BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Monty Metzger Headshot

Die größte Bildungs-Industrie, von der Sie noch nie gehört haben

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

Es gibt zahlreiche Bildungswege, die man einschlagen kann um etwas zu „werden": Schule, Abitur, Berufsausbildung, Berufsakademie, Hochschule oder Universität. Für diese Bildungswege müssen Sie etwas investieren, Zeit und Geld. Jährlich werden Ranglisten der besten Universitäten der Welt veröffentlicht und bei den meisten darunter müssen Sie mindestens einen sechsstelligen Euro-Betrag an Studiengebühren „investieren".

Seit einigen Jahren gibt es allerdings einen neuen Bildungsweg, ja eine ganze Weiterbildungsindustrie, die dieses Model auf den Kopf stellt. Stellen Sie sich vor, Sie bewerben sich für dieses Weiterbildungsprogramm. Bei erfolgreicher Aufnahme müssen Sie aber nichts bezahlen - ganz im Gegenteil - Sie erhalten Geld! Es zahlt Sie also jemand, um Sie weiterbilden zu dürfen.

Als Kind werden wir oft gefragt: „Na Du, was willst Du denn mal werden wenn du groß bist?" Und oft hört man Berufe wie Astronaut, Pilot, oder Arzt. Für all diese Berufe gibt es klar vorgezeichnete Ausbildungswege. Das ist einfach. Aber wenn Sie meinen Sohn Fragen, hören Sie antworten wie Erfinder, Macher oder Unternehmer. Das ist schwieriger, denn wie wird man Unternehmer?

Keine Ausbildung, Akademie oder Universität hat das Programm, um jemanden zu einem richtigen Unternehmer auszubilden. An einigen Universitäten werden Vorlesungen oder Studienschwerpunkte zum Thema Entrepreneurship angeboten - das ist gut. Aber ist das ausreichend um sich in der Welt des Unternehmertums durchbeissen zu können?

Sogenannte Accelerator Programme bieten Weiterbildungsprogramme zum Unternehmer. Die Auswahlverfahren der Teilnehmer ist ähnlich anspruchsvoll wie die Aufnahmeprüfungen der Top-Universitäten der Welt. Allerdings müssen die Privilegierten nicht tausende von Euros bezahlen, sondern Sie erhalten neben einer hochkarätigen Ausbildung noch eine Finanzierung für Ihre Unternehmensidee.

Dave McClure, Gründer von 500 StartUps, bringt es auf den Punkt: "Lieber bekomme ich 100.000 Dollar und bin eine Fallstudie, als das ich 100.000 Dollar zahle um Fallstudien zu lesen."

Die bekanntesten und erfolgreichsten Accelerator Programme sind Y-Combinator, TechStars, AngelPad oder Plug'n'Play. Weltweit gibt es inzwischen über 2.000 unterschiedliche Accelerator-Programme. Und auch in Deutschland haben sich einige Acceleratoren etabliert: StartUp Bootcamp Berlin, hub:raum Berlin (Deutsche Telekom), Plug'n'Play Berlin (Axel Springer), Wayra München (Telefonica), P7S1 Accelerator München, Seedcamp Berlin oder YouIsNow München (Scout Gruppe). Neu hinzugekommen ist der Microsoft Accelerator Berlin, Coca-Cola Accelerator Berlin, der Siemens Accelerator oder der Allianz Digital Accelerator in München.

So bieten die Programme vom P7S1 Accelerator und dem Axel Springer Plug and Play Accelerator ähnliche Konditionen an. Die StartUps erhalten eine Anschubfinanzierung in Höhe von 25.000 Euro, werden von Mentoren geschult und können für einen gewissen Zeitraum Räumlichkeiten beziehen. Im Gegenzug müssen die Unternehmen 5% Ihrer Unternehmensanteile abgeben.

Das Modell der Accelerator Programme ist meist ähnlich angelegt unterscheidet sich aber im Detail sehr deutlich. Laufzeiten, Mentoren, Veranstaltungen, Netzwerk und Höhe der Finanzierung sind Faktoren mit denen sich Accelerator Programme differenzieren.

Wie nachhaltig die Angebote und Investitionen der Accelerator Programme wirklich sind ist noch nicht absehbar, dafür ist die Branche noch zu jung. Eines ist allerdings sicher: Der Weg, wie man Unternehmer werden kann, hat einen neuen Bildungsweg dazu gewonnen.