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Warum sich die Ehefrau des FDP-Chefs diskriminiert fühlt

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DAGMAR ROSENFELD
Getty
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Was ist nur aus der Zeitung "Zeit" geworden? Da gibt sie der Journalistin Dagmar Rosenfeld Platz und Gelegenheit einen Artikel über sich selbst zu schreiben. Warum? Weil sie die Ehefrau von Christian Lindner ist, denn das Thema ist ihre vermeintliche berufliche Diskriminierung deswegen. Erst einmal ist der Artikel selbst ein Gegenbeweis für die Behauptung.

Zumindest in der Zeit, ihrer Arbeitgeberin, scheint ihre Ehe überhaupt nicht von Nachteil zu sein. Wo wird man also beruflich diskriminiert, wenn nicht beim Arbeitgeber?

Bei der bösen Konkurrenz. Frau Rosenfeld beschwert sich nämlich in ihrem Artikel, den sie über sich selbst schreibt, darüber, dass andere Zeitungen politische Artikel von Frau Rosenfeld mit dem Hinweis kommentieren, dass die Autorin ebenfalls Ehefrau vom FDP-Bundesvorsitzenden ist.

Wann immer sie einen politischen Kommentar verfasst, bei der sie FDP-Positionen vertritt, werde ihr das unverschämterweise um die Ohren gehauen, als ob sie nicht als Individuum, völlig losgelöst von der Ehe mit Herrn Lindner, die gleiche politische Überzeugung als Journalistin haben könne oder um es in ihren Worten zu sagen: "Weil ich die Frau des FDP-Chefs bin, ziehen manche meine berufliche Eigenständigkeit in Zweifel. Das zeugt von einem seltsamen Verständnis von Journalismus - und der Ehe."

Die gute Frau hat ihren Beruf nicht verstanden. Zwischen Journalist und Leser besteht ein Vertrauensverhältnis. Der Leser muss einem Journalisten vertrauen können, wenn er sich dessen Fakten und Meinungen zu eigen machen möchte. Hierzu gehört auch, dass er, wie z.B. im amerikanischen Journalismus üblich, über etwaige Interessenskonflikte aufgeklärt wird.

Wenn in den USA ein Journalist über einen Zahnstocher schreibt, erscheint in Klammern oft der Hinweis, ob er mal eine Probepackung geschenkt gekriegt hat, ob seine Eltern in der Stadt leben, in der der Zahnstocherhersteller seine Fabrik hat und die meisten Arbeitsplätze sichert, ob seine Cousine dritten Grades in dieser Fabrik arbeitet oder ob der Journalist überhaupt noch Zähne hat, um Zahnstocher bewerten zu können.

Das nennt sich Transparenz und eigentlich ist das Teil der journalistischen Professionalität, die der Leser erwarten darf. Insbesondere von der Zeitung, die in solchen Fällen eigentlich davon Abstand nimmt, die Glaubwürdigkeit ihrer Artikel zu gefährden, indem sie Journalisten mit dem Hauch etwaiger Interessenskonflikte an entsprechende Artikel setzt.

In einer professionellen Zeitung käme keiner auf die Idee, politische Positionen der FDP von der Ehefrau des FDP-Vorsitzenden kommentieren zu lassen. Wenn doch, dann nur mit einem dicken fetten Hinweis, dass die Autorin Ehefrau des FDP-Vorsitzenden ist. Das hätte übrigens nichts damit zu tun, dass die im Artikel erwähnte Position mit der des FDP-Vorsitzenden übereinstimmen muss. Auch eine gegenteilige Meinung würde mit dem Hinweis eines möglichen Interessenskonfliktes versehen.

Offensichtlich sehen weder die Zeit, noch Dagmar Rosenfeld das so. Frau Rosenfeld versteigt sich sogar zur Meinung, dass doch ohnehin jeder Leser wisse, wessen Ehefrau sie sei und deswegen jeder Hinweis ohnehin unnötig wäre. Wussten Sie, lieber Leser, dass die Ehefrau von Christian Lindner Dagmer Rosenfeld heißt und politische Artikel bei der Zeit über seine Positionen verfasst?

Frau Rosenfeld wirft Kollegen, die ihre Ehe erwähnen, untertourigen Journalismus vor. Seit ihrem von der Zeit veröffentlichten Artikel über sich selbst, brauchen die Kollegen sich das nicht zu Herzen zu nehmen. Denn mit Sicherheit definieren weder die Zeit, noch Dagmar Rosenfeld seit diesem Artikel guten Journalismus. Eher demonstrieren sie selber, was untertouriger Journalismus ist.

Hinweis: Der Verfasser dieses Textes ist Gründer einer Partei, die sich mit der FDP im politischen Wettbewerb befindet. Er erwartet nicht nach diesem Text je wohlwollend von der Zeit behandelt zu werden.

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