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Was die "Schlampe" zur "Heiligen" macht

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SEXY SISTER CHURCH
Kladyk via Getty Images
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"Wir stellen fest, dass Frauen immer noch als Schlampe dastehen, wenn sie sich sexuell nicht festlegen wollen. Typen nicht." soweit das Zitat von Sabine Heinrich aus der Sendung frauTV.

Männer lieben versaute Frauen. Das steht fest. Sie lieben aber auch die Mutter ihrer Kinder, also das Mütterliche in der vertrauten (vielleicht angetrauten) Frau. Schließlich war die Mutter die erste Frau in ihrem Leben. Und sie lieben die Heilige, die edel und gut ist und sich nicht gleich von jedem flach legen lässt. Das am besten alles in einer Person!?

Dass wir von einem Mann erwarten, er könne beim Geschlechtsverkehr sein Herz öffnen, steht gar nicht zur Debatte. Männer können sich mal eben Erleichterung verschaffen, ohne eine Frau dabei in ihr Herz zu lassen. Männer können sehr gut unterscheiden, ob sie in eine Frau mehr investieren wollen oder eine Lady mal eben unverbindlich benutzen möchten. Sex ohne Herz, Sex ohne Liebe ist möglich. Ist es auch das, was wir suchen? Das unverbindliche Gepoppe?

Die meisten Frauen müssen erst ihr Herz öffnen, bevor sie "Liebe machen" können. Die Energie fließt dabei zum Herzen des Mannes. Hat dieser sein Herz auch geöffnet, steht einer Liebesverbindung nichts im Wege. Trifft eine solche Frau allerdings auf einen Mann, der sich nicht öffnen kann, dann gibt sie Energie ab und, wenn sie Pech hat, bekommt sie auch noch den ganzen aufgestauten Müll zwischen die Beine geschoben. Danach fühlt sie sich in der Tat leer und fad oder sogar missbraucht.

Immer mehr Frauen lernen also, ihr Herz genauso dicht zu machen, wie die Männer es seit jeher tun. Sie stehen auf den unverbindlichen sexuellen Kontakt und geben sich der Oberflächlichkeit hin. Ist es da verwunderlich, dass diese Frauen meist von den eigenen Artgenossinnen als Schlampe betitelt werden?

Ich bewundere die Schlampen unserer Zeit, weil sie sich nehmen, was sie können und sie dabei wohl auch zum Orgasmus kommen. Bei mir ist das noch nie so leicht gewesen. Denn ich möchte den Mann mit dem ich schlafe, erfassen, am liebsten mit Haut und Haaren. Möchte durchlässig sein für die Energie und Positives aufnehmen. Weder habe ich Interesse daran, den Mann als Mülleimer zu betrachten, noch möchte ich Mülleimer für überschüssige Samenproduktion sein. Deshalb zeige ich noch lange nicht jedem Mann, wie ich aussehe, wenn mein Orgasmus mich erlöst.

OK. Ich gebe es zu: Ich lebe immer noch in der idealen Welt der allumfassenden Liebe. Ich glaube immer noch daran, dass Liebe ohne Sex wertvoller ist, als Sex ohne Liebe. Doch das ist ja nur meine Sicht der Dinge. Vielleicht bin ich altmodisch.

Zu allen Zeiten war und bis heute ist es so, dass es die Huren sind, die sich den Verschluss ihres Herzens mit Geld bezahlen lassen. Es gibt einige, die es schaffen, ihr Herz verschlossen zu halten. Wie wir aus vielen Berichten wissen, geht dieser Ausgleich jedoch nicht an allen Frauen spurlos vorbei.

Was ist nun der Unterschied zwischen einer Schlampe und einer Hure? Die Schlampe wählt frei und lebt in ihrer Art der Fülle. Die Hure finanziert sich ihr Leben und kann sich in der Regel ihre Freier nicht aussuchen, sondern wird ausgesucht. Beide halten ihr Herz möglichst geschlossen, damit es nicht verletzt wird.

Oder? Stellen wir uns einmal vor, die vermeintliche Schlampe oder Hure macht bei jedem Mann ihr Herz auf. Gibt sich dem hin, der ihr zusagt und schafft es, aus der Fülle des verschlossenen Mannes zu schöpfen, um ihn zu öffnen. Und das, ohne dabei verletzt zu werden und ohne Angst vor der Verletzung. Einfach im Fluss des Lebens stehend. Dann wäre jedoch die Bezeichnung falsch: Diese Frauen wären keine Schlampen oder Huren, sondern Heilige.

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