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Digitaler Urknall: Das Ende vom Internet, wie wir es kennen.

10/10/2013 10:09 CEST | Aktualisiert 10/12/2013 11:12 CET

Am 15. März 1985 wurde die erste Domain registriert, symbolics.com. Seit diesem Tag wurden über 250 Millionen Internet Domains reserviert. Das Internet hat unser Leben verändert, vielleicht mehr als wir es im Augenblick begreifen können. Die Digitalisierung ist allgegenwärtig und entwickelt sich in einem enormen Tempo.

Damit der stetige Wachstum und die Nachfrage nach Domains befriedigt werden können, wird das Internet erweitert und umgestaltet. Das internationale Gremium ICANN hat dazu die Erweiterung der Top-Level-Domains beschlossen. Das Internet besteht bis dato aus den Länderspezifischen TLDs, wie .de für Deutschland, .at für Österreich oder .fr für Frankreich, und 23 sogenannter generellen TLDs (generic TLDs), wie .com, .org oder .net. ICANN läutet seit einiger Zeit einen Wandel ein. Das Internet soll von 23 generic TLDs zunächst auf über 1.500 TLDs wachsen, weitere Aufstockungen sind geplant. Es wirkt fast so wie der Urknall des Internets, die schlagartige Ausdehnung und ein Wachstum bis in die Unendlichkeit.

Als ich Ende September auf der Spark.me Konferenz, organisiert vom Inhaber-Konsortium der .me Domain, einen Vortrag zum Thema 'Digital Future' vorbereitet habe, wurde mir das Ausmaß des Wandels erst richtig bewusst. Mir wurde auch klar, das die Internet-Community und viele Web-Experten, sich den Wandel nicht vorstellen können. Die Veränderungen und Auswirkungen sind am Horizont ersichtlich, aber bei weitem noch nicht greifbar. Deshalb wird das Thema auch nur wenig in den Medien thematisiert. Was wir erleben, ist allerdings einer der wichtigen historischen Momente in der Entwicklung des Internets.

Seit der Registrierung der ersten Domain ist der Wert von zahlreichen Domainnamen stetig gestiegen. Vor allem kurze, prägnante oder industriespezifische Domains haben an Wert ähnlich zugelegt wie Immobilien. Das Geschäft von Domainregistrierungen und Domainhandel ist zu einer stabilen und umsatzstarken Industrie herangewachsen. Der grösste Domainanbieter GoDaddy macht einen jährlichen Umsatz von knapp einer Milliarde Euro und verwaltet über 55 Millionen Domains.

Rund um das Auffinden der richtigen Webseiten und die Vermarktung sind in den letzten zwanzig Jahren neue Geschäftsfelder entstanden. Suchmaschinen, wie Altavista, Google und Yahoo, sind entstanden. Jede Führungsperson muss sich heute mit Suchmaschinen Optimierung, Suchmaschinen Marketing und die Positionierung seiner Inhalte im Web auseinandersetzen.

Wie stark sich die bisherigen Regeln verändern ist unklar, aber es ist sicher, dass eine große Veränderung auf uns zukommt.

In einer Bewerbungsphase Mitte 2012 konnte sich jedermann um eine Top-Level-Domain bewerben. Alle Ideen waren erlaubt, von .shop, .bmw bis hin zu .family. Bei Zuteilung der TLD ist eine Registrierungsgebühr von 135.000 Euro fällig.

Insgesamt sind in dieser Anmeldungsphase 1.930 TLD Bewerbungen eingegangen.

Besonders spannend ist es zu analysieren wer sich für welche Domains beworben hat. Und noch interessanter: wer nicht?

Google hat 101 TLDs, Amazon 76 TLDs und L'Oreal 14 TLDs beantragt. 36 der Fortune 100 Unternehmen haben TLD Anträge gestellt.

Erstaunlich ist aber, das Facebook, eBay oder Twitter fehlen. Haben sie die Anmeldungen verschlafen oder sich bewusst dagegen entschieden? Haben Sie richtig gehandelt zu warten? Die nächste Ausschreibung wird erst in 2-5 Jahren wieder möglich sein. In Internetzeitrechnung ist das eine halbe Ewigkeit.

Die beliebtesten TLD Anmeldungen sind .app, .home, .inc und .art, hier wird ein Bieterverfahren entscheiden wer den Zuschlag bekommt.

Was kann man alles mit einer eigenen TLD anstellen? Neben den Registrierungskosten im sechsstelligen Betrag kommen noch erhebliche Betreiberkosten hinzu. Für den Betrieb einer TLD muss man pro Jahr mit mind. 150.000 Euro rechnen. Wozu?

Eine Bank könnte mit einer eigenen TLD, wie .db für Deutsche Bank, sicherstellen, dass Verifizierungen und Sicherheiten deutlich verbessert werden. Denn Sie alleine entscheidet wer eine .db domain bekommt und wer nicht.

Autohersteller wie BMW können mit .bmw ihren Händlern und Niederlassungen offizielle URLs zur Verfügung stellen.

Einige Betreibergesellschaften, wie Donuts, wittern bereits das große Geschäft durch den Verkauf von .app oder .shop Domains. Wer eine .app Domain registrieren will muss sich dann, wie bisher bei anderen TLD, an die ausstellende Firma wenden.

Doch, ist das überhaupt relevant? Werden .de und .com Domains nicht Ihren Wert und Reichweite erhalten können?

Man weiß nicht wie es sich entwickeln wird, aber zusammen haben die Unternehmen alleine für die Registrierungsgebühren über 260 Millionen Euro in die neuen Top-Level-Domains investiert, Kosten für Beratung und zukünftigen Betrieb gar nicht eingeschlossen.

Glauben Sie diese Unternehmen werden erstmal abwarten und sehen was passiert? Oder werden diese Unternehmen alles daran setzen Vorreiter zu sein, neue Standards zu definieren und Ihren Return-of-Investment schnellstmöglich zu erzielen?

Es wird nicht lange dauern, bis sich Suchalgorythmen verändert werden und SEO Strategien angepasst werden müssen. Das Ziel von Google und Co ist es dem Nutzer schnellstmöglich die besten Ergebnisse zu zeigen und wenn sich diese Inhalte eben auf einer games.app domain befindet, dann wird sicherlich diese priorisiert - oder nicht?

Die Einführung der ersten neuen TLDs erleben wir Anfang 2014 und mir scheint es wie der digitale Urknall, ein historischer Moment. Als Zukunftsvisionär, Entrepreneur und Frühphasen-Investor sehe ich diese Veränderung als große Chance. Eine Chance für Großunternehmen der Vorreiter zu sein. Eine Chance für Unternehmer und Gründer, die das nächste Yahoo!, Facebook, Google oder Twitter erfinden und aufbauen wollen. Es ist eine Zeit für Eroberer, Entdecker und Macher - genau wie damals im Jahre 1985, als das Internet zum Leben erweckt wurde.

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