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Mira beleuchtet: Frank-Walter Steinmeier

Veröffentlicht: Aktualisiert:
FRANK WALTER STEINMEIER
Hannibal Hanschke / Reuters
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Interessante Einblicke in die Handlungsmotivation prominenter Persönlichkeiten. Im Wahlkampf für die Bundestagswahl 2009 wurde SPD-Kandidat Steinmeier von einer großen Sonntagszeitung gefragt, ob er Wünsche für das Foto-Shooting, es ging um das für die Zeitung typische Aufmacher-Interview.

Hatte er: Steinmeier bat darum, mit einem lebenden Elefanten fotografiert zu werden. Den stellte man ihm dann auch prompt zur Seite - mitten auf dem Tempelhofer Feld im Herzen von Berlin.

Wie passend: Kaum ein anderes Tier spiegelt die Kernqualitäten des sympathischen Politikers deutlicher wider als ein Vertreter dieser erhabenen, grauen Dickhäuter: Elefanten haben ein ruhiges, ausgeglichenes Gemüt. Sie vergessen nichts. Und sie haben keine natürlichen Feinde.

Hin und wieder gelingt es Politikern ebenso wie Wirtschafts-Managern, eine Marke zu werden. Wir denken dabei vielleicht an John F. Kennedy oder Nelson Mandela, an Apple-Chef Steve Jobs oder Virgin-Boss Richard Branson.

Was sie vereint: sie gelten bis heute als erfolgreiche, innovative und vorbildhafte Manager ihres Landes oder ihres Unternehmens. Ihre Wirkung entspringt ihrer Persönlichkeit, durch sie werden sie zur Marke. Welche Persönlichkeit hat Frank-Walter Steinmeier? Wofür steht er? Und liegt darin das Geheimnis seines Erfolgs? Nicht umsonst liegt er bei Umfragen zu den beliebtesten Politikern Deutschlands seit Jahren im Ranking ganz weit oben.

Die Persönlichkeit eines Menschen zu erschließen, ist wie die Arbeit an einem spannenden Puzzle: Erst wenn alle Teile zusammengesetzt sind, sehen wir das ganze Bild.

Das Profil von Frank-Walter Steinmeier, den alle in seinem Fußballverein, dem TuS Brakelsiek, nur „Prickel" nannten, entspricht dem Charakter eines Menschen, der ein erstaunliches Einfühlungs- und Anpassungsvermögen besitzt.

Über ihn ist bekannt, dass er unterschiedlichste Standpunkte akzeptiert und nachzuvollziehen sucht, anderen Menschen offen und vorurteilsfrei begegnet und nicht sie (ver)urteilt. Er gilt als nett, sympathisch und zugewandt - und zudem als exzellenter Zuhörer.

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Was viele Bürgerinnen und Bürger an ihm schätzen und mögen, ist seine Bescheidenheit: Er nimmt sich selbst nicht wichtig und spielt sich nicht in den Vordergrund. Das kommt gut an - nicht nur in Deutschland.

Diese Eigenschaften weisen darauf hin, dass der engagierte, beharrliche und ausgleichende Politiker von der intrinsischen Motivation Harmonie angetrieben wird. Der innere Antrieb des Menschen wird von der Psychologie bis dato nicht hinreichend spezifiziert.

Man spricht lediglich von einem Zustand, bei dem wegen eines inneren Anreizes, der in der Tätigkeit selbst liegt, von einem inneren Empfinden gesprochen wird, der als Flow übersetzt werden kann. Dabei ist es sehr wohl möglich, das Geheimnis des inneren Antriebs zu entschlüsseln: indem wir betrachten, wie die intrinsische Motivation im Verhalten eines Menschen sichtbar wird.

Der beharrliche Frank-Walter Steinmeier

Bei Frank-Walter Steinmeier ist es die Qualität der Beharrlichkeit: Er ist darauf bedacht, Wogen zu glätten, für den Ausgleich von Energien zu sorgen, unterschiedliche Interessen zusammenzubringen, Harmonie herzustellen.

Das sind Eigenschaften, die ihn sowohl für die Position des Kanzleramtsleiters als auch für das Amt des Außenministers prädestinierten. Schlussendlich führten sie dazu, dass er parteiübergreifend als zukünftiger Bundespräsident Zustimmung findet.

Die Wirkung einer Persönlichkeit beinhaltet ein Versprechen, das ein Mensch an seine Umwelt abgibt: Wofür stehe ich und was kann die Welt von mir erwarten? Frank-Walter Steinmeier steht für innere Ruhe und das bedachte Bedenken eines nächsten Schrittes. Eigenschaften, die er beim Bergesteigen in Tirol ebenso an den Tag legt wie beim Rasenmähen im Garten des Familienheims in Berlin-Zehlendorf.

Oder beim Aufbauen eines Ikea-Regals: Ihn bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Der Politiker aus Leidenschaft gilt als ruhiger Fels in der Brandung. In Zeiten, in denen ein Hitzkopf wie Ex-Kanzler Gerhard Schröder so manches Porzellan zerschlagen hat, stand Frank-Walter Steinmeier für die Qualität, die Scherben wieder zusammenzufegen.

Er legte das Talent an den Tag, langwierige Verhandlungen zu einem für alle Seiten guten Abschluss zu bringen. Kein Wunder: Er wird bis heute als „graue Eminenz" bezeichnet - der Elefant lässt grüßen.

Doch wie alles im Leben hat jede Persönlichkeit auch ihre Schattenseiten. Menschen, die von der intrinsischen Motivation Harmonie gesteuert werden, nehmen sich selbst nicht wichtig. Ihnen fehlen dementsprechend Ecken und Kanten.

Sie haben gelernt, ihre eigenen Bedürfnisse zum Wohle des Ganzen zu unterdrücken und stellen ihr eigenes Licht eher unter den Scheffel. Dieser innere Mechanismus äußert sich in Trägheit, dem chinesischen Wu-Wei, das wir als „Handeln durch Nicht-Handeln" übersetzen können.

Harmoniegesteuerte Menschen haben es sich in ihrem Leben gemütlich gemacht. So überrascht es nicht, dass Frank-Walter Steinmeier den Roman „Die Entdeckung der Langsamkeit" von Sten Nadolny als eines seiner Lieblingsbücher bezeichnet.

Die Dosis macht das Gift: Im Wahlkampf 2009 vermissten die Genossen bei ihrem Kandidaten die Fähigkeit, auf den Tisch zu hauen, mit harten Bandagen zu kämpfen und einen kraftvollen Weg aufzuzeigen.

Die Achillesferse der Persönlichkeit Steinmeiers liegt darin, sich in haarigen Situationen nicht vom Fleck zu bewegen oder gar einem Konflikt auszuweichen - wie ein Elefant, der sich umdreht und in den Sonnenuntergang davontrottet.

Menschen, die Frank-Walter Steinmeier persönlich kennen und mit ihm zusammengearbeitet haben wissen, dass er auf Druck äußerst empfindlich reagieren kann: Ungeduld begegnet er mit passiv-aggressivem Widerstand.

Wer als (Polit-)Manager nachhaltig wirken will tut gut daran, sich seiner intrinsischen Motivation - mit ihren guten und ihren Schattenseiten - bewusst zu sein. Denn ob gewollt oder ungewollt: Diese werden in seinem Verhalten und seinem Auftreten sichtbar und geben ein Markenversprechen ab.

Manager und Politiker sind nicht nur personifizierte Träger ihrer Haltung und ihrer Talente, sondern auch ihrer Handlungsmotivation, genauer: ihrer intrinsischen Motivation. Damit senden sie eine Botschaft an die Gesellschaft. An der sie letztlich auch gemessen werden.

Jeder Mensch, der eindeutig und im Sinne seiner Persönlichkeit authentisch handelt, wird zu einer Marke. Am Beispiel von Frank-Walter Steinmeier skizziert: Einer Marke, die nachhaltigen Erfolg generieren kann, wenn sie konsequent gelebt wird. Darauf einen - von Ihnen so geschätzten - Gin-Tonic, Herr Bundespräsident!

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