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Globalisierung zieht Regionalisierung nach sich - nicht nur bei Lebensmitteln, auch in der Politik

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GLOBALIZATION
simonkr via Getty Images
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Wenn man die aktuelle Situation in Katalonien aus juristischer Sicht betrachten will, kann man das Thema schnell beenden. Selbst als Nicht-Jurist ist einem klar, dass das Referendum verfassungswidrig war. Betrachtet man das Thema aber nicht juristisch, sondern gesellschaftspolitisch, so gibt es weit mehr zu entdecken.

Unabhängigkeitsbewegungen sind nichts Seltenes.

Sobald der Zwang und das nationale Narrativ nicht mehr stark genug sind, wachsen die Autonomiebestrebungen. 1991 begann sich Jugoslawien aufzusplitten. 1993 entstehen aus der Tschechoslowakei die Tschechische Republik und die Slowakische Republik. Jahrzehntelang hielten die Basken Spanien und Frankreich in Atem, ebenso Korsika.

Nordirland erkämpfte sich mehr Rechte gegenüber Großbritannien. In Belgien, Italien und Deutschland gibt es Parteien, die politisch die Unabhängigkeit einzelner Regionen vertreten und dafür mehr oder weniger Sympathie bei der Bevölkerung erhalten. Unterschiede gibt es aber hinsichtlich der Intensität und Radikalität mit der die Autonomie verfolgt wird.


Worum geht es? Um Nationalismus? Um Egoismus? Separatismus oder gar Terrorismus?

Ein Blick in das alltägliche Leben der Menschen - jenseits der Politik - lässt einen auf einen regelrechten "Regional"-Hype, der seit Jahren kontinuierlich wächst, stoßen. Regionales Gemüse, regionale Erzeugung und Verarbeitung zum Beispiel von Holz zu Möbeln. Der Urlaub wird wieder gerne „um die Ecke" gemacht und der regionale Modedesigner ist hipp.

Psychologisch lässt sich die Rückbesinnung auf die Region als Gegenreaktionen zur Globalisierung erklären. Auch wenn die unzähligen Möglichkeiten spannend sind, ist der Mensch doch ein soziales Wesen, das das Bekannte und das Überschaubare schätzt.

Neues ist spannend, aber auch anstrengend. Es kostet Ressource. In einer Zeit, die viel Veränderung mit sich bringt, braucht der Mensch ein Stück Bewährtes, das Sicherheit gibt. Für viele ist das die Region - auch emotional aufgeladen als „Heimat" bezeichnet.

Die Globalisierung hat das Ende der Nationalstaaten eingeläutet

Außerdem spüren die Menschen, dass die Globalisierung das Ende der Nationalstaaten mit sich bringt. Finanzwirtschaft, Industrie, Forschung, Digitalisierung überwindet längst tagtäglich nationale Grenzen. Nur im kollektiven Gedächtnis der politischen Eliten bleibt die Wichtigkeit des Nationalstaates verhaftet.

Die Politik verharrt in dem Konstrukt der Nationalstaaten. Dabei waren und sind Nationalstaaten doch die Einheit, deren Grenzen in den letzten 100 Jahren mit Blut erschaffen wurden, und die eben nicht auf eine über Jahrhunderte gewachsene kulturelle Identität zurückgreifen können.

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Europa hat eine lange Geschichte mit unterschiedlichen politischen und religiösen Ordnungssystemen hinter sich. Zu ihrer Zeit galten sie jeweils als unhinterfragbare, gegebene Bezugssysteme, ganz so wie die Nation heutzutage. Doch für die Zukunft gibt es auch andere Möglichkeiten wie eine McKinsey Studie zeigt:

„Im globalen digitalisierten Wettbewerb haben Nationen und Bundesländer als natürliche Betrachtungseinheit ausgedient - auch wenn in der EU die Regierungschefs der Mitgliedstaaten noch immer über die nationale Verteilung von Budgets verhandeln. Das Wettbewerbsumfeld wendet sich von starren historischen Grenzen ab hin zu neuen (über­)regionalen Strukturen und globalen Clustern. [...] Das neue Konzept sollte den Fokus auf die Aktivierung der „Selbstheilungskräfte" der Regionen legen und sie zur eigenständigen Entwicklung befähigen."

"In Vielfalt geeint"

Über Jahrzehnte ziert der Satz „In Vielfalt geeint" Europäische Dokumente. Vielleicht hat sich dieser Satz in den Köpfen der Menschen mehr verfangen als es dem ein oder anderem nationalen Politiker jetzt recht ist. Vielleicht verselbständigt sich dieses Narrativ „Europa - in Vielfalt geeint" gerade jetzt, weil Globalisierung und Digitalisierung das Momentum dazu geben. Eine weitsichtige Politik sucht den Dialog, um die Zukunft mit ihren Bürgern zusammen zu gestalten.

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