Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Nadirah Angail Headshot

Kümmere dich um deine eigene Gebärmutter!

Veröffentlicht: Aktualisiert:
PREGNANT
Schwangere Frau | Jupiterimages via Getty Images
Drucken

Irgendwo gibt es eine Frau: 30 Jahre alt, keine Kinder. Die Leute fragen sie Dinge wie „Hast du immer noch keine Kinder?". Ihre Antworten variieren von Tag zu Tag, aber üblicherweise beinhalten sie ein erzwungenes Lächeln und Zurückhaltung.

„Nein, noch nicht" antwortet sie mit einem kleinen Grinsen, das ihre Frustration überspielt.

„Warte besser nicht zu lange, die Uhr tickt, das weißt du ja!", so die neunmalkluge Fragestellerin, bevor sie weitergeht, mit sich selbst zufrieden, weil sie ihre Weisheit an die Frau bringen konnte. Sie verschwindet.

Die Frau bleibt zurück, hält ihr Lächeln noch einen Moment und beginnt dann zu weinen.

Sie weint, weil sie schon vier Fehlgeburten hinter sich hat.

Sie weint, weil sie zum ersten Mal in ihrer Hochzeitsnacht probierte, schwanger zu werden. Das war vor fünf Jahren.

Sie weint, weil ihr Mann eine Ex-Frau hat. Diese Frau hat ihm Kinder geschenkt.

Sie weint, weil sie es so gerne mit einer künstlichen Befruchtung probieren würde, aber sie sich nicht einmal die Anzahlung leisten kann.

Sie weint, weil sie es schon mehrmals mit einer künstlichen Befruchtung probiert hat, aber immer noch nicht schwanger ist.

Sie weint, weil ihre beste Freundin keine Leihmutter sein möchte. „Es wäre zu seltsam", sagt sie.

Sie weint, weil ihre Medikamente eine Schwangerschaft verhindern.

Sie weint, weil diese Sache zu Spannungen in ihrer Ehe führt.

Sie weint, weil der Arzt ihr sagt, es sei alles in Ordnung. Aber tief im Innern weiß sie, dass es an ihr liegt.

Sie weint, weil ihr Mann sich selbst die Schuld gibt, und diese Schuld ihn zu einem harten Menschen macht, mit dem es sich nur schwer leben lässt.

Sie weint, weil all ihre Schwestern bereits Kinder haben.

Sie weint, weil eine ihrer Schwestern gar keine Kinder wollte.

Sie weint, weil ihre beste Freundin schwanger ist.

Sie weint, weil sie schon wieder zu einer Baby-Party eingeladen wurde.

Sie weint, weil ihre Mutter sie immer wieder daran erinnert, dass ihr die Zeit davonläuft.

Sie weint, weil ihre Schwiegereltern gerne Großeltern wären.

Sie weint, weil ihre Nachbarn Eltern von Zwillingen sind und sie wie Dreck behandeln.

Sie weint, weil 16-Jährige einfach so schwanger werden.

Sie weint, weil sie eine großartige Tante ist.

Sie weint, weil sie sich schon Namen überlegt hat.

Sie weint, weil es ein leeres Zimmer in ihrem Haus, einen leeren Raum in ihrem Körper gibt.

Sie weint, weil sie so viel bieten kann.

Sie weint, weil er ein toller Vater wäre.

Sie weint, weil sie eine tolle Mutter wäre. Aber sie darf es nicht sein.

Irgendwo gibt es eine andere Frau: 34 Jahre alt, fünf Kinder.

Die Leute sagen Dinge wie „Fünf? Meine Güte, hoffentlich hast du die Familienplanung jetzt abgeschlossen!". Und dann lachen sie. Denn Kommentare dieser Art sind lustig. Die Frau lacht mit.

Aber nicht ernsthaft. Sie wechselt das Thema, wie sie es immer tut, und lässt die Respektlosigkeit an sich abprallen. Nur ein weiterer Tag. Wenn sie alleine ist, weint sie...

Sie weint, weil sie schon wieder schwanger ist und das Gefühl hat, die Freude verbergen zu müssen.

Sie weint, weil sie immer eine große Familie haben wollte und nicht versteht, wieso andere das abstoßend finden.

Sie weint, weil sie keine Geschwister hat und sich als Kind immer einsam fühlte.

Sie weint, weil ihre Großmutter 12 Kinder hatte, und sie ihr Vorbild ist.

Sie weint, weil sie sich ein Leben ohne ihre Kinder nicht vorstellen kann, aber die Menschen ihre Kinder als eine Art Strafe betrachten.

Sie weint, weil sie kein Mitleid will.

Sie weint, weil die Leute annehmen, dass die Kinder ungewollt sind.

Sie weint, weil die Leute sie für verantwortungslos halten.

Sie weint, weil die Leute glauben, sie hätte kein Mitspracherecht.

Sie weint, weil sie sich missverstanden fühlt.

Sie weint, weil sie es leid ist, sich für ihre private Entscheidung immer rechtfertigen zu müssen.

Sie weint, weil sie und ihr Mann absolut dazu in der Lage sind, ihre Familie zu unterstützen und zu ernähren, aber das scheint egal zu sein.

Sie weint, weil sie die „lustigen" Kommentare nicht mehr hören kann.

Sie weint, weil sie sich um ihre eigenen Dinge kümmert.

Sie weint, weil sie sich wünscht, andere täten das auch.

Sie weint, weil sie manchmal Selbstzweifel hat und sich fragt, ob vier Kinder nicht auch gereicht hätten.

Sie weint, weil andere immer schnell kritisieren, aber nur selten Hilfe anbieten.

Sie weint, weil sie die prüfenden Blicke satt hat.

Sie weint, weil sie keine Zirkusshow ist.

Sie weint, weil die Leute gemein sind.

Sie weint, weil so viele Leute glauben, sich eine Meinung über ihr Privatleben bilden zu können.

Sie weint, weil sie doch einfach nur in Frieden leben möchte.

Eine weitere Frau: 40 Jahre alt, ein Kind.

Die Leute fragen sie: „Nur eins? Wolltest du nie mehr Kinder?" Ihre Antwort lautet: „Ich bin mit meinem einen Kind sehr glücklich". Eine ruhige, einstudierte Antwort, die sie unzählige Male schon gegeben hat. Unglaublich. Keiner würde meinen, dass sie weint, wenn sie alleine ist...

Sie weint, weil ihre Schwangerschaft ein Wunder war.

Sie weint, weil ihr Sohn sie immer um einen Bruder oder eine Schwester bittet.

Sie weint, weil sie immer mindestens drei Kinder haben wollte.

Sie weint, weil ihre zweite Schwangerschaft abgebrochen werden musste, um ihr Leben zu retten.

Sie weint, weil ihr Arzt sagt, es bestünde das höchste Risiko.

Sie weint, weil sie schon mit einem Kind Schwierigkeiten hat.

Sie weint, weil sich ein Kind manchmal wie zwei anfühlt.

Sie weint, weil ihr Mann nicht einmal an ein zweites Kind denken will.

Sie weint, weil sie verwitwet ist und noch keine Liebe wieder gefunden hat.

Sie weint, weil ihre Familie meint, ein Kind würde reichen.

Sie weint, weil sie die Karriereleiter hinaufstürmt und nicht einknicken darf.

Sie weint, weil sie sich egoistisch fühlt.

Sie weint, weil sie immer noch die Pfunde der ersten Schwangerschaft mit sich herumträgt.

Sie weint, weil die Postnatalen Depressionen so schwer waren.

Sie weint, weil sie sich nicht vorstellen kann, das noch einmal durchzumachen.

Sie weint, weil sie Probleme mit ihrem Körper hat, und eine Schwangerschaft das nur noch verschlimmert.

Sie weint, weil sie immer noch gegen ihre Bulimie kämpft.

Sie weint, weil sie sich ihre Gebärmutter entfernen lassen musste.

Sie weint, weil sie gerne noch ein weiteres Kind hätte, es aber nicht geht.

Überall gibt es Frauen. Sie sind unsere Nachbarinnen, unsere Freundinnen, unsere Schwestern, unsere Kolleginnen, unsere Cousinen. Sie können mit unseren Ratschlägen und Kommentaren nichts anfangen. Ihre Gebärmutter gehört nur ihnen. Lasst uns das respektieren.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Huffington Post USA und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.


Kindern helfen

Seit Jahren schon warnen Experten, dass allein in Deutschland jedes fünfte Kind in Armut lebt. Viel schwieriger noch die Situation von Kindern in Südeuropa, Afrika oder Südasien. Doch was fehlt ihnen wirklich? Wie kann man ihnen wirkungsvoll helfen?

Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post einige spannende Projekte, die jeder unterstützen kann.

Viele Kinder in Deutschland sind so arm, dass ihre Eltern sich nicht einmal eine warme Mahlzeit leisten können. Ihnen hilft das Deutsche Kinderhilfswerk mit Kinderhäusern. Hier können die Kinder in Ruhe essen, Hausaufgaben machen und sogar an Kochkursen teilnehmen. Das ist nur mit Spenden möglich.

Die Wirtschaftskrise in Griechenland trifft Kinder ganz besonders. Der Verein KRASS e.V." möchte den Kindern in Athen und wo immer möglich in Griechenland, eine Auszeit mit Spiel, Kunst und Spaß unter professioneller Begleitung ermöglichen."Details findet ihr hier.

Ihr könnt auch einfach Zeit spenden: Als Vorlesepate von Kindern im Raum Stuttgart bei Leseohren e.V.

Oder ihr werdet gleich Pate für ein Kind und schenkt ihm ein Stück unbeschwerte Freizeit: Solche Paten vermittelt zum Beispiel das Projekt Biffy Berlin.

Unglaublich: Sie filmte sich mit ihrem Handy, als etwas Unfassbares sie unterbrach