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Wie Florence Erugudu HIV den Kampf ansagte. Eine Geschichte aus Uganda

30/11/2013 11:45 CET | Aktualisiert 30/01/2014 11:12 CET

Morgen ist Welt-Aids-Tag. Daher erscheint heute unser letzter Teil der gemeinsamen Blog-Serie mit der Huffington Post Deutschland zum Thema. Im Sommer war die Schauspielerin, Moderatorin und langjährige ONE-Unterstützerin Minh-Khai Phan-Thi mit ONE und Tim Mälzer und Rea Garvey in Uganda. Dort hat sie die HIV-positive Florence getroffen, die den aussichtslos scheinenden Kampf gegen Aids gewonnen hat.

Stolz zeigt Florence ihren eigenen kleinen Bauernhof. Hätte man ihr vor zehn Jahren gesagt, dass sie heute hier, auf ihrem eigenen Grund und Boden mit ihren eigenen Hühnern und Schweinen stehen wird, sie hätte es wohl nicht geglaubt. Dass sie heute sich selbst und ihre Familie versorgen kann, ist eine der beeindruckenden Erfolgsgeschichten, die ich auf meiner Ugandareise mit ONE sehen durfte.

Uganda-Reise mit Rea Garvey, Tim Mälzer und Minh-Khai Phan-Thi - 1.-5. Juli 2013

Stolz zeigt Florence ihren kleinen Bauernhof, mit dem sie jetzt ihre Familie ernähren kann.

Foto: ONE/Karoline Lerche

Zusammen mit Tim Mälzer und Rea Garvey bin ich im Juli dorthin gereist, um die Wirkung von Entwicklungszusammenarbeit vor Ort unter die Lupe zu nehmen. Wir haben hingeschaut, zugehört, nachgefragt und vor allem gestaunt über die vielen Erfolgsgeschichten, die Uganda zu erzählen hat. Die Geschichte von Florence ist so eine.

Florence ist 49 Jahre alt und HIV-positiv. Mit Mitte Dreißig hat sie erfahren, dass sie und ihr Mann an HIV erkrankt sind. Nicht viel später, vor knapp zehn Jahren, hat sie ihren Mann an das Virus verloren. Als er starb, blieb sie mit den sechs Kindern allein zurück. Die Familie ihres Mannes wollte Florence nach dessen Tod aus dem vormals gemeinsamen Haus werfen. Florence hatte keinerlei Hoffnung mehr, gesund in ihrem Haus zu altern. Dann ging sie zu TASO.

Die Organisation TASO, The Aids Support Organisation, kümmert sich um Menschen wie Florence. Sie bekam erst einmal dringend benötigte lebensrettende Aids-Medikamente. Außerdem erhielt sie von der Organisation juristischen Beistand, um die Eigentumssituation zu klären. Darüber hinaus sollte ihr ein kleines „Startkapital" von zwei Hühnern und einem Ferkel bei ihrem Neuanfang helfen. Florence zeigte Unternehmergeist und innerhalb von wenigen Jahren ist daraus ein kleiner Bauernhof erwachsen, der die ganze Familie ernähren kann.

Uganda-Reise mit Rea Garvey, Tim Mälzer und Minh-Khai Phan-Thi - 1.-5. Juli 2013

TASO leistet nicht nur Beratung und medizinische Behandlung. Es gibt auch ein Waisenhaus für Kinder, die ihre Eltern an die Krankheit verloren haben.

Foto: ONE/Karoline Lerche

Florence hat eine schlimme Zeit hinter sich. Bevor ich Florence traf, dachte ich, dass es verdammt schwer sein muss, über die Krankheit und über den Tod seines Liebsten zu sprechen. Aber während Florence uns ihre Geschichte erzählt, in ihrer kleinen Küche, merke ich, dass es ihr gut tut. Sie ist stolz auf das, was sie erreicht hat. Sie weiß, dass ihre Geschichte Hoffnung geben kann und die Leben von vielen anderen HIV-positiven Menschen verbessern kann. Mehr noch: Sie weiß, dass nur ein offener Umgang mit der Krankheit davor schützen kann. Deshalb ist zu einer führenden Aktivistin gegen HIV/Aids in ihrer Gemeinde geworden. Eine gute Autostunde vom TASO Center entfernt ist sie die Repräsentantin der Organisation in ihrer Gemeinde - sie berät und verteilt Medikamente. So müssen die Menschen nicht die lange Reise ins Gesundheitszentrum auf sich nehmen.

Morgen jährt sich der Welt-Aids-Tag zum 25. Mal. In diesen 25 Jahren ist viel passiert - auch in Uganda: Während 1990 noch 20 Prozent der Erwachsenen in Uganda mit der Krankheit infiziert waren, sind es heute nur noch 7,2 Prozent. TASO steht sinnbildlich für den Erfolg im Kampf gegen HIV/Aids. Inzwischen erreicht das TASO-Zentrum in der Stadt Entebbe mehr als 24.000 Patienten. TASO wird mitfinanziert von Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria, dem wirkungsvollsten Instrument der Entwicklungszusammenarbeit weltweit. Über die Erfolgszahlen des Globalen Fonds habe ich schon immer gestaunt: 11,2 Millionen Tuberkulosefälle wurden erkannt und behandelt, über 340 Millionen Familien werden durch insektizidbehandelte Bettnetze vor Malaria geschützt und 6,1 Millionen Menschen erhalten lebensrettende Aids Medikamente. Ich kenne jetzt eine von ihnen persönlich.