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Hausgemachter Rassismus in Kinderköpfen

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NAZIS
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Am 1. Mai ging es in Deutschland hoch her, so auch in Bochum. 180 Anhänger der rechtsextremen NPD und rund 2.400 Gegendemonstranten haben sich in Bochum klar positioniert. Neben gewalttätigen Übergriffen musste die Polizei auch zu Pfefferspray greifen.

Kinder im Zentrum des Geschehens

Bei den Demonstrationen waren aber nicht nur Erwachsene vor Ort, sondern auch Kinder. Kinder, die denken, das Verhalten der Erwachsenen sei richtig. Kinder, die sich Vorbilder suchen, um Klarheit und Strukturiertheit in ihr Leben zu bringen. Und Kinder, die sich an der Lebensweise ihrer erwachsenen Vorbilder orientieren.

In Zeiten der AfD und NPD muss leider nicht mehr diskutiert werden, ob einige unserer Mitbürger rechtes Gedankengut mit sich tragen. Sie tun es. Aber noch viel schlimmer: Sie erziehen die Generation von Morgen.

"Wenn die Flüchtlinge mitspielen, spiele ich nicht mit"

Vor kurzem habe ich als Vertretungslehrerin einer Grundschule gearbeitet. In der Turnhalle an den Schulhof angrenzend leben Flüchtlingsfamilien mit ihren Kindern. Einige der Kinder gehen sogar mit in den regulären Schulunterricht und machen irrsinnige Fortschritte.

Der Großteil der einheimischen Kinder ist sehr aufgeschlossen. Aber diejenigen, die am lautesten brüllen, tragen bereits im zarten Alter von 8 oder 9 Jahren fremdenfeindliches Gedankengut mit sich.

Manchmal hörte ich Sätze von den Kindern, bei denen mit der Atmen steckenblieb. Sätze wie „Ich komme nicht mit schwimmen, wenn die Flüchtlinge mitkommen" oder „Wenn die Flüchtlinge mitspielen, spiele ich nicht mit" stehen bei manchen Kindern an der Tagesordnung.

8-jährige sind keine Geburtsstätte von Rassismus - aber eine Brutstätte.

Oft sind Eltern oder vertraute Menschen der zündende Brennstoff eines solchen Gedankenguts, das sich wie ein Lautfeuer durch die Köpfe der Kinder brennt und andere Kinder ansteckt.

Hausgemachter Rassismus reift leicht in Kinderköpfen heran, denn Kinder hinterfragen die Weltansichten ihrer Eltern nicht. Für sie sind Eltern heilige Menschen, die alles wissen und können. Wenn also zu Hause die Suppe mit Ablehnung, Wut und Aggression gegen Flüchtlinge oder Migranten gekocht wird, dann ist es nicht verwunderlich, dass Kinder diese Emotionen annehmen und an anderer Stelle ans Licht bringen, z. B. in der Schule.

Ist das die Generation, die unsere Zukunft gestalten wird? Werden diese Kinder morgen Politik und Wirtschaft bestimmen?

Inständig hoffe ich, dass durch Bildung und hoffentlich auch durch Medien in Zukunft ein offener und toleranter Ton angeschlagen wird.

Auch reflektiertes Denken sollte eine Daseinsberechtigung im Schulunterricht haben, genauso wie Mathe und Deutsch. Denn offensichtlich ist es das, was bei manchen Kindern zu Hause besonders fehlt.

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