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Wechselbad der Gefühle in der Hippiezeit

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Fortsetzung zu: Total besoffen in der Hippiezeit

Jetzt sitze ich in meinem Zimmer, es ist gleich halb eins, und denke nur: Ich gehe mit Mick. Ich gehe mit Mick!!! Bin ich vielleicht glücklich! Oh, Mick, lieber, lieber Mick, du küsst sagenhaft gut! Ich bin ganz weg. Ich kann jetzt nicht schlafen. Ich kann nur denken: Ich gehe mit Mick, ich gehe mit Mick!

Es ist wunderschön den Mann zu küssen, den man wirklich liebt und von ihm geküsst zu werden. Das ist viel schöner als einfaches Knutschen, das ist einfach wunderbares Küssen. Jetzt gehe ich schlafen, ich bin sehr, sehr glücklich. Sonntag werde ich ihn wiedersehen, ihn wieder küssen, wieder seine Wärme spüren, ach es ist so schön, zu lieben und einen Freund zu haben. Ich habe nur eine Sorge. Wie wird Babsy die Sache auffassen?

Mick, ich kann immer nur an Mick denken. Mick, ich liebe dich so sehr. Und jetzt gehe ich mit dir, ich kann's noch gar nicht fassen. Ich bin ja so glücklich.

Babsy war heute Morgen sehr freundlich. Sie sagte: „Ich dachte ja erst, es würde mir was ausmachen. Aber es stört mich gar nicht. Nur finde ich es gar nicht schön, dass du jetzt schon mit Mick gehst, es wäre besser gewesen, wenn du zwei Wochen gewartet hättest. Nun ja und du bist sicher ein schöner Trost für Mick, zumindest warst du gestern einer. Dass er es mit dir ernst meint, glaube ich nicht. Ich habe mich nur mit Wini abgegeben, um Mick zu ärgern und ich glaube, er hat es auch so gemacht."

Ja, das ist die große Frage. Meint Mick es wirklich ernst oder war ich nur ein Trostobjekt oder wollte er Babsy ärgern? Wenn ich doch nur wüsste, was wahr ist. Aber er hat doch gesagt, dass er es ernst meint? Nun, ich muss halt bis Sonntag warten. Dann weiß ich Bescheid. Entweder ist alles okay, oder er kommt nicht, dann weiß ich auch nicht Bescheid, oder er kommt und sagt, dass alles aus ist. Ich will das Beste hoffen, aber ich bin schon glücklich, Mick einen Abend für mich gehabt zu haben. Jetzt träume ich, dass es für Mick und mich eine Zukunft gibt. Ich möchte einmal mit ihm schlafen. Ich möchte einmal mit ihm zusammenwohnen. Er würde arbeiten und ich studieren und ...

Ich bin sehr unglücklich! Heute Morgen hat Babsy ein großes Theater gemacht. Sie schrie mich in der Schule an, ich hätte ihr Mick weggenommen. Sie hätte gar nicht richtig Schluss gemacht, sie würde ihn noch immer lieben und ich wäre jetzt schuld, dass alles kaputt sei. Ich war zuerst fassungslos, ich konnte Babsy nicht verstehen, gestern war sie so nett und heute?

Moni hielt zu Babsy und die beiden machten mich fertig, sie haben mich sehr ausgemotzt. Gerda sagte gar nichts dazu, sie hielt sich 'raus, das fand ich gut, das hätte Moni auch machen sollen. Schließlich ist es eine Sache zwischen Babsy und mir.

In der Sozialkundestunde schrieb Babsy dann einen Brief an Mick. Sie sagte zu mir: „Du kannst ruhig mitlesen." Das tat ich auch und fing an zu weinen. Sie schrieb, dass sie nicht wollte, dass alles so gekommen wäre, dass er es mit mir ja wohl nicht ernst meinen würde, dass sie es fies von ihm fände, wenn er mich jetzt sitzen lassen würde, und - und dass er ja wohl an allem Schuld hätte. Er hätte sie ja angeschrien und nicht zu Worte kommen lassen.

Mick hat es mir ganz anders erzählt. Und so ging es weiter, sie warf Mick alles vor, was ihr einfiel. Das war so eine Sauerei Mick gegenüber, ich konnte nicht mehr. Ich dachte nur an Mick, den Babsy so oft wegen nichts angeschnauzt hatte, den sie so oft beleidigt hatte und dem sie so oft wehgetan hatte und da schrieb sie jetzt: „Mick, du hast mir wehgetan."

Ich konnte nicht mehr, ich fing an zu weinen, in der Stunde, die Paukerin sah mal 'rüber, sagte aber nichts. Wir hatten uns ja schon vor der Stunde die ganze Zeit über angeschrien und alle waren auf uns aufmerksam geworden, jetzt weinte ich und alle starrten herüber und fingen an zu flüstern. Ich kann nicht alles so erzählen, wie es war, aber es war einfach schrecklich. So etwas Schreckliches habe ich noch nie erlebt. Ich sah noch mal zu Babsys Brief: „Assi heult", schrieb sie gerade.

Ich rannte aus der Klasse und heulte mich auf dem Pott aus. Ich rauchte eine Zigarette und beruhigte mich langsam. Ich dachte nach: Ich muss Mick noch heute anrufen, ich muss ihm von dem Brief erzählen. Er darf den Brief nicht unerwartet bekommen. Ich will nicht, dass er traurig ist, wenn er weiß, was Babsy ihm alles vorwirft. Ich will, dass er glücklich ist. Und wenn er ein anderes Mädchen nimmt, okay.

Hauptsache Mick ist glücklich und mit Babsy ist er nicht glücklich, dass weiß ich ganz genau. Mick, Mick, ich will dich ja gar nicht für mich, ich will, dass du glücklich bist. Warum kannst du mich nicht so lieben, wie ich dich liebe?


Fortsetzung folgt! Teenager in der Hippiezeit - Folge verpasst?

In meinen anderen Geschichten geht es um Liebe, Schuld, Seelenschmerz, Sehnsucht, Verzweiflung und Verantwortung.

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