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Ich fühle mich auf deutschen Straßen nicht mehr sicher

20/03/2017 10:52 CET | Aktualisiert 21/03/2017 19:19 CET
Florian Gaertner via Getty Images

Ab und zu mal kommt es vor, dass auch ich spazieren gehe. Bei so einer Gelegenheit ging ich kürzlich um die Ecke und stand plötzlich vor einem großen Hund, der auch fröhlich und spielerisch um die Ecke biegen wollte. Wir beide haben uns gleichzeitig entdeckt und erschrocken und rannten schnellst möglich wieder zurück.

Ich hatte die Befürchtung, dass mich dieser Hund anfallen, sich festbeißen und nie wieder loslassen würde. Was dieser Hund dachte, hat er mir nicht verraten. Aber nach ein paar Sekunden beruhigte ich mich und lachte über diese Situation, denn sie erinnert mich gerade an meine tatsächliche Situation in Deutschland.

Ich habe mittlerweile teils berechtigte, teils unberechtigte Angst vor den besorgten Bürgern und Rechtsradikalen angesichts der steigenden Anzahl der kriminellen Akte auf Flüchtlinge und deren Unterkünfte.

Mein Aussehen und meine Hautfarbe sind ihrer ähnlich. Ehrlich gesagt, fühle ich mich gezwungen, übermäßig nett zu erscheinen, obwohl ich es nicht immer sein möchte, um somit die Angst vor mir etwas zu reduzieren.

Mehr zum Thema: "Alle Flüchtlinge sind doch schwarz!" - was es bedeutet, in Deutschland dunkelhäutig zu sein

Andererseits haben die besorgten Bürger teils unberechtigte Angst vor dem "Flüchtling". Er könnte das Sozialsystem unterwandern und ihr Brot klauen oder als Terrorist irgendein Attentat planen. Dabei könnte diese Angst mit einem Dialog womöglich abgebaut werden, vorausgesetzt, beide Seiten sind bereit dazu.

Islam-Bashing

Die Flüchtlingsdebatte ist bei näherer Betrachtung eher ein Teil des Islam-Bashing, die aktuell diverse Gestalten annimmt. "Der Moslem" als der Hauptverdächtige wird wieder aktuell.

Neben völkisch rassistischen Elementen, wie etwa "Nordafrikaner", "Araber" und "Flüchtling" (ein Begriff jenseits von Hautfarbe und Religion, aber in der BRD offenkundig mit Islam und dunkler Hautfarbe assoziiert) finden wir auch pseudorationalistischen Islam-Hass im Namen der sogenannten Islam-Kritik.

Massenweise werden uralte Phrasen via Copy-Paste-Funktion der Tastatur in allen sozialen Netzwerken von gleichen Gruppen verbreitet. Die Masse und die monotone Wiederholung der gleichen Lügen haben dafür gesorgt, dass auch viele differenzierte Menschen angesichts der desinformativen Überflutung daran denken, ob diese Lügen doch nicht ein Fünkchen Wahrheit beinhalten könnten.

Die Elemente dieser mittlerweile offenkundigen Diskriminierung sind nicht nur in der Großstadt, sondern auch im ländlichen Gebiet zu finden. Nur eine starke Zivilgesellschaft vermag dieser Strömung Einhalt zu gebieten. Und eine solche haben wir in Deutschland etablieren können.

Eine starke Zivilgesellschaft

Die Mehrheit der deutschen Gesellschaft steht zu ihrem Nachbarn, der ursprünglich aus einem anderen Land gekommen sein könnte. Die überwiegende Mehrheit dieser Flüchtlinge ist auch harmlos. Genauso ist die überwiegende Mehrheit der Muslime in Deutschland dieser Zivilgesellschaft gegenüber auf persönlicher Ebene loyal.

In dieser Zivilgesellschaft sollte weder Rassismus noch religiöser Extremismus einen Platz finden, wo sie sich wohl fühlen könnten. Die Salonfähigkeit dieser Themen wird hoffentlich bald wieder verschwinden, wie der anfängliche Hype der Flüchtlingskrise. Die Zivilgesellschaft muss wieder zu ihrer Mitte finden, zu ihrer Stärke.

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Die zivilisatorische Stärke, die ich hier kennenlernen durfte, bestand aus Religions-, Gewissens- und Redefreiheit im Rahmen des Grundgesetzes. Niemand darf aufgrund der Hautfarbe, Religion, Herkunft und Rasse diskriminiert werden.

Eine starke Zivilgesellschaft aus Menschen muss die Menschlichkeit zwangsläufig als ihre Basis deklarieren. Weder die Rasse, noch die Religion, noch die Herkunft dürfen die Basis werden.

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