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Der Koran lädt zum Respekt vor anderen Religionen ein

Veröffentlicht: Aktualisiert:
KORAN
Reuters
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Der Koran verbietet jeglichen Zwang im Glauben

"In der Religion gibt es keinen Zwang."(2:256) In diesem Zusammenhang kritisiert der Koran die Haltung des Zwangs als Haltung der Leugner, nicht jedoch der Propheten und der Gläubigen. Er führt viele Beispiele an, wie Propheten und deren Anhänger wegen ihrer Religionszugehörigkeit verfolgt, gefoltert und zum Teil getötet worden sind.

Und wenn der Koran Kritik an bestimmten Völkern ausübt, dann nicht, weil es ihm um diese Völker geht, die uns manchmal völlig unbekannt sind; der Koran übt vielmehr Kritik an bestimmten Haltungen. Hier wird religiöser Zwang als solcher scharf kritisiert.

Adressaten dieser Botschaft sind die Adressaten des Korans. Heute sind wir die Adressaten des Korans, und muslimische Extremisten müssen verstehen, dass sich die koranische Kritik gegen jegliche Form von Zwang an sie direkt richtet.

Mehr zum Thema: Hamburg geht überfälligen Schritt: Radikale Muslime dürfen Koran nicht mehr öffentlich verteilen

Hier ein Beispiel aus dem Koran: Der Koran verbietet dem Propheten Mohammed, Menschen zum Glauben zu zwingen: "Und wenn dein Herr wollte, würden die, die auf der Erde sind, alle zusammen gläubig werden. Willst nun du die Menschen (dazu) zwingen, dass sie glauben?"(10:99)

Entsprechend obliegt es Muslimen nicht, Nichtmuslime zum Islam und Muslime zu bestimmten Handlungen zu zwingen.

Jeder soll sich in Freiheit für seine Weltanschauung entscheiden, Muslime können nur ein gutes Beispiel von ihrer Religion geben.

Der Koran lädt zum Respekt vor anderen Religionen ein

Der Koran vertritt eine inklusivistische Haltung, wenn er sagt: "Die Muslime, und diejenigen, die dem Judentum angehören, und die Christen und die Sabäer - (alle) die, die an Gott und den Jüngsten Tag glauben und Rechtschaffenes tun, denen steht bei ihrem Herrn ihr Lohn zu, und sie brauchen (am Tag des Gerichts) keine Angst zu haben, und sie werden (nach der Abrechnung am Jüngsten Tag) nicht traurig sein." (2:62, auch 5:69)

Und: "Sie sind (aber) nicht (alle) gleich. Unter den Leuten der Schrift gibt es (auch) eine Gemeinschaft, die (andächtig im Gebet) steht, (Leute) die zu (gewissen) Zeiten der Nacht die Verse Gottes verlesen und sich dabei niederwerfen. Sie glauben an Gott und den Jüngsten Tag, gebieten, was recht ist, verbieten, was verwerflich ist, und wetteifern (im Streben) nach den guten Dingen.

Die gehören (dereinst) zu den Rechtschaffenen. Für das, was sie an Gutem tun, werden sie (dereinst) nicht Undank ernten. Und Gott weiß Bescheid über die, die (Ihn) fürchten."(3:113- 115)

"Der Koran würdigt Thora und Bibel"

Der Koran würdigt Thora und Bibel und ruft den Propheten auf, zwischen den Juden und den Christen gemäß deren Büchern zu richten: "Aber wie können sie dich zum Schiedsrichter machen, wo sie doch die Thora haben, in der die Entscheidung Gottes vorliegt?! (...)."(5:43)

Er würdigt auch die Anhänger Jesu und verspricht ihnen einen besonderen Stellenwert: "(Damals) als Gott sagte: ›Jesus! Ich werde dich (nunmehr) abberufen und zu mir (in den Himmel) erheben und rein machen, sodass du den Leugnern entrückt bist.

Und ich werde bewirken, dass diejenigen, die dir folgen, den Leugnern bis zum Tag der Auferstehung überlegen sind. Dann (aber) werdet ihr (alle) zu mir zurückkehren.

Und ich werde zwischen euch entscheiden über das, worüber ihr (im Erdenleben) uneins wart.‹"(3:55)

Der Koran ist keine Zäsur

Der Koran versteht sich nicht als Abbruch, nicht als Zäsur der heiligen Bücher vor ihm, er sieht sich im Gegenteil als deren Bestätigung: "Und Wir haben die Schrift mit der Wahrheit zu dir herabgesandt, damit sie bestätigt, was von der Schrift vor ihr da war, und darüber Gewissheit gebe.

(...) Für jeden von euch haben Wir ein (eigenes) Brauchtum und einen (eigenen) Weg bestimmt. Und wenn Gott gewollt hätte, hätte Er euch zu einer einzigen Gemeinschaft gemacht.

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Aber Er (teilte euch in verschiedene Gemeinschaften auf und) wollte euch (so) in dem, was Er euch (von der Offenbarung) gegeben hat, auf die Probe stellen. Wetteifert nun nach den guten Dingen! Zu Gott werdet ihr (dereinst) allesamt zurückkehren. Und dann wird Er euch Kunde geben über das, worüber ihr (im Diesseits) uneins wart."(5:48)

Der Koran würdigt die Thora als Rechtleitung, als Barmherzigkeit und Licht (5:44; 6:91; 6:154; 7:154), ebenso wird die Bibel als Rechtleitung und Licht gewürdigt (5:46). Der Koran bezeichnet jeden, der sein Leben auf Gott hin ausrichtet, als Muslim, weswegen zum Beispiel Abraham im Koran als Muslim bezeichnet wird (3:67 und 2:131-134) sowie auch Lot (51:36), Noah (10:72), Josef, der Sohn Jakobs (12:101), Moses (10:84), Salomon (27:91) und die Anhänger Jesu (5:111).

"Der Begriff 'Islam' im Koran bezeichnet keine bestimmte Religion, sondern den Glauben an den einen Gott."

Und wenn der Koran sagt: "Die Religion bei Gott ist der Islam"(3:19), dann bezeichnet der Begriff "Islam" im Koran keine bestimmte Religion sondern den Glauben an den einen Gott.

Mohammed sah seine Verkündigung in einer Linie mit Judentum und Christentum. Er begriff sich nie als Stifter einer neuen Religion, sondern als Verkünder des Monotheismus, zu dem alle anderen Propheten vor ihm aufgerufen hatten.

Daher sind die Muslime angehalten, an die Botschaften aller Propheten Gottes zu glauben.

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Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch "Muslim sein in Deutschland". Es erschien 2016 bei "Herder".

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