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"Integration ist ein Gefühl"

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INTEGRATION
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Seit September 2015 wird viel darüber diskutiert, wie sich die geflüchteten Menschen hier bei uns integrieren können.

Ich habe meine 30-jährige Erfahrung. Integrationsprogramme haben in Deutschland nie großen Erfolg gehabt. Die Leute bleiben fremd und fühlen sich nicht „integriert und deutsch".

Nach meiner Erfahrung ist Integration zuerst ein Gefühl. Ein Gefühl, dass man hier angekommen ist und angenommen wird. Bei allen Parteien, auch bei der AFD, wird das Thema viel diskutiert, aber viele wissen wenig darüber, welche wirklichen Hindernisse es auf dem Weg zur Integration gibt.

Ich habe in diesen Jahren an hunderten Sitzungen und Veranstaltungen teilgenommen. Man spricht schön und macht schöne Fotos von Veranstaltungen und bekommt das gute Gefühl, dass man etwas für Integration getan hätte, wundert sich dann oft auf der Straße, warum die Integration keinen Erfolg hatte. Man versteht als deutsch Geborene die Probleme und Hindernisse dieser Menschen oft nicht, die zu uns geflüchtet sind, um in Sicherheit und frei leben zu können.

Frage: Wie viele Bürgermeister haben diese Menschen in Deutschland? Wie viele Abgeordnete?
Ich habe selbst erfahren, wie schwer ich es allein wegen meines Vornamens „Mohammad" habe, mich in meiner Partei zu behaupten.

Der Weg nach oben ist sehr schwer und fast unmöglich. Ich selbst habe für diesen Vornamen keine Schuld. Ich bin ein aktiver Mensch in Deutschland und setze mich weiter für die Anliegen meiner Partei ein. Aber weiß ich auch, dass ich nicht viel zu sagen habe. Bei den Abstimmungen merkt man das immer sehr gut. Egal, ob du ein aktiver Mensch bist oder nicht, man wir oft nur Stellvertreter oder Ersatzperson.

Ein Beispiel:

Ich hatte an einem Kurs für Taxiunternehmung teilgenommen. 90% der Teilnehmer waren „Deutsche mit Migrationhintergrund". Keiner von diesen 90% fühlte sich als „Deutscher", obwohl sie die deutsche Staatsbürgerschaft hatten. Ich habe immer versucht, sie zu davon überzeugen, sich für Deutschland und seine Bedürfnisse einzusetzen. Ich versuchte sie dazu zu motivieren, an Politik teilzunehmen.

Ich hatte lange Diskussionen, aber keinen Erfolg. Fast alle sagten: „Man will uns nicht. Egal, ob du die deutsche Staatsbürgerschaft hast oder nicht; ega,l ob du in Deutschland geboren bist oder im Ausland, nur dein Aussehen und dein Name sind große Hindernisse, um hier als Deutsche, Fuß zu fassen und eine Arbeit, deiner Bildung entsprechend, zu finden. „Du bleibst immer Ausländer und sie hassen uns..."

Ich fand bei ihnen nicht das Gefühl, „deutsch" zu sein. Ich hielt diese Argumente für falsch.
Es gibt zwischen 10-20% Menschen in Deutschland, die Ausländer und südländisch Aussehende nicht mögen. Sie geben ihnen von Anfang an keine Möglichkeit, aber das ist nicht die ganze deutsche Bevölkerung. Dennoch kann ich bestätigen, dass viele solcher Fälle der Wahrheit entsprechen.

Ich war vor einigen Jahren in USA, wo alle Amerikaner waren. Alle hatten das Gefühl, Amerikaner zu sein. Aussehen und Namen waren in den USA keine Hindernisse für die Menschen. Auch nicht in der Politik.

Ich war oft mit Persern zusammen gewesen. Sie waren echte Iraner und super „echte Amerikaner".
Sie liebten beide Länder. Sie wollten alles Gute für Amerika und auch für den Iran.
Ich hatte dort wirklich gute Gefühle. Ich fühlte mich dort, als „Deutsch-Iraner" auch als wäre ich Amerikaner. Das Gefühl war da.

Ja, Integration ist zuerst ein Gefühl.

Ich schlage vor: Wenn in Deutschland zu 25% und in Berlin über 30% der Bürger ausländische Wurzeln haben werden, sollen sie in der Politik vertreten sein. Sie schaffen es alleine durch die Hindernisse nicht, nach vorne zu kommen. Deshalb sollte die Politik sie unterstützen. Sie sollen in der Regierung, in den Parlamenten, in den Behörden und Arme und Industrie vertreten sein. Auf jeden Fall verstehen sie die Probleme dieser Bürger besser und haben sie oft selbst erlebt.

Mohammad Moshiri
Vorsitzender des Forums für Toleranz und Menschenrechte
Arbeitet beim Landesamt für Flüchtlinge in Berlin

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