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An die junge Mutter, die ihre Freunde ganz schrecklich vermisst

05/12/2017 17:06 CET | Aktualisiert 05/12/2017 17:06 CET
Motherly

Zuerst erschienen auf Motherly.

Hallo du,

da bist du also - immer noch im Pyjama, das T-Shirt von oben bis untern vollgespuckt und stinkend. Eine Frisur hast du schon lange nicht mehr. Wahrscheinlich fallen deine Haare seit Wochen sogar büschelweise aus (keine Sorge - das ist völlig normal) und dein größter Erfolg heute war, dass das Abendessen rechtzeitig auf dem Tisch stand.

Wahrscheinlich fühlst du dich furchtbar einsam im Moment. Überfordert mit der Aufgabe, einem kleinen Menschen gerecht zu werden. Vermutlich fühlst du dich isoliert vom Rest der Welt. Ausgesetzt auf einer abgelegenen Insel. Aber keine Sorge: An diesem Punkt waren wir alle mal.

Mama-Sein fühlt sich am Anfang verdammt einsam an - du sitzt zuhause fest, während deine Freundinnen ihr normales, aufregendes Leben weiterleben. Ein Leben, das du früher auch gelebt hast. Jetzt sitzt du vor Körben voller Dreckwäsche und einem quengelnden Kleinkind.

Spätestens jetzt hast du festgestellt, dass auch die friedlichsten Babys manchmal schreien. Und das Kleine braucht dich - es braucht dich permanent.

Zum Spieleabend oder auf einen Drink in der Bar wirst du immer seltener eingeladen

Plötzlich hast du keine Zeit mehr für lange Telefonate oder einen Kaffee mit einer alten Freundin. Schaffst du es dann doch mal, das Haus zu verlassen, wird deine Euphorie schnell getrübt. Während du in der Jogginghose deines Mannes und Schlabbershirt dasitzt, siehst du erfolgreiche Geschäftsfrauen in Bleistiftrock und Bluse.

Mehr zum Thema: "Ich war so einsam": Drei Frauen beschreiben, wie es sich anfühlt, an postnataler Depression zu leiden

Die Mädels, mit denen du früher samstagabends um die Häuser gezogen bist, kommen nur schwer mit deiner neuen Situation zurecht. Zugegeben: Auch sie sind mit ihrem Job den ganzen Tag ziemlich eingespannt.

Zum Spieleabend oder auf einen Drink in der Bar wirst du immer seltener eingeladen. Dein ständiges "Tut mir leid, aber heute Abend schaffe ich es wirklich nicht" hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Außerdem: So lieb dich deine Freundinnen auch haben - über die Farbe der Hinterlassenschaften in der Windel deines Kleinen möchten sie wirklich nichts wissen.

Wer kein eigenes Baby hat, kann nur schwer nachvollziehen, mit welcher Wucht dich das Mama-Sein trifft. Besonders am Anfang, wenn du gerade dabei bist, dich an die neue Belastung als Mutter zu gewöhnen, vermisst du nicht nur deine alten Freundinnen, sondern vielleicht sogar dein altes Ich.

Es gibt überhaupt keinen Grund, schüchtern zu sein

Die gute Nachricht: Es ist nicht das erste Mal, dass du an so einem Punkt angekommen bist. Mit jedem neuen Lebensabschnitt kommen immer auch neue Freunde, die wir in dieser Situation dringend brauchen. Die Mutterschaft gibt dir so viele Möglichkeiten, dich mit anderen Frauen anzufreunden, die genau wissen, wie es dir geht und in der gleichen Situation stecken. Du musst dich nur darauf einlassen.

Es gibt unzählige einsame, vollspuckte, stinkende Mütter in Schlabbershirts, die auf der Suche nach Gleichgesinnten sind. Zu finden sind sie meistens in Supermärkten, Kaufhäusern oder auf Spielplätzen. Mit ihren Babys im Arm und zerzausten Haaren sehen sie genau so verwahrlost aus, wie du dich fühlst.

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Wenn sie dich mit ihrem Kind in der einen und der Jumbo-Packung Windeln in der anderen Hand mit einem Blick anschauen, der sagt "Aha, du bist also auch eine Mama", dann antworte ihnen, bitte!

Es gibt überhaupt keinen Grund, schüchtern zu sein. Geh ruhig auf die anderen frischgebackenen Mamas zu. Sei es auf dem Spielplatz, an der Supermarktkasse oder in einem viel zu engen Parkhaus: Die Freundschaften, die du hier schließt, halten ein Leben lang.

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Diese Frauen werden verstehen, wie glücklich du bist, wenn dein Baby endlich eine Nacht durchschläft oder wie sich diese furchtbare Trennungsangst anfühlt. Sie bringen dir Suppe, wenn du mit einer Erkältung im Bett liegst oder googlen die Symptome deines Babys mit dir.

Dein neuer Freundeskreis wird sich auszahlen - versprochen

Sie begleiten dich auf der wunderbaren Reise, dein Kind aufwachsen zu sehen und freuen sich mit dir über Dinge, die Nicht-Mütter niemals verstehen würden.

Es kommt nicht darauf an, wo diese Freundschaften geschlossen werden. Melde dich für Mutter-Kind-Kurse an oder trete Gruppen in sozialen Netzwerken bei. Rückblickend wirst du überrascht sein, wie sehr die Mama-Freundschaften dich und dein Leben verändert haben.

Stressige Nachmittage und schreiende Kinder auf dem Spielplatz sind mit den richtigen Freundinnen an deiner Seite nur halb so wild. Dein neuer Freundeskreis wird sich auszahlen - versprochen.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der HuffPost US und wurde von Lorena Schüle aus dem Englischen übersetzt.

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(lk)

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