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Erstelle keinen Lebensplan - Lebe 7 Leben

08/08/2015 20:59 CEST | Aktualisiert 08/08/2016 11:12 CEST
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Katzen haben 7 Leben

Katzen haben keinen Lebensplan. Sie haben 7 Leben. Hast du schon mal betrübte Katzen gesehen? Oder Katzen mit Burnout? Werden Katzen auf den "Ernst des Lebens" vorbereitet? Müssen sie "erwachsen werden"? Werden sie als Träumer verklärt, nur weil sie stundenlang mit Stoffkugeln auf dem Fußboden spielen? Müssen Katzen sich die Haare schneiden? Oder sich ein Beispiel an anderen Katzen nehmen, die dies oder jenes angeblich besser machen?

 

Sie haben 7 Leben. Genug Zeit also, um auch ohne Lebensplan die beste Version ihrer selbst aus sich heraus zu polieren.

 

Kinder besitzen naturgemäß das, was wir "Anfängergeist" nennen und leben unbeschwert

 

Hast du schon mal gestresste Kleinkinder gesehen? Oder Kinder mit Burnout beim Arzt sitzen? Kinder leben unbeschwert. Sie verbauen sich nicht die Sicht auf die Dinge durch "Vergleiche" oder verschrobenes "um-drei-Ecken-denken".

Sie reden frei Schnauze, wie es ihnen passt. Wir gewähren es ihnen, da sie es aus kindlicher Unschuld tun.

Sie besitzen naturgemäß das, was Erwachsene sich erst wieder krampfhaft angewöhnen müssen:

Den Anfängergeist

Dieser ist Voraussetzung, um die Dinge unvoreingenommen wahrnehmen zu können. Er ist der Ausgangspunkt unserer Kreativität.

 

Das beste aus Katzen und Kindern

Katzen und Kinder verbauen sich nicht mit Lebensplänen ihre naturgegebene Intuition, welche sie sicher durchs Fahrwasser des Lebens führt. Solange wir ihnen nicht unsere Pläne aufzwingen, kommen sie so gut zurecht.

Die ideale Kombination wäre, die kindliche Unbeschwertheit und den Anfängergeist über die Dauer der 7 Leben einer Katze aufrechtzuerhalten ;)

 

Deine 7 Leben

 

#Erstes Leben

Du betrittst die Bühne des Lebens. Alles ist neu für dich. Du bist ahnungslos. Frei von Erwartungen und Vorurteilen. Du kennst die Dinge nicht. Weißt nicht ihre Namen. Kennst nicht ihre Farben und ihre Bestimmung. (Wahrscheinlich) zerbrichst du dir nicht den Kopf über Belanglosigkeiten. Deine Gedanken sind rein. Du befindest dich in einem Zustand der Leere.

Du lebst den wahren Anfängergeist. Du lebst kinderleicht den Zustand, den wir später als Erwachsene krampfhaft wieder zu erlangen versuchen. Du lebst den "Spirit of Zen" und weißt es nicht mal. Ob es Menschen gibt, die sich an diesen ersten Abschnitt ihres Lebens erinnern?

Du lässt dich nochmal verwöhnen, bevor es richtig losgeht. Du musst noch nichts selber machen.

 

#Zweites Leben

Du beginnst die Welt zu entdecken. Du machst deine ersten Schritte. Du erforschst deine Umwelt, indem du sie ertastest. Indem du sie erkriechst und alles in den Mund steckst, was dir in die Hände kommt. Du formst die ersten Silben und gibst den Dingen Namen. Du lernst spielend jeden Tag jede Menge neuer Skills hinzu. Du saugst Input auf, wie der Schwamm das Wasser. Du isst ununterbrochen und alle paar Wochen wechselst du die Kleidergröße.

Du lebst Wachstum in allen Lebensbereichen. Du tust nichts aus irgendeiner Absicht heraus. Du tust es instinktiv. Deine Seele ist (noch) rein. Du denkst nicht über drei Ecken.

Du lernst Mama und Papa sagen. Zu muhen wie eine Kuh. Zu miauen wie eine Katze.

Du beginnst in abwaschbaren Büchern zu blättern.

 

#Drittes Leben

Du lernst aufrecht zu gehen und zu sitzen. Du redest frei Schnauze heraus, wie es dir passt. Du ziehst keine Vergleiche und wägst nichts ab. Du besitzt das, was man "kindliche Unschuld" nennt. Du lebst immer noch naturgemäß den Anfängergeist. Später, "wenn du endlich erwachsener werden solltest", wird man versuchen dir das Recht deiner kindlichen Unschuld abzusprechen.

Falls du es jemals abgegeben hast, hol es dir zurück! Und behalte es bis ans Ende deiner Lebensreise.

Auch wenn du stundenlang lachend mit deinen bunten Kugeln auf dem Boden herum rollst, wird dich niemand einen Träumer nennen.

Tu das in deinem fünften Leben und lass uns wissen, wie deine Umwelt darauf reagiert ;)

 

#Viertes Leben

Du musst die ersten Erwartungen erfüllen. Den Kindergarten besuchen. Danach die Schule, das Studium, die Lehre. Du wirst auf den "Ernst des Lebens" vorbereitet. Dir wird nahe gelegt, dein Leben zu (ver)planen. Die Weichen zu stellen... und ähnlicher Unfug. Lass dir nichts einreden. Du brauchst keinen Lebensplan.

Du freust dich auf jeden Geburtstag. Das Leben scheint unendlich lang. Du bist frei von Existenzängsten.

Du sollst einen Weg wählen. Den "richtigen" Partner, die "richtige Partnerin" fürs Leben finden. Erwachsen werden. Dir die Haare schneiden. Den "richtigen" Umgang suchen. Dir ein Beispiel an deinen Klassenkameraden nehmen, die bereits wissen was sie wollen.

---> Mein Vorschlag: Hier ist die beste Möglichkeit auszubrechen. Mach dich vom Acker. Erkunde die Welt. Leb deine Interessen aus. Leb für die Liebe. Oder für eine Vision. Oder beides.

 

#Fünftes Leben

Lebst du deine Interessen aus? Oder hast du dich in eine Schublade pressen lassen?

Falls du dich deinem Lebensplan gemäß in der "richtigen Richtung" befindest: Viel Spaß beim Erwartungen erfüllen die nächsten 45 Jahre.

Oder hast du dir dein Recht auf deine kindliche Unschuld bewahrt? Dann beglückwünsche ich dich zu deinem Freischein, weiterhin als Träumer durch die Welt reisen zu dürfen. Wenn man dich mit 40 immer noch ein großes Kind nennt, dann hast du alles richtig gemacht.

So wird dein fünftes Leben genauso unbeschwert, wie alle anderen.

 

#Sechstes Leben

Dein "goldener Ruhestand". Wenn du schlau warst, hast du nicht dein ganzes Leben vorher auf diesen Moment gewartet. Du hast immer in vollen Zügen gelebt und wirst es auch in deinem sechsten Leben tun. Du wirst dich auf keinen goldenen Lorbeeren ausruhen.

Dein Lebensplan sähe vor, dass du dir nun getrost ein Kissen unter die Ellenbogen legen kannst, und vom Balkonfenster aus die Passanten beobachten.

Zum Glück hattest du nie einen Lebensplan :)

Du tust eigentlich das Gleiche wie in deinem vierten und fünften Leben. Du bist immer noch nicht erwachsen. Vielleicht wirst du´s ja im siebten Leben.

 

#Siebtes Leben

Du lässt deine 7 Leben Revue passieren. Das siebte Leben ähnelt dem dritten und ersten Leben. Du redest wieder frei Schnauze (falls du diese Fähigkeit nach dem dritten Leben verloren hattest). Du machst wieder weniger selber und lässt dich nochmal verwöhnen, bevor du deine nächste Reise antrittst.

 

Du blickst auf all deine Leben zurück. Und du bist froh, dir nicht die Reise mit einem Lebensplan verplant zu haben.

Denn: Die schönsten Blumen wachsen immer abseits ausgetretener Pfade.

 

Fazit

Erstelle keinen Lebensplan. Meist kommt es sowieso anders, als du denkst. Das Leben ist zu kostbar, um es zu verplanen.

Höre stattdessen auf dein Herz. Entwickle eine Lebensvision. Folge dieser Lebensvision. Mit der Zeit entwickelst du die Fähigkeit, Dinge auf den ersten Blick zu durchschauen und den Weg auch ohne Plan zu sehen.

Bewahre deinen Anfängergeist.

Stay foolish!


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