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Wir wissen, dass Donald Trump ein Faschist ist - er hat es praktisch selbst zugegeben

Veröffentlicht: Aktualisiert:
DONALD TRUMP
Jonathan Ernst / Reuters
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Heute geriet mein Twitter-Feed völlig außer Kontrolle. Ja, es ist Twitter, da gerät fast immer alles außer Kontrolle, aber nicht mein Feed. Ich habe nur einige wenige Follower.

Ich bin IT-Consultant, folge hauptsächlich Comedians und Politikern aus den USA und Großbritannien. Ich retweete und chatte mit Personen, deren Meinung ich teile und manchmal gibt es einen spitzen Seitenhieb auf Personen, deren Meinung ich nicht teile, wie z.B. @realdonaldtrump.

Ich wollte Trumps Worte nicht unkommentiert lassen

Heute hatte ich einen sehr anstrengenden Tag.

Halb sieben am Morgen in Washington - in Großbritannien ist es halb 12 Vormittags - jetzt ist es Zeit für Donald Trumps Toiletten-Tweet.

Der heutige Toiletten-Tweet war von - und daran ist nichts Ungewöhnliches - Fox News und es ging um ihn selbst. Donald Trump hat einen Fox News-Bericht retweetet und hinzugefügt, dass er einem Typen verzeihen könne, der Jagd auf illegale Einwanderer gemacht hat.

Nach den Ausschreitungen in Charlottesville am vergangenen Wochenende, bei denen ein Mensch getötet wurde, und Trumps Verharmlosung der Ereignisse, entschloss ich mich, zu reagieren und Fox News und Trump eine schnippische Antwort zu schicken: „Er ist ein Faschist, das ist nichts Neues."

Ich bekam ein paar LOLs und einige Beschimpfungen aus der Ecke der Trump-Trolle, aber das kenne ich schon, kein Problem.

Mehr zum Thema: Irrer Machtkampf: Chefstratege Bannon offenbart seine Pläne und kritisiert Trump

Donald Trump hat meinen Tweet retweetet

Nur wenig später entwickelte sich meine Benachrichtigungsfunktion, eigentlich ein kleiner, ruhiger Bach, zu einem reißenden Strom. Vielleicht hatte ich einen Nerv getroffen und ein paar Fox- oder Trump-Follower fanden es lustig, aber dann sprang mir ein Kommentar ins Auge: „OMG ich kann's nicht glauben, er hat es retweetet!!"

Dem ging ich nach. Donald Trump hatte tatsächlich meinen Tweet retweetet, in dem ich ihn als einen Faschisten bezeichnete. OMFG.

Ganz offensichtlich war es ein Versehen und eine Viertelstunde später war der Tweet wieder gelöscht - aber vorher konnte ich noch schnell einen Screenshot machen und wiederum DAS retweeten.

Aber das Internet vergisst nicht. Die Lawine war bereits losgetreten. Alles, was Trump twittert oder über Twitter teilt, landet in den Nachrichten, das ist sein Metier.

Alle wollen mich sprechen

Es lief völlig aus dem Ruder und machte schnell überall die Runde. Nach nicht einmal einer Stunde hatte ich Direktnachrichten von diversen Online-Medien aus Großbritannien (auch von der HuffPost) und wurde gefragt, wie ich mich jetzt, da Donald Trump mich retweetet hatte, fühlen würde.

Dann folgten der Fernsehsender ABC, die Washington Post und die BBC in Washington. Sie alle wollten mich sprechen. Es war doch nur ein Tweet! Ich antwortete allen und erklärte, dass es höchstwahrscheinlich ein Versehen von Donald Trump gewesen war, er würde sich ganz sicher nicht selbst als Faschisten bezeichnen, und sie waren alle unheimlich nett.

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Heute Nachmittag habe ich WGN Radio aus Washington ein Interview gegeben und morgen möchte mein Heimatradiosender, Radio Lancashire, mit mir plaudern.

Inzwischen geht die Geschichte um die Welt: CNN, NBC, BBC UK und auch einige andere Nachrichtenseiten aus dem Ausland. Trump hat auch ein Bild des Trump-Trains, der CNN rammt, getwittert. Dieses Bild hatte vielleicht etwas mehr Brisanz, aber die Anfragen und Reaktionen hören nicht auf.

Die vielen Reaktionen hatte ich so nicht erwartet

Und das Komische ist: Die meisten der Reaktionen sind positiv. Vielleicht geben sich die Trump-Trolle gar nicht erst mit meinem Tweet ab. Oder sie glauben, dass Trump es wirklich ernst gemeint hat und dass es dann schon in Ordnung sei. Mich jedenfalls haben die vielen positiven Reaktionen überrascht und es hat mich sehr gefreut.

Besonders toll war es, dass einige der Leute, denen ich bei Twitter folge (darunter auch der Gott der Twitter-Satire David Schneider), auf diesen Irrsinn aufmerksam wurden und ebenfalls sehr herzlich reagiert haben.

Was das Ganze für mich bedeuetet

Und es geht noch weiter. Ich habe meine 15 Minuten Twitter-Fame und peinlicherweise graben die Leute jetzt auch uralte Tweets von mir wieder aus. Das könnte vielleicht nicht so gut ausgehen. Aber selbst während ich das hier schreibe gibt Donald Trump weitere Abscheulichkeiten von sich, um von früheren Abscheulichkeiten abzulenken.

Morgen also wird sich wohl kaum noch jemand an mich erinnern und all meine neugewonnenen Follower werden irgendwohin abwandern. Aber da soll noch mal jemand sagen, dass ein Tweet von Donald Trump einem Allerweltsprofil nicht zu einem Höhenflug verhelfen kann.

Dieser Artikel erschien zuerst in der HuffPost UK und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

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