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Das Gesundheitswesen wandert in die Cloud

24/06/2017 17:02 CEST | Aktualisiert 24/06/2017 17:02 CEST
ipopba via Getty Images

Im Zeitalter der digitalen Transformation wird die Cloud immer wichtiger. Die Einsatzgebiete sind vielzählig und somit ist die Cloud in den meisten Branchen vertreten. Auch im Gesundheitswesen wird sie verstärkt eingesetzt und etabliert sich als ein Mehrwert für Fitness-Liebhaber, Patienten, Krankenhäuser und Ärzte.

Schon jetzt verlassen sich viele Deutsche auf digital vernetzte Geräte, um über ihre Gesundheit im Bilde zu bleiben. Laut einer Umfrage von Bitkom Research nutzt fast ein Drittel der Deutschen ab 14 Jahren (31%) Fitness-Tracker zur Aufzeichnung von Gesundheitswerten.

Dabei geht die Nutzung weit über die Schlafanalyse hinaus: 99 Prozent der Nutzer kontrollieren damit ihre Körpertemperatur und 75 Prozent ihr Körpergewicht. Außerdem werden die Tracker beim Abnehmen und der Rauchentwöhnung eingesetzt. Die gesammelten Daten werden zunehmend in der Cloud gespeichert, um Nutzern jederzeit und von überall Zugriff auf ihre Werte und Analysen zu geben.

Die Nutzung der Cloud bietet zudem die Möglichkeit, die gemessenen Vitalwerte an Ärzte zu übermitteln. 75 Prozent der Befragten würden im Krankheitsfall Gebrauch von dieser Option machen, während unter chronisch Kranken sogar 93 Prozent der Befragten die Werte mit dem zuständigen Experten teilen würden.

Cloud revolutioniert Healthcare-Bereich

Die Cloud wird bereits vielfach für Therapie- und Behandlungspläne eingesetzt. Menschen mit chronischen Krankheiten wie Diabetes können etwa mithilfe von E-Health-Plattformen ein elektronisches Diabetiker-Tagebuch führen.

Dabei können die Blutzuckerwerte in der Cloud gespeichert werden. Die Werte werden dann mit den vom Arzt vorgegebenen Schwellenwerten verglichen. Der Vorteil: Bei starker Abweichung kann eine Kontaktperson umgehend informiert werden, um bei dem Patienten nach dem Rechten zu sehen.

Durch die regelmäßige Eingabe von Aktivitäten oder die zusätzliche Nutzung eines vernetzten Fitness-Trackers kann der Arzt den Behandlungsplan optimal auf den Patienten und dessen aktuelle Situation zuschneiden. Wird dabei festgestellt, dass längere Sporteinheiten den Blutzuckerwert des Patienten senken, kann dies übernommen und im Gegenzug die Medikamenteneinnahme angepasst werden.

Auch für Patienten mit Erbkrankheiten wie Hämophilie (Bluterkrankheit) bieten vernetzte medizinische Geräte deutliche Vorteile. Da die Medikamente aufgrund der aufwändigen Fertigung mit hohen Kosten verbunden sind, ist eine äußerst gründliche Dokumentation der Einnahme notwendig.

Die Cloud kann den Betroffenen hierfür eine geeignete Plattform bieten. Für den Patienten bedeutet dies weniger handschriftliche Einträge, während durch das Teilen der Daten mit den zuständigen Ärzten die korrekte Medikamenteneinnahme sowie Nebenwirkungen oder Auffälligkeiten beobachtet werden können.

Gewährt der Patient zukünftig der Krankenkasse Zugriff auf die Daten, könnte dies sogar den Zahlungsprozess erleichtern.

Die vernetzten Geräte und Apps könnten dem zuständigen Pharmaunternehmen außerdem anzeigen, wenn der Medikamentenvorrat des Patienten zur Neige geht, sodass zeitig mit der Produktion einer neuen Charge begonnen wird.

Steigerung der Effizienz und Kostenreduzierung

Wegen mangelnder Standards und Regelungen in Kliniken, Pflegeheimen oder Arztpraxen findet der Austausch wichtiger Patientendaten aktuell überhaupt nicht oder nur unzureichend statt. Auch der überregionale Zugang zu Patientendaten ist ausbaufähig und mithilfe der Cloud leicht umzusetzen.

Die Digitalisierung ist ein wichtiger Treiber und ermöglicht eine Steigerung der Effizienz bei gleichzeitiger Kostenreduzierung.

Die elektronische Patientenakte ist in Europa bereits ein zentrales Element in nationalen E-Health-Strategien. Deutschland hinkt im Vergleich jedoch Jahre hinterher. Neben der elektronischen Gesundheitskarte (eKG) würde die zeitnahe Einführung der elektronischen Gesundheitsakte der Bevölkerung erlauben, ihre Daten selbstständig in der Cloud zu sammeln, zu verwalten und mit den zuständigen Ärzten zu teilen.

Somit stünden die Daten auch für Privatpersonen jederzeit in der Cloud zur Verfügung, um etwa Langzeitstatistiken auf Basis der Gesundheitswerte erstellen zu können. Der Austausch in der Cloud wird unter anderem von Systemen wie Dropshare Cloud unterstützt. Das auf dem deutschen Datenschutz basierende Dateiaustauschsystem ermöglicht die Weitergabe sensibler Informationen wie Arztberichte, sodass diese auf einfachem Wege geteilt werden können.

Weiterhin haben Patienten die Möglichkeit, größere Dateien wie hochauflösende Röntgenaufnahmen an den zuständigen Arzt weiterzuleiten, ohne die Qualität verringern zu müssen oder die Röntgenbilder persönlich vorbeizubringen.

Noch in den Kinderschuhen, aber mit großem Potenzial: Internetbasierte Diagnostik und die Organisation von Sprechstunden online. Neben der Terminbuchung können auch Krankheitssymptome mit dem Smartphone aufgenommen und für den Arzt in die Cloud gestellt werden, welcher wiederum per Ferndiagnose die Symptome beurteilen und (wenn nötig) einen Termin vereinbaren kann.

Verbesserter Austausch von Patientendaten

Egal ob Sportskanone oder Sportmuffel, Patient oder Arzt - die Nutzung von vernetzten medizinischen Geräten in der Cloud öffnet zahlreiche Türen und erleichtert viele Prozesse für alle Beteiligten.

Obwohl sich die Digitalisierung im deutschen Gesundheitsbereich bislang nur vereinzelt bemerkbar macht, wird sie weiterhin stetig an Zuspruch gewinnen. Schließlich stehen neben der Nutzung der Cloud auch Künstliche Intelligenz und Robotik bereits im Fokus der Medizinbranche und werden den Wandel hin zur digitalen Gesellschaft begleiten und lenken.

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