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Die Kinderperspektive: Was brauche ich zum Spielen?

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CHILDREN PLAYING
evgenyatamanenko via Getty Images
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Wenn erforscht wird was Kinder brauchen oder auch nicht, bestimmen das in der Regel Erwachsene. Noch viel zu selten werden die Kinder selbst nach ihrer Meinung gefragt.

Ich habe versucht mit spielerischen Methoden die Sichtweisen von Kindern zu ihrem Spiel zu erfragen und die Ergebnisse zeigten, dass sich die Perspektiven von Kindern und Erwachsenen deutlich unterscheiden. Das zeigt sich schon bei der Frage, was Spiel eigentlich ist.

Während Erwachsene das Kinderspiel gerne anhand abstrakter Kategorien wie Fantasie und Kreativität festmachen, identifizieren Kinder Spiel über soziale Aspekte und Bewegung. Kinder die sich zusammen bewegen bedeuten eigentlich immer Spiel, auch Dinge die das Wort "Spiel" beinhalten.

Auch "Spiel"zeug ist demnach Spiel, auch wenn einige Kinder die Gegenstände an sich nicht als Spiel sehen, sondern die Interaktion damit, wenn also eine Figur bewegt wird, wird sie zum Spiel. Wenn sie nur im Regal herumsteht, ist das wieder kein Spiel.
Was ist am Wichtigsten wenn Kinder spielen?

Kinder brauchen ihre Freunde zum Spielen

In einem Punkt waren sich alle Kinder der Untersuchung einig. Sie brauchen ihre Freunde zum Spielen. Wo, was und mit was sie dabei spielen war eigentlich irrelevant solange Freunde da sind, mit denen man gemeinsam spielen kann.

Kinderspiel ist "ein Spiel für Kinder" (Maria, 12 Jahre) und "Spiel ist sozusagen eine Sache, die für Freunde gemacht ist" (Trixie, 10 Jahre). "Ohne Freunde könnte ich fast gar nicht leben! Ich muss mit irgendeinem auch spielen!" (Julian, 6 Jahre).

Im Spiel kann man sich "untereinander kennenlernen" (Maria, 12 Jahre alt) und es ist "wichtig, dass sich die Freundschaft besser dadurch aufbaut" (Trixie, 10 Jahre). Spiel stärkt den Zusammenhalt unter Freunden. Mit Freunden kann man besser spielen, "weil man dann mehr ist, dann kann man auch mehr machen" (Jonas, 8 Jahre).

Besonders bei den jüngeren Kindern sind die Eltern ebenfalls gern gesehene Spielpartner und auch die 12jährige der Untersuchung spielt noch ab und zu mit ihren Eltern Kartenspiele. Auch die Geschwister werden oft als Spielpartner genannt, wenn auch in der Regel als Ersatz, wenn die eigenen Freunde keine Zeit haben. Wenn die Kinder älter werden, werden die Freunde als Spielpartner immer wichtiger und auch, dass die Kinder unter sich bleiben können und die Eltern nicht mehr stören.

Brauchen Kinder Spielzeug?

Kinderfreundschaften können zum Teil auch materielle Defizite im Spiel kompensieren. So ist es den Kindern im Grunde egal, ob und welche Spielsachen sie zur Verfügung haben, wenn sie mit ihren Freunden zusammen spielen. Sie arrangieren sich mit dem, was da ist und ihnen fällt dazu dann schon ein Spiel ein.

"Weil mit denen kann man ja auch Sachen erfinden die man gar nicht gespielt hat. Und man kann ja auch mit Dingen spielen, was man eigentlich will." (Eva, 7 Jahre)
Spielsachen werden wichtiger, wenn die Kinder alleine spielen. Doch können sie in keiner Weise einen Ersatz für Freunde darstellen.

"Also Spielzeug kann man ja unendlich haben, man fühlt sich immer alleine ist egal, mit Freunden kann man sich reden, tolle Sachen machen, wie zum Beispiel Fußball spielen." (Jack, 9 Jahre)
Eva ist das Mädchen mit dem meisten Spielzeug in der Untersuchung, Jack hingegen besitzt neben einem Spielcomputer nur eine einzige Kiste Lego und einen Fußball.

Die Qual der Wahl

Eva sind ihre vielen Spielsachen nur manchmal wichtig, teilweise findet sie das sogar langweilig und manchmal auch toll. Eine große Vielfalt birgt eben auch die Qual der Wahl, weswegen ihr es alleine teilweise schwer fällt sich selbst für ein Spiel zu entscheiden und ihr dann langweilig ist. Jack hingegen ist trotz seiner wenigen Spielsachen auch nicht unglücklich, er spielt sowieso am liebsten mit Lego oder Fußball.

Bedeutet das jetzt, dass Kinder eigentlich überhaupt keine Spielsachen benötigen? Nein. Die Rolle des Spielzeugs ist der Bedeutung von Freunden im Spiel deutlich untergeordnet und sie könnten definitiv weniger Spielsachen besitzen und ebenso glücklich spielen.

Aber ganz auf Spielsachen zu verzichten würde das kindliche Spiel wieder einschränken und das Spiel alleine womöglich ganz verhindern. Kinder brauchen keine Masse an Spielzeugen, sondern bestimmte Spielsachen mit denen sie wirklich gerne spielen und die am besten mit anderen zusammen gespielt werden können.

Der Beitrag stellt zusammenfassend mit Auszügen Ergebnisse aus dem Buch "Kinderspiel aus der Perspektive der Kinder - Eine explorative, methodologische Annäherung an die Lebenswelten von Kindern" (erschienen im Januar 2016 beim LIT Verlag) vor. Hier geht's zum Buch.

Zur Autorin: Myriam Gelder ist Pädagogin M.A., freiberufliche Dozentin, Kinderpflegerin und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin in Ausbildung. Sie beschäftigt sich insbesondere mit den aktuellen Lebenswelten von Kindern und deren Bedeutung für Forschung, Praxis und Therapie. Dabei liegt ihr Augenmerk auf der kindlichen Perspektive, deren adäquaten Erfassung und den Möglichkeiten diesen Kindern eine Stimme zu geben. Hier geht's zur Website der Autorin.

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Die Spielzeugindustrie boomt. Ob Elsa-Puppe, Spiderman-Kostüm oder die neueste Spielkonsole: Viele Kinderzimmer quellen über mit Spielsachen. Und die Kinder wollen immer mehr, denn nach kurzer Zeit ist das Spielzeug bereits langweilig und etwas Neues muss her.

Doch wie viel Spielzeug braucht ein Kind eigentlich? Bedeuten zu viele Spielsachen eine ständige Überforderung oder benötigen Kinder tatsächlich viele unterschiedliche Spielsachen für ihre Entwicklung?

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