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Sorry Sohn, aber du bist das Problem!

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Jeder hat diesen einen Freund, für den er sich ständig entschuldigen muss.

„Er ist eigentlicht nicht so", oder „Ich schwöre, wenn Du ihn einmal kennenlernst, ist er eigentlich ganz lieb", oder „Er hat einfach einen speziellen Humor!"

Nach einer Weile merkt man schon, dass das trotz einer Freundschaft eine Reihe von Einschränkungen bedeutet. Vielleicht ist es Zeit, dass sich der Kerl endlich selbst für sein Verhalten entschuldigt?

In letzter Zeit denke ich genau so über meinen Sohn.

Er ist dreieinhalb Jahre alt und ich lüge nicht: manchmal kann er wirklich, wirklich anstrengend sein. Das kommt und geht, oft ist er einfach nur glücklich und easy-going. Aber die letzten Monate waren anstrengender als sonst. Er war immer ein Lacher auf Partys, aber in letzter Zeit müssen wir uns nur noch für ihn entschuldigen. Ich sollte sagen: wir mussten uns für ihn entschuldigen.

Als das katastrophale Benehmen anfing - und entgegen der geläufigen Meinung starteten die Terrorjahre bei meinen Sohn nicht in seinem zweiten, sondern dritten Jahr - gingen wir mit Freunden aus und er fing an, sich wie ein Monster zu benehmen. Und ich ertappte mich dabei, wie ich versuchte, sein Verhalten zu entschuldigen.

„Er hat zu wenig Schlaf heute." „Er hat einfach Hunger." „Er mag das helle Licht nicht." „Sorry, wir haben ihm nach Mitternacht noch was zu essen gegeben. Großer Fehler!"

Jetzt, wo er sich immer mehr aufführt, habe ich mich dabei ertappt, wie ich ihm immer mehr die Schuld an seinem Verhalten gegeben.

Natürlich kann man einem Dreijährigem nicht die Schuld geben, sich wie ein Zweijähriger aufzuführen. Aber man kann damit aufhören, sich ständig für ihn zu entschuldigen. Ich habe genug davon, mich für sein katastrophales Verhalten zu entschuldigen.

Also, gestern war ich in einer Bar mit Freunden. Meine Frau war ein bisschen zu spät, Detektiv Much an ihrer Seite, und sie gesellte sich für einen Drink oder zwei zu uns (...mein Sohn stoppte nach zwei). Mein Sohn kannte niemanden am Tisch, aber er wird in der Regel schnell warm mit fremden Leuten. Unglücklicherweise nutzt er das immer aus - ein paar Minuten ignoriert er alle, versteckt sein Gesicht im Nacken meiner Frau und fängt dann irgendwann so laut an zu schreien, dass irgendjemand in seine Richtung schaut. Als ein harter Veteran dieser Ausbrüche und einer, der überhaupt keine Lust mehr auf diese Lebensphase meines Sohnes hat, habe ich aufgehört, das schönzureden.

Statt halbherzige Erklärung für die schlechte Haltung meines Kindes heranzuziehen und damit zu versuchen, auch unsere schlechte Erziehung zu entschuldigen, sagte ich einfach allen: Unser Sohn ist ein Arschloch.

„Kümmert euch nicht drum; er ist einfach ein Arschloch."

Ich will ihn nicht mehr vor sich selbst schützen. Jetzt, wo er fast vier Jahre alt ist, ist es an der Zeit, dass er Verantwortung für sein Verhalten übernehmen muss. Nicht alles, was er tut, ist ein Ergebnis unserer Erziehung. Er ist ein Individuum, er trifft seine eigenen Entscheidungen; das ist Amerika!

Unglücklicherweise hat er sich dafür entschieden, allen auf den Sack zu gehen, aber ich lasse ihn gerne sein eigenes Grab graben.

„Ja, Kellner, das ist mein Sohn, aber er steht seinen Mann selbst. Er ist der Kerl, der die Speisekarte auf Sie geworfen hat, in sein Essen gespuckt hat, nicht in meins."

Dieser Ansatz ist ziemlich liberal. Das heißt nicht, dass ich mich die Erziehung aufgebe. Da ist ein großer Unterschied, sich nicht mehr für seinen Sohn zu entschuldigen und das Verhalten einfach so durchgehen zu lassen. Ich gehöre nicht zu den Eltern, die ihre Kinder ignorieren, während sie im Flugzeug oder im Restaurant hin und her laufen. Wenn er eine Szene macht, beenden wir die Szene, schnellstmöglich. Und es ist Auszeit-Zeit.

Wir disziplinieren das Kind, und wir übernehmen immer noch einen fairen Teil der Verantwortungen für die Person, die er vielleicht einmal sein wird. Aber die sogenannten schlimmen 2er oder 3er oder 4er Jahre sind ein anstrengender Weg. Es gibt einen natürlich Teil von kindlicher Entwicklung, durch das jedes Elternteil gehen muss, egal, wie locker oder streng sie sind.

Wir Eltern haben genug davon, den Ärger für unsere widerlichen Kinder abzubekommen. Es ist Zeit für Kinder, die Zeichen der Zeit zu lesen!

Ich werde damit anfangen, indem ich mich selbst aus dem Schneider nehme. Sorry, Sohn, aber es liegt nicht an mir:

Es liegt an dir!


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Anmerkung der Redaktion: Wir haben das Kinderbild entfernt.