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Raif Badawi - der Nelson Mandela des 21. Jahrhunderts

07/11/2015 09:17 CET | Aktualisiert 07/11/2016 11:12 CET
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2015 in Deutschland

Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Berufsausübungsfreiheit sind Rechte, die uns unser Grundgesetz garantiert. Wir leben in einem Land, indem wir seit über 60 Jahren keine Angst vor willkürlicher Justiz haben müssen, wenn wir von diesen Rechten Gebrauch machen.

Die Alten wissen noch wie es war, Angst davor zu haben, von einem Regime bestraft zu werden, nur weil man nicht regimetreu ist. Wir jungen haben das Privileg frei zu sein, und wissen dies vermutlich gar nicht genug zu schätzen. Wir sind es gewohnt, diese Rechte zu haben.

2015 in Saudi Arabien

Ein Mensch sitzt im Gefängnis, wird gefoltert und faktisch hingerichtet, auf Zeit. Sein Name? Raif Badawi. Sein Verbrechen? Er ist ein Mensch, der sich für Freiheitsrechte einsetzt. Für Rechte, von denen wir jeden Tag Gebrauch machen. Er spricht sich dafür aus, dass Menschen gleich seien, egal welche Religion sie haben.

Die legitime Strafe in Saudi Arabien wäre die Todesstrafe, da es Blasphemie darstelle. Die gleiche Strafe im Übrigen, die der Islamische Staat aussprechen würde. Seine Strafe umfasst neben den 10 Jahren Haft noch 1.000 Peitschenhiebe. Von den ersten 50 Peitschenhieben musste er sich monatelang erholen.

Den Medien ist zu entnehmen, dass er demnächst weitere 50 Peitschenhiebe bekommen wird. Die Frage ist nur, wie lange ein Körper diese Misshandlungen aushält. Badawi ist Mitbegründer des Onlineforums „Freie saudische Liberale". Selbstverständlich wurde diese Plattform inzwischen gesperrt.

Sie griff nach Ansicht der "Verantwortlichen" in Saudi Arabien die religiösen Werte an. Es war eine wichtige Plattform für Saudis, die sich für liberale Werte einsetzen. Für Werte, die wir jeden Tag genießen dürfen.

Freiheitsrechte sind ein Menschenrecht

Raif Badawi kämpft für Freiheitsrechte, genauso wie Nelson Mandela. Dieser setzte sich dafür ein, dass Menschen, egal welche Hautfarbe sie haben, gleich sind. Nelson Mandela wurde wegen seines Kampfes um Menschenrechte jahrzehntelang ins Gefängnis geworfen, weil er den damaligen Machthabern „nicht passte". Er war eine Gefahr für das Regime.

Raif Badawi ist eine Gefahr für die Machthaber Saudi Arabiens, die unter dem Deckmantel der Religion ihre Macht ausüben und rechtfertigen. Mandela sagte: "Einem Menschen seine Menschenrechte verweigern, bedeutet ihn in seiner Menschlichkeit zu missachten." Genau dies tut Saudi Arabien bei Raif Badawi. Die Verantwortlichen missachten sein Menschenrecht auf Freiheit und das Recht auf Meinungsfreiheit.

Die Weltgemeinschaft muss ein klares Zeichen setzen, dass es nicht akzeptiert wird, wenn ein Mensch verurteilt wird, nur weil er sich für ein Menschenrecht einsetzt. Freiheitsrechte sind Menschenrechte. Sicherlich können die Staaten es Saudi Arabien nicht verbieten, einen Mensch zu verurteilen, der sich für Rechte einsetzt, die für uns zum Alltag gehören.

Es gibt aber genügend andere Möglichkeiten zu zeigen, dass solch ein Verhalten nicht akzeptiert wird. Saudi Arabien ist auf die Güter der westlichen Welt angewiesen. Wie wäre es mit einem Handelsboykott? Wie wäre es damit, den Herrschern nicht mehr die große Weltbühne zu bieten?

Dass Saudi Arabien den Vorsitz des UN-Menschenrechtsrates hat, ist so, als wenn man Erich Honecker zum Bundesbeauftragten für die Unterlagen der Staatssicherheit der ehemaligen DDR gemacht hätte.

Es ist die Aufgabe von Menschen, die das Privileg der Freiheit genießen, auf solche Schicksale, wie das von Raif Badawi, hinzuweisen und aktiv die Stimme zu erheben. Es gibt unzählige Menschen, die sich für Freiheitsrechte einsetzen und dann verurteilt und gefoltert werden.

Raif Badawi gibt diesen Menschen ein Gesicht, so wie seinem Anwalt. Der Anwalt von Raif Badawi wurde verurteilt, weil er u.a. seinem Beruf nachging. Man stelle sich vor, in Deutschland würde ein Anwalt verurteilt werden, weil er seinem Mandanten vertritt. Unvorstellbar!

Vorsitzender der FDP-Bayern, Alber Duin, kämpft für Raif Badawi

Wir dürfen nicht wegschauen und so tun, als ob uns das nichts angehe. In der Vergangenheit jeden demokratischen Landes gab es eine Zeit, in der sich Menschen für die Freiheit eingesetzt und dies mit ihrem Leben bezahlt haben. Hätten sie das nicht getan, wären auch wir nicht frei.

Dass Raif Badawi in Deutschland eine Stimme bekommen hat, ist vor allem dem FDP-Politiker und Menschenrechtler Albert Duin zu verdanken. Er setzt sich für die Freilassung Raif Badawis ein, bot vor der Botschaft in Berlin sogar an, einen Teil der Prügelstrafe auf sich zu nehmen.

Ein Zeichen für die Solidarität im Kampf um die Freiheit. Eine Freiheit, die wir genießen dürfen. Albert Duin ist sich dieses Geschenkes bewusst. Er setzt sich ein, für Menschen, die dieses Privileg nicht haben. Er schaut über Grenzen hinweg, um Menschen eine Stimme zu geben.

Bei jedem Termin muss den Machthabern in Saudi Arabien vor Augen geführt werden, dass wir die Verurteilung von Raif Badawi nicht akzeptieren, so wie es auch Vizekanzler Sigmar Gabriel bei seinem letzten Besuch getan hat.

Herr Gabriel hätte aber noch die Möglichkeit haben müssen, den Machthabern vor Augen zu führen, dass Saudi Arabien seine wirtschaftlichen Beziehungen aufs Spiel setze, wenn es an solchen Methoden festhalte. Geld war und ist schon immer das beste Druckmittel.

Durch die Verleihung des Sacharow Preises an Raif Badawi setzt das EU-Parlament ein starkes Zeichen. Hoffen wir, dass die EU weitere Schritte unternimmt, um Raif Badawi, und somit unzähligen anderen Menschen, eine Stimme zu geben und sich für deren Rechte einsetzt.

Es sollte nicht verkannt werden, dass Badawi auch eine Ehefrau und drei minderjährige Kinder hat, die ihren Vater seit vier Jahren nicht mehr gesehen haben. Die Kinder sollen die Sicherheit der Freiheit genießen und erleben. Um sicher zu gehen, dass sie diese Werte aber auch in der Zukunft, genauso wie ihr Vater, verteidigen, müssen sie sehen, dass die Welt sich für ihren Vater einsetzt.

Nelson Mandela ist neben Gandhi und Martin Luther King das Sinnbild im Kampf für Freiheitsrechte im 20. Jahrhundert geworden. Vom Gefängnisinsassen zum Nobelpreisträger und Präsidenten.

Vielleicht lautet 2032 die Überschrift einer Pressemitteilung:

Raif Badawi, Friedensnobelpreisträger aus dem Jahr 2016, wurde zum ersten Präsidenten der parlamentarisch-demokratische Monarchie in Saudi Arabien gewählt.

Erschreckende Aufnahmen: Saudische Männer beschimpfen verhüllte Frauen - weil sie "zu sexy" angezogen sind

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