte, Kinos und Einkaufszentren - eigentlich alles, was ich vorher als selbstverständlich gesehen habe.

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Ein Dorf in Haiti (Foto: Nano Betts)

2. Neue Menschen kennenlernen

Nur die klassischen Sehenswürdigkeiten des Reiseziels zu sehen, reicht mir nicht.

Ich finde es ehrlich gesagt merkwürdig, wenn Menschen über Jahre hinweg in einem fremden Land leben und keine ortsansässigen Freunde haben.

Ich finde, du kannst nichts über das Land oder seine Kultur lernen, wenn du nicht mit den Einwohnern interagierst.

Multikulturelles Engagement ist ein Schlüssel für das Verstehen der Schönheit dieser Welt und so viele Freunde auf der ganzen Welt verteilt zu haben, bereichert mich.

Abgesehen davon, andauernd neue Menschen zu treffen, gibt Reisen mir einfach die Möglichkeit, mit anderen Nationalitäten in Berührung zu kommen und ein bisschen was über ihre Kultur zu lernen.

Vergiss nicht: Jede Person, die du auf deinen Reisen triffst, hat eine Geschichte zu erzählen.

3. Neue Kulturen erleben

Sei es eine Luau Nacht auf Hawaii, an der Chinesischen Mauer zu klettern, in einem buddhistischen Tempel in Japan übernachten, in St. Kitts tauchen, ein Sumo-Ringkampf in Tokio oder Dünenfahrten in Dubai - es gibt unendlich viele Möglichkeiten in die Kultur eines Landes einzutauchen.

Das Gefühl, mit eigenen Augen sehen zu können, wie andere Menschen anderer Nationen leben und hautnah zu lernen, wie sie ticken, ist unvergleichlich.

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Während du die Welt bereist und immer wieder auf der Suche nach neuen Gerüchen, Anblicken und Geräuschen bist, ist es dein Wachstum in dir selbst und dein Verständnis für deine Umgebung und neue, andere Kulturen die deinen Geist erweitern und dich bereichern.

sakura festival in atami japan

Sakura Festival in Atami, Japan (Foto: Nano Bettis)

4. Kulinarische Schätze entdecken

Es ist kein Geheimnis, dass ich gutes Essen liebe und ich auf jeder Reise keine Mühen scheue, die einheimische Küche zu probieren.

Egal wie sehr andere versuchen, das Essen nachzukochen, es schmeckt niemals so gut wie in seinem Herkunftsland - das liegt daran, dass die lokalen Produkte und Gewürze nirgends reproduziert werden können.

Khachapuri wird niemals so gut schmecken wie das, das in der Küche meiner Mutter in Tbilisi gekocht wurde, Thai-Essen wird niemals so gut sein wie das in Thailand und Indisch niemals so schmackhaft wie in Indien.

Ich erinnere mich immer noch an unsere überwältigende Food-Tour in San Juan - wir haben einheimische Spezialitäten genossen, während wir durch die wunderschönen gepflasterten Straßen spazierten.

Unser momentaner Favorit ist eine kleine, unauffällige Gaststätte in einem winzigen chinesischen Dorf, das wir auf unseren Weg in die verbotene Stadt gefunden haben - dort haben wir die szechuanische Küche durchprobiert. Es war günstig, einfach und trotzdem unglaublich lecker.

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Frittierter Fugu (Kugelfisch) bei einem Kaiseki (leichtes Essen bei einer Teezeremonie) im Yakumo Saryo, Tokyo (Foto: Nano Bettis)

acharuli khachapuri specialty of georgia

Acharuli Khachapuri, Georgiens Spezialität (Foto: Nano Bettis)

5. Um nicht eines Tages dazusitzen und zu denken: "Was wäre wenn?"

Das Leben ist zu kurz und am Ende des Tages sind die einzigen "Dinge", die für immer bei mir bleiben werden, all die Abenteuer und geliebten Erinnerungen, die ich mit meinen Liebsten gemacht habe.

Ich möchte nichts vor mich herschieben, was ich nicht heute, morgen oder in diesem Jahr erreichen kann. Ich will nicht zurück blicken und es bereuen, dass ich nicht dorthin gereist bin, oder das nicht gemacht habe.

Ehrlich gesagt, ich glaube nicht, dass dieses Fernweh jemals verschwinden wird. Mich wird es immer in den Fingern jucken, meine Tasche zu packen und einen Flug zum nächsten exotischen Reiseziel zu buchen.

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Ich glaube nicht, dass es eine "richtige" oder "falsche" Art gibt, das Leben zu leben. Mach das, was sich jetzt, in diesem Moment richtig für dich anfühlt - das ist wahrscheinlich die beste Antwort. Denn wir wissen nie, was der nächste Tag bringt.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der HuffPost US und wurde von Martina Zink aus dem Englischen übersetzt und bearbeitet.

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