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10 Dinge, die dir Depressive gerne mitteilen möchten

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DEPRESSION
Dennis Hallinan via Getty Images
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Depressionen sind nach wie vor mit einem Stigma behaftet, welches es schwer macht über die Krankheit zu sprechen oder über diese aufzuklären. Betroffene kämpfen oftmals nicht nur gegen die Krankheit, sondern fühlen sich auch von Familie, Bekannten oder Arbeitskollegen falsch verstanden.

Viele denken, dass hinter einer Depression lediglich Traurigsein steckt und nehmen diese Krankheit nicht ernst. Für Depressive wäre das Leben jedoch um einiges leichter, wenn alle Menschen diese 10 Dinge über Depressionen wüssten.

1. Depressionen sind real

Bei Depressionen handelt es sich um eine mentale Krankheit, die der betroffenen Person immer mehr die Lebensfreude raubt. Die Krankheit ist heimtückisch und gut versteckbar - das heißt aber nicht, dass sie nicht real ist.

Das frustrierendste für Betroffenen ist das Gefühl, wenn andere nicht nachvollziehen können, wie sie sich fühlen. Sie können die Krankheit nicht einfach abschütteln und weitermachen als sei nichts gewesen. Depression ist eine Krankheit und keine persönliche Einstellung. Jeder Tag ist ein neuer Kampf

2. Depressionen sind weitaus mehr als schwere Lebensumstände

Für jemanden, der noch nie unter einer depressiven Verstimmung gelitten hat, ist es schwer nachvollziehbar, warum jemand unter Depressionen leidet. Denn die Krankheit kann jeden treffen - auch Menschen, die nach außen hin ein scheinbar glückliches Leben führen.

Aber jeder noch so kleine negative Gedanke wird in ihren Köpfen größer und erdrückt sie. Das kann zum Beispiel durch einen schweren Schicksalsschlag ausgelöst worden sein.

3. Depressionen und Stimmungstiefs sind zwei unterschiedliche Dinge

Depressionen werden oftmals mit Traurigkeit in Verbindung gebracht oder sogar verwechselt. Während ein Stimmungstief eine Emotion ist, die nach kurzer Zeit wieder vergeht, sind Depressionen die konstante Traurigkeit oder Leere, die sich über Wochen, Monate oder sogar Jahren hinweg ziehen kann. Depressionen können die ganze Persönlichkeit oder sogar Interessen beeinflussen.

4. Sie haben sich nicht für die Depression entschieden

Ähnlich wie der Irrglaube, dass schlechte Emotionen auf Knopfdruck abgeschalten werden können, glauben Menschen auch, dass depressive Menschen sich in die Krankheit reinsteigern. Zu sagen "Komm drüber hinweg" ist wenig hilfreich und wird die Person nur noch weiter von dir wegtreiben.

5. Sie wissen die Unterstützung ihrer Familie und ihrer Freunde zu schätzen

Auch wenn es nicht den Anschein hat, wissen depressive Menschen die Unterstützung ihrer Familie und Freunden sehr zu schätzen. Es ist schwer für sie Gefühle zu zeigen, aber sie sind dir für jedes nette Wort oder jede nette Geste dankbar.

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Du gibst ihnen damit das Gefühl, dass sie nicht alleine sind. Gleichzeitig leben sie aber auch in der ständigen Angst, dass sie dich verlieren, weil sie sich als ständige Last fühlen.

6. Sie wollen niemanden verletzen

Eine Depression ist eine sehr ich-bezogene Krankheit. Depressive wollen nicht undankbar wirken, wenn du dich um sie sorgst und keine Antwort bekommst. Aber eine Depression raubt den Betroffenen ihre Kräfte.

Und während du denkst, dass sie es nicht wert schätzen, können sie die übrige Energie nur schwer für sich selbst aufbringen, um nicht an der Krankheit zu zerbrechen. Brich den Kontakt nicht ab, sie werden dir dafür dankbar sein.

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7. Sie fühlen sich schuldig

Sie sind sich bewusst, dass sie sich zurückziehen. Aber nicht weil sie keinen Kontakt möchten, sondern weil sie nicht wissen, wie sie alles bewältigen können.

Die Chancen sind hoch, dass sie neben den ganzen anderen negativen Gedanken auch dir gegenüber Schuldgefühle haben. Sei es, weil sie sich nicht zurückgemeldet haben oder weil sie das Gefühl haben, dir eine Last zu sein. Hör nicht auf die Person zu unterstützen. Bereits das Wissen, dass du an sie denkst, hilft ihnen.

8. Jeder noch so kleine Schritt ist ein Sieg für sie

Für Betroffene kann selbst das Zähneputzen am Morgen oder das Antworten auf eine Nachricht eine große Herausforderung sein. Stell dir vor, eine schwere Last liegt auf deinen Schultern, die es für dich unmöglich macht, dich zu bewegen.

So in etwa fühlen sich Depressionen an. Was für andere eine Selbstverständlichkeit ist, ist für Betroffene aber ein großer Schritt. Deswegen feier jeden noch so kleinen Schritt mit ihnen- und wenn es "nur" das Treffen auf einen Kaffee ist.

9. Sie haben auch gute Tage

Depressiv zu sein, bedeutet nicht den ganzen Tag traurig zu sein. Depressive Menschen haben durchaus auch gute Tage. An diesen Tagen haben sie das Gefühl wieder mehr Kontrolle zu haben und etwas erreichen zu können - auch wenn es nur einen Freund treffen ist.

Es ist wichtig, dass andere verstehen, dass Depressionen ein Mix aus guten und aus schlechten Tagen sind. Und dass ein guter Tag nicht gleich bedeutet, dass sie geheilt sind.

10. Sie versuchen ihr Bestes

Es mag nicht immer so aussehen, aber jeder Tag ist für sie ein neuer Tag, an dem sie den Kampf mit der Krankheit aufnehmen. Sie versuchen ihr Bestes. Unterstütze sie dabei und schenke ihnen die Wertschätzung, die sie so nötig haben. Und allen voran: Nimm sie und ihre Gefühle ernst!

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