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Trendmonitor 2017. Amazon Echo und Google Home erobern mit Sprachsteuerung das Heim

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SMART HOME
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„O.K., ich hätte gern...": Amazon Echo und Google Home erobern mit Sprachsteuerung das Heim

Sprache wird zum neuen Interface: Mit Apples Siri und OK Google ist es schon länger möglich, Telefonate zu starten, nach dem Weg oder dem Wetter zu fragen und Memos zu speichern. 2017 werden wir aber viele weitere Endgeräte im deutschen Markt sehen: Sie heißen Google Home, Alexa (von Amazon) oder Jibo.

Die Herausforderung wird sein, Vertrauen zu schaffen und die digitalen Schnittstellen zu den Nutzern so einfach und funktional zu gestalten, dass die digitalen Assistenten sich tatsächlich im Home-Bereich etablieren können.

Bahnbrechende Erfindungen machen inzwischen Online-Händler: Als Amazon seine Echo genannte sprechende Röhre im November 2014 auf den Markt brachte, mit der man Bestellungen aufgeben und Musik abspielen kann, waren die Branchenbeobachter überrascht.

Geschockt war die Branche, als Amazon nach nur einem Jahr stolz vermeldete, man habe über drei Millionen Echos zum Stückpreis von 150 Dollar allein in den USA verkauft. Kurz darauf präsentierte Google eine kleine „Vase" namens Google Home, die Amazons Echo Konkurrenz machen soll.

Apple dagegen, der alte Innovationsführer der IT-Branche hat bislang kein eigenes Gerät am Markt: Dennoch arbeiten Apple und Google daran, ihre Sprachassistenten mit Hard- und Software von Drittanbietern zu verbinden und so weitere Geräte und Funktionen im vernetzten Heim direkt per Sprache anzusteuern.

Amazon spielt mit der Echo-Röhre und dem Echo Dot in diesem Markt kräftig mit. Dank einer Kooperation mit Dominos Pizza ist zum Beispiel das Bestellen der Lieblingspizza auf Zuruf möglich, durch eine Kooperation mit Uber lässt sich einfach ein Taxi auf Zuruf bestellen.

Auch die Steuerung von Smart-Home-Geräten wie Lampen, Heizungen oder Rollläden funktioniert. In diese Richtung agiert ebenso Google Home. Während Amazons Echo seit November 2016 auf dem deutschen Markt erhältlich ist, bleibt Google Home vorerst nur in den USA verfügbar.


Unterschiedliche Strategien der Anbieter bei der Einigung mit Herstellern von Smart-Home-Geräten

Der Smart-Home-Sektor setzte bis dato eher auf eine Fernsteuerung, entweder per mitgelieferter Fernbedienung, Webseite oder am häufigsten über eine spezielle App. Das neue Schlagwort heute lautet „Hands-Free" - die Steuerung der Geräte erfolgt freihändig, allein mit der Stimme.

Amazon geht mit dem Echo und dem Echo Dot dabei einen besonderen Weg: Zum einen sind die Geräte jetzt schon mit den meisten großen Herstellern von Smart-Home-Geräten kompatibel. Zum anderen lässt sich Alexa - die Stimme der Echo-Familie - auch auf anderen Geräten installieren. Selbst der Einplatinencomputer Raspberry Pi kann „Alexa" zum Sprechen bringen.

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Apple scheint mit seinem Home Kit bislang hingegen keine großen Ambitionen zu verfolgen. So ist es bis dato technisch nicht möglich, Smart-Home-Produkte aus der Belkin-Wemo-Serie durch Applegeräte per Sprachkommando zu bedienen.

Es gibt nicht nur Angebote der Internetriesen. Das US-Unternehmen Jibo arbeitet mit visueller Steuerung

Bereits 2014 wurde auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo der Jibo vorgestellt. Jibo ist ein persönlicher Assistent, der ähnliche Aufgaben wie Amazons Echo erfüllen soll. Neben den Lautsprechern hat Jibo zusätzlich einen Bildschirm und eine Kamera, die es ermöglicht, auch visuell zu interagieren.

Durch Jibos Fähigkeit, seinen „Kopf" zu bewegen, ist er bis heute wohl der „menschlichste" aller Assistenten. Das ambitionierte Projekt sammelte bis September 2014 mehr als 3,5 Millionen Dollar. Wann es tatsächlich marktfähig wird, bleibt noch abzuwarten, da bis jetzt kein Auslieferungsdatum bekannt gegeben wurde.

Der Markt der digitalen Sprachassistenten ist in ständiger Bewegung. So soll auch Amazon nach jüngsten Brancheninformationen des Business Insider an einer Premiumversion des Echo arbeiten - u.a. mit einem Display, das den Zugriff auf Informationen erleichtert. Zudem soll der Klang verbessert werden. Ob Alexa in diesem Zuge auch ein Gesicht bekommt, bleibt fraglich.

Diversifizierung der Geräte: Wer bietet das interessanteste Angebot für den Endnutzer?

Die Technologie, das gesamte Zuhause zu vernetzen und per Sprache fernzusteuern, ist grundsätzlich vorhanden. Es wird im Jahr 2017 spannend zu sehen, welcher Hersteller von Sprachsteuerungen sich mit den (meisten) Herstellern von Smart-Home-Geräten einigen kann (oder will) und somit das interessanteste Angebot für den Endnutzer bietet.

Der Trend geht eindeutig hin zur Diversifizierung der Endgeräte und zur Standardisierung der Schnittstellen zum Menschen. Derzeit muss man für die meisten Smart-Home-Geräte noch die jeweils passende App nutzen. Steigt man auf eine andere Produktfamilie um, muss auch die App oder die Fernbedienung gewechselt werden. Das ist zwar nachvollziehbar, aber nicht praktisch.

Rechtliche Bedenken könnten Anfangseuphorie bremsen

Neben all den technologischen Aspekten stellt sich in der Diskussion um digitale Sprachassistenten auch die Frage, wie viele Menschen tatsächlich bereit sind, sich ein Gerät in die Wohnung zu stellen, das ständig mithört. Auch wenn die Hersteller versichern, dass all dies datenschutzrechtlich unbedenklich sei, bleibt die Sorge vor dem Missbrauch dieser modernen Technologien bei Verbrauchern wie bei Datenschützern.

„Computer: Tee Earl Grey, heiß"

Sollte sich ein gemeinsamer Standard entwickeln oder sich einer der Hersteller im Markt durchsetzen, dann könnten Jean-Luc Picards Worte im Raumschiff Enterprise „Computer: Tee Earl Grey, heiß" doch bald Realität werden.

Moritz Matejka, Head of Research Goldmedia

Der Artikel ist Teil des Goldmedia Trendmonitors 2017. Goldmedia gibt im Trendmonitor alljährlich in Form von Analysten-Kommentaren einen Ausblick auf relevante Trends in den Bereichen Medien, Internet und Telekommunikation des kommenden Jahres in Deutschland. www.Goldmedia.com

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