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Nicht mehr "Bis dass der Tod uns scheidet"

09/08/2017 15:58 CEST | Aktualisiert 10/08/2017 17:07 CEST
dpa

Sehr geehrter Prinz Henrik,

in der zu Ende gehenden Woche gab es zwei Nachrichten aus Dänemark, die in den internationalen Schlagzeilen Beachtung fanden: die dänische Frauenfußball-Nationalmannschaft steht im EM-Finale und sie haben beschlossen, dass Sie, abweichend von der Tradition, nicht mir Ihrer Ehefrau, Königin Margarethe II, gemeinsam beigesetzt werden wollen.

Die gemeinsame Grabstätte im Dom zu Roskilde, in dem seit Harald Blauzahn (910 - 987) die Mehrzahl der dänischen Könige und Königinnen begraben liegen, war bereits ausgesucht, der gemeinsame Sarkophag ist fertig und nun brechen Sie mit einer 1000 Jahre alten Tradition, sowie der letzten Ehre, die die Regentin und die dänische Nation einem Mitglied der Königsfamilie erweisen kann.

Sie haben sich zu diesem drastischen Schritt entschlossen, mit der Begründung, dass ihrer Rolle in der Vergangenheit nicht geschätzt wurde. Mit der Thronbesteigung Ihrer Ehefrau wurde diese Königin und Sie Prinzgemahl. Ihr Wunsch nach dem Titel „König" oder zu mindestens „Kongegemal", also frei übersetzt „Königsgemahl" wurde Ihnen gemäß der dänischer Verfassung verweigert. Dies ist für Sie ein Ausdruck der Diskriminierung von royalen Ehemännern. Denn verglichen damit erhalten Ehefrauen bei der Thronbesteigung ihres jeweiligen Ehemanns automatisch den Title Königin. Darüber hinaus vertreten Sie die Meinung, dass diese Titelvergabe nicht die ansonsten herrschende Gleichberichtigung in der dänischen Gesellschaft widerspiegelt und Sie finden, dass man die dort etablierten Gleichstellungsgrundsätze auch auf die Rollen in der royalen Familie anwenden sollte.

Ihre Entscheidung berührt viele Themenpunkte und nach meinem ersten Entsetzen habe ich versucht die Absurdität Ihrer Begründungen für mich ein wenig zu sortieren.

Zunächst einmal betreffend des Themas Diskriminierung und Gleichstellung:

Der Begriff König bedeutet automatisch „regierender" König wohingegen der Begriff „Königin" nicht automatisch den Begriff „Regentin" beinhaltet.

Die Monarchie ist eine historische Institution. Gleichberichtigung spielt keine Rolle. Es geht um Erbfolgen und Kontinuität. In der Erbmonarchie kann der/diejenige, der die Regentschaft erbt, diese Macht nicht teilen.

Also auch wenn Sylvia Sommerlath jetzt Königin Sylvia ist, so ist sie nicht Regentin Sylvia und kein Sommerlath wird in die schwedische Erbfolge eingehen.

Ihre Forderung die gesellschaftliche Gleichberechtigung Dänemarks auf die Rollen in der Königsfamilie anzuwenden ist sehr kurzsichtig. Die zivile dänische Gesellschaft ist eine sehr egalitäre Gesellschaft, maßgelblich geprägt vom „Janteloven". „Du sollst nicht glauben, dass Du etwas besonderes bist, ... dass du etwas besseres bist als wir ... etc. ", Bescheidenheit vermeidet Neid und sichert den Erfolg der Gemeinschaft. Dieser gesellschaftliche Verhaltenskodex auf Ihre Situation und die königliche Familie angewandt würde eigentlich das Ende der dänischen Monarchie bedeuten und damit auch das Ende der Position des Prinzgemahls an sich. Und mal ganz offen unter uns Dänemark ist nicht Groß-Britannien. Eine Republik Dänemark lässt sich verhältnismäßig leicht vorstellen.

Um das ganze nochmals mit einem praktischen Beispiel zu verdeutlichen: Wenn ich den Bundespräsidenten heirate, bin ich nicht „Frau Bundespräsidentin" und ich habe durch die Eheschließung nicht das Mandat, die durch die Verfassung festgelegten Aufgaben des Bundespräsidenten wahrzunehmen bzw. ich würde diese auch nicht ererben im Falle seines Todes. Was aber durchaus bedeutet, dass ich im Privatleben eine gleichberechtigte Partnerschaft mit meinem Ehemann, dem Bundespräsidenten, führen könnte.

Ich glaube was uns alle, die mit Dänemark verbunden sind, an Ihrer Entscheidung so stellvertretend betroffen machte, ist die Blamage, die Sie Ihrer Ehefrau und Ihrer restlichen Familie auf menschlicher Ebene zumuten. Ganz egal wie man zur Institution Monarchie steht, Königin Margarethe liebt dieses Land und die Menschen, die dort leben, und engagiert sich vielfältig. Wir schauen mit Bedauern hin zu dieser Frau, nicht der Königin, die ihren Ehemann allem Anschein nach aufrichtig und über alles liebt und die jetzt öffentlich anerkennen muss, das Ihr persönliches Begehren nach einem Titel über 50 gemeinsame Jahre triumphiert.

Sie rächen sich an ihr mit einem „nicht nach, dass der Tod uns scheidet" und muten Ihrer Partnerin den ultimativen Gesichtsverlust zu.

Ich habe mich gefragt, wie Sie eigentlich reagiert hätten, hätte Königin Margarethe vorgeschlagen, dass sie auf ein gemeinsames Grab verzichten möchte, bzw. wenn sie das Argument vorgebracht hätte, dass die Rolle des Prinzgemahlen geringwertig ist, und der Prinzgemal daher nicht in der Domkirche gemeinsam mit der Königin beigesetzt werden sollten? Das wäre dann tatsächlich eine diskriminierende und abschätzige Politik und der Aufschrei wäre zu Recht groß gewesen.

Als Ausländerin in der dänischen Gesellschaft habe ich mir teilweise auch schwer getan mit Hygge, dem Javnteloven, dem egalitären Gesellschaftsstreben, und einer 100O Jahre alten Monarchie mit ihren Traditionen. Aber ich habe auch rasch verstanden wie identitätsstiftend dies für der zahlenmäßig kleinen Gesellschaft von 6 Millionen Dänen ist, in einer Welt, die immer rascher zusammenkommt.

Als Sie vor 50 Jahren die damalige Kronprinzessin Margarethe heirateten, mussten Sie ihren Namen von Henri zu Henrik ändern, eine neue Sprache erlernen, ihre französische Staatsbürgerschaft, ihre Religion und ihren Beruf aufgeben. Das fordert sicherlich.

Aber welche Chance hat sich für Sie im Gegenzug eröffnet. Sie sind der erste Prinzgemahl Dänemarks überhaupt. Innerhalb des Rahmens der dänischen Verfassung hätten Sie die „Job Description" mit Inspirationen und Themen vollkommen neu füllen und dieser offiziellen Rolle konstruktive Ihren ganz eigenen nachhaltigen Stempel aufdrücken können. Welche Wegbereiter hätten Sie sein können, sowohl als die öffentliche Person „Prinzgemahl", aber auch als Vater des zukünftigen Königs von Dänemark und für dessen Bruder hatten Sie die unike Möglichkeit diese auf die Aufgaben in einer modernen parlamentarischen Erbmonarchie des 21. Jahrhundert vorzubereiten.

Unglücklicherweise haben Sie für die Bekanntmachung Ihrer Entscheidung die Woche gewählt, in der Prinz Philip in England seinen letzten offiziellen Auftritt absolvierte. Zu seinen Ehren wurde aus diesem Anlass eine 5 Pfund Münze geprägt, die sein Leitmotiv zitiert: „non sibi sed patriae" - nicht für sich, sondern für sein Land . Im 19 Jahrhundert hatte König Frederik VII von Dänemark das schöne Motiv gewählt: „Folkets kaerlighed, min styrke" - die Liebe des Volkes, meine Stärke. Beide Gedanken rücken einen grundlegenden Wert in den Mittelpunkt ihres jeweiligen Handelns: Die Loyalität zu dem Land und den Menschen denen man sich verpflichtet hat . Natürlich werden Sie damit verglichen und es fällt Ihnen offensichtlich schwer die Erfahrung nachzuvollziehen, dass Loyalität Vertrauen, Verbundenheit und Dankbarkeit begründet und schließlich dann die Titel und Erinnerungen schafft, die letztendlich menschlich und geschichtlich von Dauer sind. Übrigens Ihr Leitmotto habe ich bisher vergeblich gesucht!

Vielleicht haben Sie aus den vielen Reaktionen auf Ihre Entscheidung verstanden, dass noch bestehenden Loyalitäten ohne aktuelle Veranlassung eitel verspielt wurden.

Ich wünsche Ihnen daher für Ihren verbleibenden Ruhestand vor allem Gesundheit, das Geschenk der Demut, die Weisheit sich über Ihr reich beschenktes Leben zu freuen und die Erkenntnis, dass das Souverän Ihnen nichts schuldet, Sie jedoch dem Volk und Ihrer Ehefrau alles.

Ganz gleich welche Grabstätte Sie letztendlich wählen werden, was von Ihnen erwartet wird ist etwas mehr Würde, etwas mehr Rückgrat und etwas weniger Gejammer

Hochachtungsvoll,

MSH

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