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Wie uns die Autoindustrie schon wieder reinlegt

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
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gilaxia via Getty Images
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Der Diesel-Skandal macht es m├Âglich. Man streitet wieder ├╝ber hei├če Luft. Die gesundheitlichen Sch├Ąden durch Abgase sind f├╝r die einen n├Ąmlich genau das, hei├če Luft, und f├╝r die anderen verantwortlich f├╝r viele tausend Tote jedes Jahr.

AfD und FDP fordern nun h├Âhere Schadstoffgrenzen nachdem man festgestellt hat, dass die Schadstoffgrenzen in Abgasen von der Autoindustrie nicht eingehalten wurden. Was genau bedeutet der Vorschlag?

Unabh├Ąngige Wissenschaftler bestimmen in Kommissionen der Weltgesundheitsorganisation und der Deutschen Forschungsgemeinschaft Grenzwerte, also Mengen an Schadstoffen, die beim Einatmen nicht ├╝berschritten werden d├╝rfen.

Die Politik macht diese Grenzwerte dann zu gesetzlichen Auflagen, denn die Politiker vertrauen den wissenschaftlichen Experten.

Die Autoindustrie erkl├Ąrt, die Grenzwerte selbstverst├Ąndlich einhalten zu werden, um Mensch und Natur zu sch├╝tzen.

Die staatlichen Beh├Ârden ├╝berpr├╝fen die Grenzwerte und stellen fest, dass die Messungen bei den Autos zwar stimmen, aber die Schadstoffe in der Umwelt trotzdem zunehmen.

Irgendwann kommt heraus, dass die Autoindustrie die Messungen an den Autos durch Software manipuliert hatte, so dass zu niedrige Werte gemessen wurden mit denen man die Grenzwerte einhielt.

Der Aufschrei ├╝ber den Betrug ist gro├č.

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In dieser Situation kommen AfD und FDP und sagen pl├Âtzlich: "Leute, das ist alles nicht so schlimm. Die Grenzwerte stimmten nie, eigentlich m├╝ssen sie viel h├Âher sein. Wir haben gar kein Problem"

Als Beweis f├╝r ihre Behauptung bringen sie das Argument, dass die Grenzwerte an Industriearbeitspl├Ątzen 23 mal so hoch sind wie die Grenzwerte an der Au├čenluft.

Sie verschweigen, dass die Grenzwerte an der Au├čenluft deshalb niedriger sind, weil sich dort auch Babys, Kleinkinder, Alte und Kranke aufhalten, deren Atemwege viel empfindlicher sind.

Sie verschweigen, dass die Grenzwerte an Industriearbeitspl├Ątzen deswegen h├Âher sind als drau├čen, weil man sich dort nur zeitweilig aufh├Ąlt und die Luft nicht dauerhaft einatmet. Anders bei der Au├čenluft die 24 Stunden am Tag die Grundbasis der von uns eingeatmeten Luft bildet, sp├Ątestens dann, wenn sie in geschlossene R├Ąume eindringt. Deswegen m├╝ssen die Grenzwerte f├╝r die Au├čenluft immer niedriger sein als die Grenzwerte f├╝r geschlossene R├Ąume, insbesondere Industriearbeitspl├Ątze. Das hat nichts mit Willk├╝r oder Fehlern zu tun, wie AfD und FDP behaupten, sondern mit gesundem Menschenverstand.

Ô×Ę Mehr zum Thema: Eine Koalition der Tatenlosigkeit: Im Dieselskandal kuschen Merkel und Schulz vor der Wirtschaft

Auch stimmt es nicht, wie die FDP behauptet, dass die Grenzwerte willk├╝rlich von der Politik festgelegt wurden und man jetzt endlich mal Experten dar├╝ber entscheiden lassen sollte.

Zwar weisen AfD und FDP auf Studien hin, die beweisen sollen, dass die Schadstoffe erst ab sehr viel h├Âheren Werten als den festgelegten Grenzwerten sch├Ądlich sein sollen, aber diese Studien haben ein Probem.

Diese Studien kommen vom Health Effects Institute, einem Institut, das seit 1980 hunderte von Studien zu den Gesundheitseffekten der Luftverschmutzung durchgef├╝hrt hat. Das amerikanische Umweltamt vertraut diesen Studien und finanziert diese mit. Die Studien finden Eingang in die Bewertung von Schadstoffen von wissenschaftlichen Expertengremien, auch der Weltgesundheitsorganisation und der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Die Experten in diesen Gremien nehmen die Studien des Health Effects Institutes und anderer Institute und Universit├Ąten und leiten dann daraus ihre Empfehlungen f├╝r die Politik ab, die daraus dann ihre Gesetze macht.

Da trifft es sich gut, dass das Health Effects Institute zur H├Ąlfte von der weltweiten Autoindustrie finanziert wird. Die Autoindustrie finanziert also gemeinsam mit dem amerikanischen Umweltamt die Studien, die jetzt von AfD und FDP herangef├╝hrt werden, um zu belegen, dass die Grenzwerte f├╝r Autos eigentlich immer schon zu niedrig waren und man die Grenzwerte eigentlich erh├Âhen m├╝sste.

Hier ist die Liste der industriellen Sponsoren dieses "unabh├Ąngigen" Forschungsinstituts:

BMW of North America, LLC
Caterpillar, Inc.
Chrysler, LLC
Cummins Engine Company
Daimler AG
Detroit Diesel Corporation
Ford Motor Company
General Motors Corporation
Hino Motors, Ltd.
American Honda Motor Company, Inc.
Hyundai America Technical Center, Inc.
Isuzu Motors, Ltd.
Jaguar Land Rover North America, LLC
KIA Motors America, Inc.
Mazda Motor Corporation
Mitsubishi Motors Corporation
Navistar
Nissan Motor Company, Ltd.
Subaru Research and Development, Inc.
Toyota Motor Corporation
Volkswagen of America, Inc.
Volvo Cars of North America, LLC
Volvo Powertrain North America
Exxon Mobil

Die FDP hat ├╝brigens hohe Spenden von der Autoindustrie in diesem Bundestagswahlkampf erhalten, die AfD verschleiert finanzielle Unterst├╝tzung aus der Schweiz.

Wahrscheinlich m├╝ssten die Grenzwerte also nicht h├Âher, sondern in Wirklichkeit noch niedriger liegen und die Weltgesundheitsorganisation denkt tats├Ąchlich ├╝ber eine Halbierung nach.

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