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Seit wir Muslime in Deutschland mitreden können, werden wir von allen Seiten attackiert

20/06/2017 12:25 CEST | Aktualisiert 20/06/2017 12:26 CEST
Wolfgang Rattay / Reuters

Solange der Muslim im Hintergrund blieb, war es gut. Man konnte ihn Mohammedaner nennen, Witze über ihn machen, ihn auslachen und tut dies immer noch in vielen Gegenden.

Die erste Generation der Gastarbeiter konnte kaum Deutsch sprechen, viele sprechen immer noch nicht und folglich konnten sie sich auch nicht verteidigen. Deren Kinder sind mittlerweile zum Teil selbst Familienväter und ziehen ihre Kinder in Frieden auf, zumindest bis vor kurzem.

Allerdings sind und fühlen sich die meisten als "Deutsche" oder "Deutsche mit Migrationshintergrund".

Immer wieder werden sie aber daran erinnert, dass sie keine "echten Deutschen" sind. Sie werden immer noch als Muslime, Mohammedaner, Nafris, Ausländer, Gastarbeiter, Gäste usw. bezeichnet.

Der Geist der deutschen Gesellschaft ist gut geblieben

Bei all diesen diskriminierenden Eigenschaften der deutschen Mehrheitsgesellschaft ist sie im Großen und Ganzen bisher wenigstens in der Gesetzgebung fair geblieben.

Sie hat sich von der polarisierenden Minderheit aus der rechten Ecke nicht einnehmen lassen. Insgesamt ist der Geist der deutschen Gesellschaft gut geblieben.

Zwar beweisen nach und nach Studien, wie es in Deutschland um Özlem oder Ahmed bestellt ist, dennoch zeigen sich die Tendenzen zum Positiven. Dieses Gleichgewicht darf nicht aus dem Ruder laufen.

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Auf jeder Brücke, in jeder Stadt, in jedem Stadion hätten auch Muslime unter den Toten sein können, wo ein terroristischer Anschlag ausgeübt wurde. Berlin, Manchester, London, Paris. Alles Städte, wo die Mehrheit der Muslime friedlich lebt.

Nach jedem dieser Anschläge empfinden die Muslime tiefste Trauer für die Opfer. Auch sie sehen ihr friedliches Leben in Deutschland in Gefahr durch diese Terroristen.

Aber sie haben auch noch einen weiteren Feind in dieser Gesellschaft: die Rechtsradikalen und die versteckten Rassisten wie die Ereignisse in der Londoner Moschee zeigen.

Vom Verstand der Mehrheit verlassen

Es ist doch offensichtlich, dass auf der einen Seite die eiskalten Terroristen ihr Unwesen treiben und auf der anderen Seite die islamophoben Rechtsradikalen oder islamophoben Unwissenden ihre Wut in einer Form der Gewalt ausleben wollen.

Beide Gruppen sind Randgruppen. Beide sind vom Verstand und von der Mehrheit verlassen worden. Beide haben offensichtlich kein Leben und auch keinen Lebenssinn mehr für sich.

Die beiden Randgruppen vergrößern nur die Kluft zwischen zwei Kulturen, die sich schon seit Jahrtausenden aufgrund solcher Idioten missverstehen.

Die Opfer sind die gemäßigten Menschen in der Gesellschaft. Ich möchte nicht sagen, dass es auf beiden Seiten Opfer gibt.

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Es gibt nur die eine Seite: die Mitte der deutschen Gesellschaft. Da gehört der Otto-Normal-Deutsche hin und neben ihm steht auch der Otto-Normal-Muslim. Und genauso wie der Otto-Normal-Deutsche sich von Gräueltaten im Einzelnen nicht distanzieren muss, genauso muss der Otto-Normal-Muslim sich nicht jedes Mal lauthals distanzieren.

Es ist allzu menschlich, dass sie alle es abscheulich finden.

Viel wichtiger ist, dass die Exekutive der Demokratie an Stärke gewinnt und die im Lande herrschenden Gesetze durchsetzt, im Osten wie im Westen. Die kriminellen Machenschaften aller müssen ohne Diskriminierung geahndet werden.

Es wird Zeit, den Hasspredigern das Handwerk zu legen

Wenn ein Rechtsradikaler seinen Blödsinn ausleben will, dann soll er daran gehindert werden. Wenn ein Terrorist seinen Anschlag plant, soll ihm das Handwerk gelegt werden.

Wenn einzelne Moscheen unter Verdacht stehen, sollen sie überwacht werden, ebenso die Treffen einiger rechtsradikaler Parteien.

Den Hasspredigern aus beiden Lagern muss deutlich gemacht werden, dass es so etwas wie das Gesetz gibt, an das sie sich alle zu halten haben.

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Die Mehrheit der Gesellschaft ist gemäßigt und sie kann es sich nicht leisten, eine Kluft in ihrer Mitte entstehen und in zwei Teile brechen zu lassen, denn das ist genau das, was sich die Terroristen und die Rassisten gemeinsam wünschen.

Sie, die Gesellschaftsmitte muss sich endlich als Einheit betrachten ohne mit dem Finger jedes Mal auf "die Anderen" zu zeigen, damit sich diese von unmenschlichen Terroristen distanzieren.

Denn abscheuliche Taten werden als etwas von einer gesunden Gesellschaft betrachtet, was sie auch sind, nämlich abscheulich! Einen gemeinsameren Konsens kann es nicht geben.

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