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So sehr schadet Infopost wirklich

12/01/2016 09:57 CET | Aktualisiert 12/01/2017 11:12 CET
Andy Reynolds via Getty Images

Schlüssel rein, Briefkasten auf: Rechnung, Rechnung, Postkarte, Infobrief. Bei dem Anblick der Infopost rollen meine Augen so sehr, dass ich manchmal die Befürchtung habe, sie bleiben in diesem Zustand stecken.

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Hand aufs Herz: Wer von Euch liest sich Infopost noch wirklich durch?

Der Brief wird geöffnet und landet nach etwa 20 Millisekunden im Papierkorb. Der Übeltäter ist in der Regel die ADAC Infopost. Die Briefe kommen selbstverständlich mit angefügtem und freundlicherweise vollständig ausgefülltem Überweisungsbeleg.

Soll das für die ältere Gesellschaft unter uns vielleicht wie eine Zahlungsaufforderung aussehen? Lassen wir das mal so im Raum stehen.

Leider hat dieser Brief in der Regel noch Anhänge: Serviceheft, noch mehr Werbung, Rücksendeumschläge.

Durch die E-Mail Spamming Funktion ist mein Gehirn als Spam-Filter für Infopost vorprogrammiert.

Die „allzu informative" und „gern gelesene" Ausgabe der ADAC Motorwelt, die 90 % der Empfänger nicht einmal aufblättern, wird in der nachfolgenden Rechnung nicht berücksichtigt. „Wurstblatt" wurde sie übrigens von einem Blogger liebevoll genannt. Vollgekleistert mit Werbung und Autovergleichen, weil man sich ja in der Regel einmal im Monat überlegt, ein neues Auto zu kaufen.

Ich habe mir mal die Freiheit genommen, diese Verschwendung in Zahlen auszudrücken:

1. 19 Millionen Mitglieder

Laut des Statistikportals Statista hat der ADAC knapp 19 Millionen Mitglieder. Bei einer deutschen Gesamtbevölkerung von etwa 81 Millionen Menschen hat Deutschland laut statistischem Bundesamt etwa 40 Millionen Haushalte. Wir können davon ausgehen, dass der Versand der Infopost an Haushalte erfolgt, da einige sicher eine Partner- oder Familienversicherung abgeschlossen haben. Daraus erschließt sich, dass Infobriefe an etwa 9,5 Millionen Haushalte versandt werden.

2. Porto

Ein Infopost Standardbrief kostet im Versand 0,28 €. Das multipliziert mit 9,5 Millionen ergibt eine Summe von etwa 2,6 Millionen € für einen Schub Briefe.

3. Papier

100.000 Blätter Kopierpapier kosten im Großhandel 535,50 €. Es werden in der Regel mindestens 3 Blätter Papier mitgesandt. Ich beachte jetzt nicht den Mehraufwand für Broschüren etc. - nur billiges Kopierpapier. Also: 50.872,50 € je Blatt, bei je 3 Blättern wären das geschlagene 152.617,50 €.

4. Briefumschläge

1.000 Briefumschläge kosten etwa 16,49 €. Ergibt 156.655,00 € bei 9,5 Millionen Briefen.

5. Druckkosten

Die Farb-Druckkosten eines Farblasers betragen etwa 3 Cent, abhängig vom Gerät. Bei 3 Seiten, ergibt das 285.000,00 € nur für den Aufdruck des Papiers, das ohnehin nicht gelesen wird.

Summa summarum ergibt das etwa 3.254.272,50 € für einen Infobrief an alle Mitgliederhaushalte. Man beachte hierbei, dass man jährlich mehr als nur einen Infobrief bekommt.

Die Marketingabteilung scheint wohl in der Jahrtausendwende stecken geblieben zu sein. Ich empfehle den Zuständigen mal das Wort „E-Mail" zu googeln - für den Fall, dass es so etwas wie Internet in den entsprechenden Büros gibt.

Wenn sich der ADAC also mal entscheiden würde, auf einen einzigen Infobrief pro Mitglied zu verzichten, könnte er theoretisch 3,3 Millionen € an Kindergärten, Pflegeheime oder Flüchtlingsunterkünfte spenden.

Deutschlandweit sind im Jahr 2011 12 Milliarden € nur für adressierte Werbesendungen entfallen. Das muss man sich mal vor Augen halten.

Im Jahr 2009 wurde Deutschland sogar als Papierverschwender Nummer 1 gekürt. Und im Jahr 2012 wurden 250 kg Papier pro Kopf verbraucht. Mit Klimaschutz hat das rein gar nichts zu tun.

Aber alleine möchten wir den ADAC hier natürlich nicht stehen lassen. Das gleiche spiegelt sich in etlichen Unternehmen wieder, die auch unnötige Infopost verschicken oder anderweitig extrem verschwenderisch mit der wertvollen Ressource Papier umgehen.

Hier sind ein paar Beispiele:

  • Die Deutsche Bahn: Fahrplanauskünfte, die man sich an jedem Automaten sogar kostenlos auf besonders hochwertigem Papier ausdrucken kann. Gegenvorschlag: Wenn man etwas dafür bezahlen müsste, würden sich einige sicher noch mal überlegen, ob sie sich das Gleis nicht 1 Minute lang merken können.

  • Amazon: Oft werden viel zu große Kartons für kleine Teile verschickt. Damit auch nichts zu Bruch geht, wird der Hohlraum mit unnötig viel Paper gefüllt. Wie wäre es mit altem Zeitungspapier, kleineren Kartons, etc.?

  • Unity Media: Der Kabelnetzbetreiber Unity Media verschickt so viel Infopost, dass diese von der Mehrheit der Empfänger schon gar nicht mehr geöffnet wird.

Was können Sie als Verbraucher tun?

Sie können sich an das Unternehmen wenden und dieses auffordern, Ihnen zukünftig keine Werbebriefe mehr zuzusenden. Das Unternehmen ist an diesen Widerspruch gebunden und kann bei Missachtung z. B. von Wettbewerbs- oder Verbraucherschutzverbänden abgemahnt werden.

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