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Wie unfähige Manager unsere Wirtschaft gefährden

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SCHLECHTER CHEF
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Wenn Unternehmen scheitern und in wirtschaftliche Schieflage geraten, hat das oft vielerlei Gründe: Falsche Sachentscheidungen, Konjunktur, wettbewerbsunfähige Produkte. Hauptverantwortlich sind meist aber auch dialogunfähige Führungskräfte und Narzissten, die nicht dazu in der Lage sind, ihren Mitarbeitern auf Augenhöhe zu begegnen, denen auf der Flucht vor sich selbst der Blick für das Wesentliche fehlt und die am Ende sich, ihr Team und die Existenz des Unternehmens gefährden.

Die Zahlen sind erschreckend: Knapp 26.000 Unternehmen gingen 2013 bundesweit in die Insolvenz, viele Unternehmen haben mit den Folgen der Globalisierung und des immer schärferen Wettbewerbs zu kämpfen. Scheitert ein Unternehmen, scheinen die Gründe schnell klar.

Zu harter Wettbewerb, Managementfehler, veränderte Konsumgewohnheiten. Dabei sind es zum großen Teil führungsschwache Manager, die durch Fehlentscheidungen sozial wie wirtschaftlich verbrannte Erde hinterlassen. Sie brennen nicht nur sich selbst aus, sondern auch ihre Teams.

Nachlassende Innovation und wachsende Produktivitätseinbußen, die jährlich einen volkswirtschaftlichen Schaden in dreistelliger Milliardenhöhe erzeugen, sind die Folge. Jeder fünfte Arbeitnehmer hat innerlich längst gekündigt - und rund die Hälfte aller Mitarbeiter, die keine Bindung mehr zu ihrem Unternehmen verspürt, würden ihren Chef direkt „feuern".

Der Auswahl der richtigen Führungskräfte kommt heute entscheidende Bedeutung zu, mit ihnen kommt der Erfolg - oder er geht. Was jedoch macht eine richtige Führungskraft aus?

Die Geschichte von Narziss
Weil ihm die echte Anerkennung seiner Eltern verwehrt blieb, verliebte sich Narziss, der Sohn des Flussgottes Kephissos, in sein eigenes Spiegelbild. Er irrte durch die Welt, überall auf der Suche nach Möglichkeiten, sich zu spiegeln und zu bewundern.

Am Ende der Sage kommt er zu einem See, sieht sein Spiegelbild in der Wasseroberfläche und ist so entzückt davon, dass er es berühren will. Er beugt sich nach vorne - und in dem Moment er das Wasser berührt, zerfällt sein Bild.

Das Bildnis zeigt das eigentliche Drama des Narzissten: Es ist nicht die Selbstverliebtheit, sondern die tiefe Überzeugung: „Wenn ich mit mir in Berührung komme, dann zerfalle ich - dann bin ich Nichts". Um sein Leben zu retten, muss der Narzisst vor jeder Berührung mit sich selbst fliehen - und seine Rettung im äußeren Superlativ suchen. Denn wer im Inneren nichts ist, muss im Außenbild alles sein.

Mit fehlendem Selbstwert sinkt der Unternehmenswert
Scheinbar starke Patriarchen, schillernde Unternehmerpersönlichkeiten, Hasardeure - es gibt unzählige Beispiele, die uns den Narzissmus in den Führungsetagen vor Augen führen.

Manchmal gelingt es, ein Unternehmen so zum Erfolg zu führen. Doch dieses Phänomen ist in der Regel nur von kurzer Halbwertszeit und führt selten zu nachhaltigem Wachstum und meist zu tiefen Wunden, an denen die Unternehmenskulturen noch Jahre später schwer zu tragen haben - mit allen damit verbundenen Einbußen und Lähmungen für die Zukunft.

In über 80 % Prozent aller Fälle scheitern Unternehmen an den unbewussten Minderwertigkeitsgefühlen ihrer Führungskräfte, die sich auf der Flucht vor sich selbst, durch Erfolg zu retten versuchen, den Blick für die Realität verlieren, und ohne es zu bemerken, das Unternehmen lahm legen. Eigentlich braucht es nicht viel - doch was macht dieses wenige aus? Was machen narzisstische Manager falsch oder - was machen starke Führungskräfte richtig?

Stärke nicht mit Macht verwechseln
Wer aus Stärke führt, der wird seine Mitarbeiter stärken. Wer mit Macht führt, führt seine Mitarbeiter sukszessive in die Ohnmacht und das Unternehmen in die Lähmung. Über 70 % der Führungskräfte versuchen die eigene Minderwertigkeit und innere Ohnmacht durch die Macht ihrer Position unbewusst zu kompensieren und verwechseln Macht mit Stärke. Stärke zeigt sich jedoch nicht durch Position, sondern durch Person.

Dialogfähig sein
Grundlage für erfolgreiche Führung ist die Fähigkeit zum Dialog. Die Fähigkeit, sich für das Gegenüber zu interessieren und der Welt offen auf Augenhöhe zu begegnen. Dialog heißt nicht gleicher Meinung zu sein, wohl aber sich für die Meinung des anderen zu interessieren. Jede Entscheidung, die nicht durch einen Dialog sondern durch monologische Ansage aufgrund von „oben sticht unten" getroffen wurde, schwächt am Ende alle Beteiligten. Dies lähmt alles, was das Unternehmen für einen Erfolg benötigt: Kreativität, Innovation, Selbstwirksamkeit, Schaffens- und Gestaltungsfreude und Leistungswille.

Dem Gegenüber offen begegnen
Es klingt paradox, aber nur wer sich für sich selbst interessiert, kann sich auch für andere interessieren. Starke Führungskräfte kennen ihren Wert und sind an ihrem Gegenüber interessiert, schwache Führungskräfte fühlen sich bedeutungslos, drehen sich um sich selbst und erwarten dies auch von ihrer Umwelt. Die eigene Welt wird zum Maßstab für alle - Innovation wird auf diese Weise im Keim erstickt.

Selbstreflexion und Veränderung
Selbsterkenntnis ist die Grundlage für Selbstbewusstsein. Mehr als 50 Prozent aller Führungskräfte sind nicht bereit, sich zu verändern. Und noch schlimmer: Viele Manager gestehen zwar Fehler ein - doch lassen der Erkenntnis keine Veränderung folgen. So werden die eigenen Schattenseiten durch die rationale Erkenntnis nur besiegelt - und die Frustration auf Seiten der Mitarbeiter wird weiter erhöht. Innovation und Weiterentwicklung kann nur dort geschehen, wo der Mensch auch bereit ist, sich selbst zu verändern.

Glauben ist alles
In vielen Unternehmen herrscht Stillstand, weil durch Fehlverhalten von Führungskräften der Glaube verloren gegangen ist. Geht der Glaube verloren, geht die Bindung an das Unternehmen verloren - und damit Leistungsbereitschaft. Innere Kündigung, Fehltage und für Arbeitgeber teure Fluktuation sind die Folge.

In der Regel verlieren Mitarbeiter hierdurch zuerst den Glauben an die Führung, dann an die Sache - und am Ende sogar an sich selbst. Führung muss für die Sache inspirieren und motivieren. Sie muss Glauben entfachen - dies können nur diejenigen, die auch an sich glauben.

In einer Zeit des harten Wettbewerbs und der Globalisierung kommt der Wahl von Führungskräften und Mitarbeitern die entscheidende Rolle zu. Erfahrung, Referenzen, Fachkenntnisse sind dabei die eine Sache - was jedoch eine wesentlich zentralere Rolle spielt ist die Frage: Ist die Person, die das Unternehmen führen soll, dialogfähig?

Handelt es sich um eine Person, die genügend Selbstwert besitzt, um den Wert des Unternehmens zu steigern? Die ausreichend „Ich" besitzt, um „Wir"- fähig zu sein? Generell lässt sich feststellen, dass langfristig erfolgreiche Unternehmen immer von mutigen und selbstbewussten Führungskräften gemanagt werden, die um der Sache willen handeln und die sich und ihrer Umwelt auf Augenhöhe begegnen.

Die stark genug sind, die Konsequenzen ihrer Entscheidungen zu tragen und bereit sind, ihre Position zu verlieren, weil sie ausreichend eigenen Wert besitzen - unabhängig von Erfolg oder Misserfolg. Aber es braucht auch mündige Mitarbeiter und mündige Personaler, die über ausreichend eigene Substanz verfügen und dazu in der Lage sind, selbstbewusst zwischen Schein und Sein zu unterscheiden.

10 Gründe, warum Führungskräfte versagen

  1. Sie begegnen sich selbst nicht auf Augenhöhe.
  2. Sie sind dialogunfähig.
  3. Sie schwächen das Unternehmen durch ihren fehlenden Selbstwert.
  4. Sie verleugnen ihre Ängste.
  5. Sie verwechseln Macht mit Stärke.
  6. Sie handeln um ihrer selbst Willen anstatt um der Sache Willen.
  7. Sie fliehen vor ihren Emotionen.
  8. Sie meinen nicht, was sie sagen und sagen nicht, was sie meinen.
  9. Sie verwechseln Erkenntnis mit Veränderung.
  10. Sie verwechseln „Ich" mit „Wir" und machen sich zum Maßstab der Welt.


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