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Die Nacht, in der ich vergewaltigt wurde

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
MOLLY HILLERY
privat
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Ich war 16 Jahre alt. Ich war auf einer Party bei Freunden, wir haben getrunken (ja, illegales Trinken). Ich trank so viel, dass ich kurz vor einer Alkoholvergiftung stand. Und ich flirtete mit einem Jungen, den ich noch aus der 6. Klasse kannte. Wir k├╝ssten uns. Er machte oft Probleme, rauchte Haschisch und war nicht gut in der Schule. Aber er war sehr lieb zu mir und ich genoss seine Gesellschaft.

Nachdem wir uns ein paar Minuten lang gek├╝sst hatten, ging er mit mir zur Treppe, die ins Obergeschoss zu den Schlafzimmern f├╝hrte. Er schlug vor, noch hinaufzugehen. Ich wusste, was das zu bedeuten hatte, zumindest glaubte ich das in meiner Naivit├Ąt. Ich wusste, dass ich noch nicht bereit f├╝r Sex war, schon gar nicht unter diesen Umst├Ąnden. Und was noch dazu kam: Wir waren allein. Ich hatte ein schlechtes Gef├╝hl dabei und war ├Ąngstlich. Mein Bauchgef├╝hl sagte mir, dass ich nicht nachgeben m├╝sse. Ich sah eine Couch im Wohnzimmer rechts von uns, sie schien genau der richtige Ort zu sein, um ein bisschen abzuh├Ąngen. Keiner war im Zimmer, und dennoch w├╝rden wir nicht alleine sein. Ich k├Ânnte aufstehen und gehen, wenn mir alles zu viel werden w├╝rde.

ÔÇ×Lass uns dort r├╝bergehen", schlug ich vor.

ÔÇ×Nein."

Es w├Ąre schon OK, beruhigte er mich. Wenn ich Angst bek├Ąme, k├Ânnte ich es ihm sagen und er w├╝rde sofort aufh├Âren. Er l├Ąchelte. Er schien es ehrlich zu meinen. Es war, als w├╝rde er meine Angst sp├╝ren und genau wissen, wie er darauf zu reagieren hatte. Widerwillig folgte ich ihm nach oben und schob meine l├Ącherlichen kindischen ├ängste weit weg. Ich hatte getrunken, meine ├ängste waren also sowieso eher geistig als k├Ârperlich.

Der Weg von unschuldig und spielerisch zu be├Ąngstigend und verwirrend war nicht weit. Und es ging sehr schnell. Als er die T├╝r hinter sich schloss, ver├Ąnderte sich sein Wesen. Es war, als bef├Ąnde er sich pl├Âtzlich auf einer Mission. Es war klar, dass er bereits entschieden hatte, dass wir Sex haben w├╝rden. Und dass ich zugestimmt hatte, mit ihm nach oben zu gehen, war Einverst├Ąndnis genug f├╝r ihn.

Er ignorierte meine Panik. Es war, als liefe sein K├Ârper auf Autopilot. Als w├Ąre ich nicht mehr im Zimmer. Binnen weniger Minuten war ich f├╝r ihn zum Objekt geworden. Ich war kein lebender und atmender Mensch mehr.

Ich befahl ihm aufzuh├Âren

Ich sagte Nein. Er reagierte nicht und ich bettelte verzweifelt. Ich jammerte, begann sogar ein wenig zu weinen. Schlie├člich gab ich mich geschlagen und schaltete geistig ab. Ich erinnere mich immer noch an die Farbe und die Textur der Zimmerdecke an dem Tag.

Er war stark und aggressiv und so betrunken, dass ich nicht wei├č, ob er ├╝berhaupt wusste, wie sehr er mir an dem Tag wehtat. Eine der be├Ąngstigendsten Dinge war, dass er absolut still war, und kein Wort sagte, abgesehen von seinem schweren Atmen und St├Âhnen. Diese Ger├Ąusche suchen mich bis heute in meinen Tr├Ąumen heim. Ich war nur noch ein Lustobjekt ohne Wesen. Ich wartete darauf, dass er auf mich einging, etwas sagte. Aber das Letzte, das er zu mir sagte, waren die Worte unten an der Treppe gewesen.

Er war fertig und kam wieder zur Besinnung. Endlich bemerkte er, dass ich weinte und er rannte nach unten. Ich blieb noch einige Minuten sitzen, verzweifelt und verwirrt. Warum hatte er nicht auf mich geh├Ârt? Warum hatte er mich angelogen? Was sollte ich jetzt tun? Ich sp├╝rte, dass ich keine andere Chance hatte, als mich der Party wieder anzuschlie├čen. Ganz locker, als w├Ąre nichts gewesen. Ich hielt den Atem an und ging die Treppe hinunter. Da fand ich ihn mit einigen anderen Jungs, sie schrien sich an und pr├╝gelten sich. Kurz bevor ich das Zimmer betrat, hatte er der ganzen Party verk├╝ndet, dass ÔÇ×Molly geweint hat, als ich es mit ihr getrieben habe!".

...Also hatte er gewusst, dass ich es nicht wollte. Wie kann das kein Zeichen f├╝r ihn gewesen sein, aufzuh├Âren? Er wurde rausgeschmissen, was eine willkommene Erleichterung f├╝r mich war. Ich rief meine Mutter an und fragte, ob ich die Nacht ├╝ber bleiben k├Ânne. ├ťberraschenderweise erlaubte sie es.

Schlie├člich erz├Ąhlte ich allen auf der Party, dass eigentlich gar nichts passiert sei. Ich befand mich im ├ťberlebensmodus. Wenn ich gute Miene zum b├Âsen Spiel machen musste, dann tat ich es. Ich wollte einfach nur so sehr, dass irgendjemandem auffiel, wie schlecht es mir tats├Ąchlich ging. Aber das war wohl zu viel verlangt von meinen Freunden.

Den Rest der Nacht rauchte und trank ich. Ich versuchte zu vergessen und mich so normal wie m├Âglich zu verhalten. Die deutlichste Erinnerung, die ich vom weiteren Verlauf der Party habe, ist, dass ich mich so abschoss, auf dem Sofa lag und einfach nur die Decke anstarrte. Die letzte Stunde lang lief der Song ÔÇ×Fuck The Pain Away" von Peaches in Dauerschleife.

Ich war also high und betrunken, lag auf der Couch und h├Ârte den Refrain "fuck the pain away, fuck the pain away, fuck the pain away" immer und immer wieder in voller Lautst├Ąrke. Ich wei├č noch, dass einige der Jungs, die den Typen rausgeschmissen hatten, mich zum Spa├č festhielten und so taten, als w├╝rden sie mich vergewaltigen.

Alle auf der Party lachten. Das hat mich wirklich erschreckt und meine Gef├╝hle unheimlich verletzt, da ich die ganze Zeit angenommen hatte, sie w├Ąren auf meiner Seite.

Am Montag in der Schule kam er auf mich zu. Er bat mich um Verzeihung und meine instinktive Reaktion war:

ÔÇ×Wof├╝r?"

ÔÇ×Freitag... Ich erinnere mich nicht mehr. Paul hat mir gesagt, was passiert ist."

Irgendwie erinnere ich mich noch, dass ich zu ihm sagte ÔÇ×Es ist schon in Ordnung. Du warst echt betrunken. Es ist nichts Schlimmes passiert."

... Aber es war nicht in Ordnung.

Als diese Worte gesprochen waren, konnte ich sie nicht mehr zur├╝cknehmen.

Ger├╝chte machten in der Schule die Runde. Einige meiner Lehrer bekamen von der Sache Wind und eine Lehrerin, mit der ich mich gut verstand und der ich vertraute, sprach mich direkt darauf an - ich brach sofort in Tr├Ąnen aus und erz├Ąhlte ihr alles. Seit Tagen hatte ich das zur├╝ckgehalten und war so erleichtert, dass endlich eine erwachsene Person davon wusste. Sie war mir eine gro├če Unterst├╝tzung und versprach, es f├╝r sich zu behalten.

F├╝r den Rest der Woche erlaubte sie mir, ihre Stunden ausfallen zu lassen und fr├╝her nach Hause zu gehen. Ich weinte jeden Tag. Am Freitag war sie besorgt. Am Nachmittag um 16.30 Uhr rief der Direktor meiner Schule bei uns Zuhause an. Ich ging auf eine ziemlich gro├če ├Âffentliche Schule, ich hatte diesen Mann tats├Ąchlich noch nie kennengelernt. Sein Ton war sehr sachlich. Er kam direkt zum Punkt und sagte, dass ein Lehrer ihn dar├╝ber informiert habe, was geschehen sei. Ich war noch minderj├Ąhrig, Lehrer m├╝ssen so einen Vorfall melden.

Mir wurde schlecht und schwindelig. Mein Gesicht wurde ganz hei├č. Melden? Jeder an meiner Schule tratschte sowieso schon ├╝ber mich. Ich geriet in Panik und wollte einfach nur, dass das alles aufh├Ârte. Ich ├Ąu├čerte ihm gegen├╝ber meine ├ängste, aber ich traf nur auf Teilnahmslosigkeit und Ernst.

Ich hatte keine Wahl. Genau wie am Wochenende zuvor. Ich hatte keine Wahl. Ich hatte nie eine Wahl gehabt. Er sagte mir, dass ich zumindest meine Eltern informieren m├╝sse, bevor die Sache weitergeleitet w├╝rde.

ÔÇ×Du kannst ihnen selbst erz├Ąhlen, was passiert ist, oder du erz├Ąhlst es mir und ich rufe sie an und berichte ihnen alles. Du hast bis 20 Uhr heute Abend Zeit, danach werde ich noch einmal anrufen um sicherzugehen, dass Du alles mit deinen Eltern besprochen hast."

Als er aufgelegt hatte, begann mein Herz zu rasen. Wie zum Teufel sollte ich das tun? Zu dem Zeitpunkt h├Ątte ich das, was mir passiert war, noch nicht einmal als Vergewaltigung bezeichnet. Ich war betrunken und bin aus freien St├╝cken mit ihm nach oben gegangen. Jeder, meine Klassenkameraden miteingeschlossen, meine Lehrer und jetzt auch meine Eltern w├╝rden wissen, was f├╝r ein Flittchen ich war.

Er hatte mir nur drei Stunden Zeit gegeben, um eine der schwersten Aufgaben meines bisherigen Lebens zu bew├Ąltigen.

Meine Mutter, mein Vater und ich a├čen an dem Tag zusammen zu Abend. Zum Gl├╝ck waren meine Br├╝der bereits ausgezogen. Mitten in ihrer Unterhaltung unterbrach ich sie, ├╝berreichte ihnen einen Brief und rannte in mein Zimmer. Ich konnte die Worte nicht aussprechen. Ich schrieb sie stattdessen auf.

In dem Brief schrieb ich, dass Ger├╝chte herumgingen ├╝ber eine Sache, die auf der Party vorgefallen war, dass aber nichts passiert sei und dass sie heute Abend noch meine Lehrerin anrufen m├╝ssten, um die Sache aufzukl├Ąren.

F├╝nf Minuten sp├Ąter klopfte es an meiner T├╝r. Meine Mutter kniete neben meinem Bett, w├Ąhrend mein Vater im T├╝rrahmen stehenblieb und es vermied, mir in die Augen zu sehen. Ich f├╝hlte mich so widerlich bei der Vorstellung, dass sie sich das alles wom├Âglich grade ausmalten. Meine Mutter stellte mir dem├╝tigende, peinliche Fragen.

ÔÇ×Hast du an dem Abend getrunken?" Nein. Gut, vielleicht ein bisschen (ich sagte ihnen nicht, wieviel ich tats├Ąchlich getrunken hatte).

ÔÇ×Ist er steif geworden?" Keine Ahnung. (Nat├╝rlich ist er steif geworden, meine G├╝te Mama).

ÔÇ×Ist er in dich eingedrungen?" Nein! (Ja... und es tat weh... sehr.)

W├Ąhrend dieser Unterhaltung habe ich das meiste ausgeblendet. In dem Moment wollte ich mich einfach nur in Luft aufl├Âsen. Mein eigener VATER, der zuh├Ârt, wie ich den Penis eines Mitsch├╝lers beschrieb... peinlich beschreibt es nicht einmal ansatzweise.

Meine Mutter rief die Lehrerin an und ÔÇ×kl├Ąrte alles auf". Am n├Ąchsten Tag hatte ich einen Termin bei der Beratungslehrerin der Schule, so schreibt es das Protokoll vor, aber sie zeigte wenig Anteilnahme.

Ich war vor ein paar Monaten schon einmal auf einer Party beim Trinken erwischt worden und war von der Leichtathletikgruppe suspendiert worden. Meine Leistungen waren nicht einwandfrei. Sie sagte, sie w├╝rde die Meldung weitergeben, aber die Polizei nicht hinzuziehen. Sie w├╝rde die Sache so behandeln, als sei nichts geschehen.

Zu der Zeit hatte ich wirklich das Gef├╝hl, das L├╝gen sei meine einzige Chance. Ich hatte noch eineinhalb Jahre Schule vor mir. Ich musste ihn noch jeden Tag sehen. Wenn ich ihn anzeigen w├╝rde, dann w├╝rde sich die Sache nie in Luft aufl├Âsen, wie es mein Wunsch war.

Jeder w├╝rde mich schief ansehen, niemand w├╝rde mir glauben, weil sich jeder schon eine eigene Meinung zu der ganzen Sache gebildet hatte. Es waren bereits einige Tage vergangen, es gab keinen Beweis mehr. Mein Schuldirektor und die Beratungslehrerin waren sehr k├╝hl mir gegen├╝ber und meine Eltern ├╝berschritten pers├Ânliche Grenzen, da schien es einfacher, die ganze Sache einfach hinter mir zu lassen und so weiterzumachen wie bisher.

F├╝r eine kurze Zeit redete ich mir sogar selbst ein, dass tats├Ąchlich nichts geschehen war. Ich war stets gut darin gewesen, mich immer wieder selber aus dem Dreck zu ziehen und zu l├Ącheln - in dem Jahr wurde ich zum Profi.

Er lie├č mich monatelang nicht in Ruhe. Er rief an, textete mir, hinterlie├č betrunken Nachrichten auf dem Anrufbeantworter. In der Schule legte er den Arm um mich, auf Partys suchte er meine Gesellschaft.

Ihn zu ignorieren war keine L├Âsung. Schlie├člich war ja auch nichts passiert, also musste ich ja auch keine Angst vor ihm haben, richtig? F├╝r ihn wurde er in der Nacht einfach flachgelegt, so einfach war das.

Was tat ich also? Ich spielte das Spiel mit. Ich stieg zu ihm ins Auto, rauchte Hasch mit ihm, sa├č auf dem R├╝cksitz und sah meinen eigenen Tod vor Augen, w├Ąhrend er betrunken mit 100 Sachen ├╝ber die Landstra├čen raste.

Auf Partys trank ich Shots mit ihm und tat so, als sei alles in Ordnung. Er wollte wieder Sex. Er fragte mich, weshalb ich meinen Lehrern erz├Ąhlt h├Ątte, er h├Ątte mich vergewaltigt und lachte dabei. Er freundete sich mit meinem neuen Freund an. Ich konnte nichts gegen ihn tun, also lie├č ich es zu. Wenn ich nur die Kontrolle hatte, war alles andere egal.

Lange ging es mir nicht gut. Nichts von dem, was in diesen Monaten geschah, war gut.

Die Tatsache, dass er mich in dem Glauben gelassen hatte, ich k├Ânne ihm vertrauen, wenn eigentlich das Gegenteil der Fall war.

Die Tatsache, dass er mich ausgenutzt und allen davon erz├Ąhlt hatte.

Die Tatsache, dass er sich halbherzig entschuldigt hatte und alle in der Schule Zeuge davon geworden waren.

Die Tatsache, dass meine Lehrerin mir versprochen hatte, alles f├╝r sich zu behalten, und es dann doch nicht getan hatte. Ich verstehe, warum sie so gehandelt hatte, aber es f├╝hlte sich trotzdem wie ein Verrat an.

Die Tatsache, dass mein Schuldirektor sich so hart verhielt. Die Tatsache, dass ich gezwungen war, es meinen Eltern zu erz├Ąhlen und sich das nur wie ein weiteres Verbrechen anf├╝hlte. Die Tatsache, dass ich in dem Jahr l├╝gen musste, um das Schuljahr zu ├╝berstehen.

Die Tatsache, dass nur einen Monat sp├Ąter der Monat zum Bewusstsein und zur Pr├Ąvention von Sexueller Gewalt war und ich eine Woche lang jeden Morgen Statistiken zu sexuellen ├ťbergriffen ├╝ber den Schullautsprecher h├Âren musste.

Die Tatsache, dass jedes Jahr die Zahl der Opfer von sexueller Gewalt durch blaue Post-Its in genau dieser Zahl an wahllosen Schlie├čf├Ąchern dargestellt wird.

Die Tatsache, dass ich das Gef├╝hl hatte, das Wort ÔÇ×Vergewaltigungsopfer" w├╝rde gro├č auf meiner Stirn stehen.

Die Tatsache, dass er jederzeit zu mir kommen konnte, wann immer er wollte, und ich mich zu hilflos und zu gefangen f├╝hlte, um etwas dagegen zu tun.

Die Tatsache, dass ich noch Jungfrau gewesen war. Die Tatsache, dass er vor dieser ganzen Sache mein Freund gewesen war.

Die Tatsache, dass ich das Gef├╝hl hatte, ich m├╝sste st├Ąndig so tun, als w├╝rde ich die Gesellschaft meines Vergewaltigers genie├čen - etwas, von dem ich hoffe, dass es nie irgendjemand sonst wird durchmachen m├╝ssen.

Ich sagte, es sei in Ordnung, aber das war es nicht. Es war nicht im Geringsten in Ordnung. Es war nicht in Ordnung, dass mein Kumpel mich betrunken gemacht und mich gezwungen hatte, mich auszuziehen als ich ihn bereits gebeten hatte, aufzuh├Âren. Er mich dann in ein anderes Zimmer gef├╝hrt hatte, um Sex zu haben, w├Ąhrend ein anderer Typ uns beobachten konnte (das war bevor ich vergewaltigt wurde, und ich kam sicher aus der Sache heraus).

Ich sagte es sei in Ordnung, aber das war es nicht. Nicht im Geringsten.

Es war nicht in Ordnung, dass ich ein Jahr nach diesem Vorfall versuchte, nichts zu trinken, n├╝chtern auf eine Party ging und sexuell bel├Ąstigt wurde, als ich einen betrunkenen Freund nach Hause fuhr. Ich wollte nur nett sein und ihn sicher nach Hause bringen, stattdessen fummelte er an mir herum, versuchte, auf mich zu klettern und k├╝sste mich ├╝berall, w├Ąhrend ich mit ├╝ber 100 km/h auf der Autobahn unterwegs war.

Er weigerte sich, mir zu sagen, wo er wohnte und als ich endlich sein Haus gefunden hatte, da entschuldigte ich mich auch noch daf├╝r, dass ich ihm die falschen Signale vermittelt hatte. Er sagte, es sei kein Problem, ich w├Ąre einfach ein Flittchen. Er schlug die T├╝r zu und ging.

Am n├Ąchsten Tag stellte ich ihn zur Rede und er sagte, er k├Ânne sich nicht einmal daran erinnern, dass ich ihn nach Hause gefahren habe, es t├Ąte ihm leid, aber k├Ânne ich bitte meinen Mund halten? Ich fragte ihn, ob es nicht besser w├Ąre, dass so etwas nicht noch einmal geschieht. Seine Antwort? ÔÇ×Irgendwie schon."

Es ist nicht in Ordnung, dass ich so lange nachdem ich vergewaltigt wurde, begann, wahllos mit irgendwelchen Typen zu schlafen, weil ich nur so das Gef├╝hl hatte, meine Sexualit├Ąt kontrollieren zu k├Ânnen.

Es gab einen Jungen, mit dem ich st├Ąndig Sex hatte, auf rein freundschaftlicher Basis. Eines Nachts war ich so betrunken, dass ich mich nur noch bruchst├╝ckhaft daran erinnern kann, wie er mich in verschiedene Zimmer seines Hauses f├╝hrte und ├╝berall Sex mit mir hatte. Als ich aufwachte, waren meine Unterw├Ąsche und mein Shirt voller Blut und drei Tage sp├Ąter erkrankte ich an einer Harnwegsinfektion.

Warum er so grob war, werde ich nie verstehen. Und es war nicht in Ordnung, dass ich von seinem Freund von seiner HIV-Erkrankung erfuhr und nicht von ihm selbst und es war auch nicht in Ordnung, dass er an einer ├ťberdosis Heroin starb, bevor ich ihn darauf ansprechen konnte.

Es ist nicht in Ordnung, dass, obwohl er mich wie eine Prostituierte behandelte, wie ein St├╝ck Fleisch und er mich benutzte, um seinen Frust irgendwo abzuladen, ich dennoch auf eine kranke Art und Weise Gef├╝hle f├╝r ihn entwickelte. Weil ich glaubte, nichts Besseres zu verdienen.

Es ist nicht in Ordnung, dass ein Junge am College Analsex mit mir wollte und mir nichts davon sagte. Ich war so geschockt, dass er ohne meine Einwilligung damit begann, dass ich au├čer einigen unbehaglichen, schmerzlichen St├Âhnlauten nichts weiter ├╝ber die Lippen brachte. Er reagierte auf meine Schmerzen mit Schweigen und machte einfach weiter.

Es ist nicht in Ordnung, dass mein Freund in meiner Zeit am College einfach meinen Kopf auf seinen Schwanz dr├╝ckte. Man kann das, was man begehrt, auch anders bekommen (einfach danach fragen zum Beispiel).

Es ist nicht in Ordnung, dass ich eines Abends, als ich betrunken in einer Bar sa├č und kaum noch bei Bewusstsein war, pl├Âtzlich eine Hand zwischen meinen Schenkeln sp├╝rte, die einem Mann geh├Ârte, den ich noch nie zuvor gesehen hatte. Wahrscheinlich war das nichts das einzige Mal, dass so etwas passierte.

Es ist nicht in Ordnung, dass ich selbst bei meinem Ehemann, dem liebsten und ehrlichsten Mann, dem ich je begegnet bin, an den meisten Tagen keine N├Ąhe und keine Ber├╝hrungen zulasse. Das hat nichts mit ihm und alles mit anderen M├Ąnnern und ihren Entscheidungen zu tun.

Nichts von alldem ist verdammt nochmal in Ordnung. Ein sexuelles Trauma und das Trauma, das von einem sexuellen ├ťbergriff zur├╝ckbleibt, haben ├╝ber ein Jahrzehnt lang mein Leben bestimmt. Jeden Aspekt meines Denkens und meiner Beziehungen. In dem einen Jahr habe ich viel verloren. Vieles davon habe ich nie zur├╝ckbekommen. Nie werde ich morgens aufwachen und kein Vergewaltigungsopfer mehr sein. Nie werde ich vergessen, was mir damals widerfahren ist. Nie werde ich die Dinge wieder vergessen, die ich im Laufe dieser Ereignisse ├╝ber die menschliche Natur gelernt habe.

Es ist sehr schwer, alle diese Dinge zu akzeptieren und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Was mich aber am meisten schmerzt ist, dass meine Geschichte kein Einzelfall ist. ├ťberhaupt nicht. Es machen sich immer noch Menschen jeden Tag ├╝ber diese Themen lustig.

Die Menschen sagen immer noch Dinge wie ÔÇ×Oh, jetzt zieht sie wieder die Vergewaltigungskarte!" Die Menschen gr├╝nden ihre Meinung zu Vergewaltigungen immer noch auf falsche Anschuldigungen statt auf wirkliche F├Ąlle von Vergewaltigungen. Viele Opfer sexueller Gewalt haben Selbstmordgedanken und viele setzen diese Gedanken auch in die Tat um. Viele Vergewaltiger bleiben weiter im Dunkeln, w├Ąhrend ihre Opfer ├Âffentlich zur Schau gestellt werden.

Vielleicht liest jemand diesen Artikel und denkt sich ÔÇ×Na ja, vieles davon ist passiert, als sie betrunken war, h├Ątte sie es nicht besser wissen m├╝ssen?" Es ist kein Geheimnis, dass ich in dieser Zeit viel getrunken habe.

Ich wurde abh├Ąngig. Ich wollte einfach nur alles vergessen, was ich durchgemacht hatte. Ich wollte keine Angst mehr haben. Es sollte mir einfach alles egal sein. Ich ├╝bernehme die Verantwortung daf├╝r, dass ich mich auf unsicheres Gel├Ąnde begeben habe. Aber eines will ich klarstellen: Betrunken oder n├╝chtern, ich habe es nicht verdient, dass mir auf diese Weise Gewalt angetan wurde. Niemand hat das verdient.

Manche Menschen brauchen mehr als nur unsere Worte, um zu erkennen, dass diese Dinge der Wahrheit entsprechen und uns widerfahren sind. Bis bewiesen wird, dass wir die Wahrheit sagen, sind wir L├╝gner.

Das muss aufh├Âren.

Je mehr Machtlosigkeit ich versp├╝re, desto mehr will ich dar├╝ber schreiben. Je mehr ich glaube, keine Stimme zu besitzen, desto ├Âfter werde ich meine Geschichte erz├Ąhlen. Je angewiderter und w├╝tender ich bin, desto st├Ąrker werde ich den frauenfeindlichen Arschl├Âchern im Internet entgegentreten. Ich konnte mir selbst nicht beistehen, als ich es gebraucht h├Ątte. Jetzt bin ich erwachsen, jetzt kann ich entscheiden, wie ich die verlorene Zeit wieder gutmachen kann. Wenn deine Geschichte der Meinen auch nur ein wenig ├Ąhnelt, dann sei dir bitte dar├╝ber im Klaren, dass du nie alleine bist. Es ist auch nicht zu sp├Ąt, die verlorene Zeit wieder gutzumachen.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Huffington Post USA und wurde von Cornelia L├╝ttmann aus dem Englischen ├╝bersetzt.

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